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Region Dirigent Christian Thielemann bei der Probe fotografiert
Nachrichten Kultur Region Dirigent Christian Thielemann bei der Probe fotografiert
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01:15 03.04.2019
„Ich möchte nicht die Haare nach hinten gegelt haben. Ich möchte mich hinsetzen und sagen: Jetzt spielt ihre einfach ,Götterdämmerung’“: Christian Thielemann. Quelle: Lois Lammerhuber/Edition Lammerhuber
Hannover

Es gibt kaum etwas, was Christian Thielemann so sehr interessiert wie Christian Thielemann. Nicht zufällig heißt ein Buch, das der derzeit bedeutendste deutsche Dirigent 2012 über seinen Lieblingskomponisten veröffentlicht hat, „Mein Leben mit Wagner“. Darin erzählt er anekdotenreich, aber erhellend von seinem Umgang mit dem Bayreuther Meister und davon, wie man dessen Musik am besten zum Klingen bringt. Thielemann vermeidet dabei alle musikwissenschaftlichen Details: Für ihn ist Musizieren vor allem eine körperliche Angelegenheit. Darum erscheint es konsequent, wenn nun pünktlich zum 60. Geburtstag des Musikers am 1. April eine Weiterentwicklung dieses ersten Buches erscheint. „Dirigieren“ heißt der kiloschwere Bildband, der auf mehr als 300 großformatigen Fotos mehr als 300 Nahaufnahmen von Thielemann präsentiert.

Die Klangfarbe macht die Musik

Doch das Buch ist mehr als die Selbstbespiegelung eines Pultstars. Die Figur des Dirigenten, schreibt Thielemann im Vorwort, habe ihn anfangs nicht interessiert. Er habe den Auftritt des Kapellmeisters, der mit einem Stab in der Hand ausladende Bewegungen macht, stets als merkwürdig empfunden. „Aber ich musste einsehen und lernen, dass er derjenige war, der durch seine Gestik die Farben mischte, die ich so mochte.“

Christian Thielemann probt das Verdi-Requiem in der Semperoper Dresden. Quelle: Lois Lammerhuber / Edition Lammerhuber

Die Klangfarbe ist für Thielemann die wichtigste Kategorie seines Musizierens. Auf den Fotos, die er zum Teil mit lakonischen Anmerkungen versehen hat („Die Stelle muss anders klingen. Und leiser. Es bilden sich Sorgenfalten“), ist zu sehen, wie er die Orchestermusiker dazu animiert, den jeweils spezifischen Ton zu treffen. So zeigen die Bilder, was das rätselhafte Handwerk des Dirigenten im Kern ausmacht: Thielemann übersetzt musikalische Emotionen in Gesichtsausdrücke und Gesten. Das wirkt oft nicht sehr elegant, macht aber den Musikern sichtbar, was nicht in den Noten steht, und sorgt damit viel mehr noch als die Vorgabe eines Tempos für das, was man Interpretation nennt.

Fotos bei den Proben

Der Fotograf Lois Lammerhuber hat Thielemann bei drei Proben begleitet und dokumentiert so dessen Arbeit an der Semperoper Dresden, in Salzburg und – bei der Generalprobe zu „Tristan und Isolde“ – bei den Bayreuther Festspielen. In einem ausführlichen Interview mit Clemens Trautmann erläutert Thielemann zusätzlich, worauf es für ihn beim Dirigieren vor allem ankommt. Er kann es sogar in einem Wort zusammenfassen: „Klangintensitätsregie“. Und natürlich kann der gebürtige Berliner Thielemann auch nicht verschweigen, worauf es nicht ankommt: „Ich möchte nicht die Haare nach hinten gegelt haben. Ich möchte kein neurotischer Schönling sein. Ich möchte mich einfach hinsetzen und sagen, ohne viele Worte: Jetzt spielt ihre einfach ,Götterdämmerung’.“

Interviewer Trautmann ist inzwischen Chef des Plattenlabels Deutsche Grammophon, das zum Geburtstag alle bisherigen Aufnahmen des Dirigenten in einer Box mit 21 CDs bündelt. Eine Neuaufnahme gibt es derweil beim Konkurrenten Sony Classics, der die vier Schumann-Sinfonien mit der Staatskapelle Dresden und Thielemann veröffentlicht: Der Livemitschnitt ist nicht perfekt, aber ungeheuer lebendig und intensiv – ein idealer Soundtrack zum stummen Bildband.

Christian Thielemann, Clemens Trautmann, Lois Lammerhuber: „Dirigieren“. Edition Lammerhuber. 318 Seiten, 99 Euro.

Von Stefan Arndt

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