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„Burn“-Festival: Das Ensemble des Schauspiels verabschiedet sich

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19:15 10.06.2019
Kneipenphilosophen: Hagen Oechel und Sebastian Weiss (vorn) mit Bettina Burchard und Christoph Müller in „Sprit!“ von Jonas Steglich
Kneipenphilosophen: Hagen Oechel und Sebastian Weiss (vorn) mit Bettina Burchard und Christoph Müller in „Sprit!“ von Jonas Steglich Quelle: Isabel Machado Rios
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Brennen Sie innerlich, brennen sie äußerlich, aber vor allem: brennen Sie sich einen“, ruft der Schauspieler Silvester von Hösslin den Zuschauern vor der Cumberlandschen Galerie per Megafon zu und fordert sie auf, ihn ins Haus zu begleiten. Nun denn. Drinnen überall Lametta. Und Musik. Das Ensemble singt ein Lied, die Schauspieler tragen Goldkostüme. Allgemeines Glitzern. Die Abschiedsspiele haben begonnen.

Utopischer Feierraum

Ganz zum Schluss der Intendanz von Lars-Ole Walburg will das Ensemble einen Traum von einem anderen Theater träumen: Das Theater präsentiert sich als freundlicher, utopischer Feierraum. Vor der Tür wurde Rollrasen verlegt (Zugangsschwellen senken! Kleine Paradiese schaffen!) und drinnen geht ganz locker das Theater los: Philippe Goos und Mathias Max Herrmann führen einen irrwitzigen Dialog über Architektur, Schleusen, die erstaunlicherweise in beide Richtungen funktionieren, und das schwarze Quadrat von Kasimir Malewitsch, das vielleicht auch einmal weiß war. Derartige Kleinaktionen (bei freiem Eintritt) wird es beim Festival noch einige geben.

Etwas größer (und kartenpflichtig) war die Haupttheateraktion des Abends. Der Schauspieler Jonas Steglich hat sich als Autor und Regisseur betätigt und einen Cocktail rund ums Thema Alkohol angerichtet. „Sprit!“ fand auf der Cumberlandschen Bühne nach Art des Hauses weitgehend eingehüllt im Theaternebel statt. Jakob Benkhofer, Bettina Burchard, Hagen Oechel und Sebastian Weiss sprachen, brüllten, lallten Texte von Hans Fallada, Jack London, Jörg Fauser und Eugen Egner. Sehr witzig war Christoph Müller, der sich ganz ruhig an der Theke einen nach dem anderen einschenken ließ. Das wird ja manchmal vergessen im Theater: dass das wirklich Große oft ganz leise ist.

Ganz ungeschminkt

Am Ende der einstündigen Aufführung gab’s Applaus und Jubel – ein freundlicher Abschied von den Menschen, die jetzt das Schauspiel Hannover verlassen werden. Sie sind übrigens die ganze Zeit während des „Burn“-Festivals an den Wänden zu sehen: Der Schauspieler Andreas Schlager – ein sehr guter Fotograf – hat seine Kollegen am Ende einiger Vorstellungen gleich nach dem Applaus und den Verbeugungen auf der Seitenbühne fotografiert.

Schauspieler Andreas Schlager hat seine Kollegen vom Schauspielhaus Hannover direkt nach dem Ende der Vorstellung auf der Seitenbühne fotografiert. Die Porträts hängen jetzt im Cumberlandschen Treppenhaus.

Die Porträts hängen jetzt im Cumberlandschen Treppenhaus: abgekämpfte, aber glückliche Schauspieler sind hier zu sehen, und obwohl sie meist sehr stark geschminkt sind, wirken sie ganz ungeschminkt.

Das „Burn“-Festival mit verschiedenen Neuproduktionen, die extra für das Festival entstanden sind, mit Konzerten und vielen Partys läuft noch bis zum 15. Juni im Innenhof des Schauspiels und in der Cumberlandschen Galerie.

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Von Ronald Meyer-Arlt