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„Burn“-Festival: Rainald Grebe verabschiedet sich mit seinem „Elfenbeinkonzert“

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00:15 13.06.2019
Hat noch einen Koffer in Hannover: Rainald Grebe. Quelle: Frank Wilde
Hannover

Drei Jahre lang hat der Kabarettist und Liedermacher Rainald Grebe am Schauspiel Hannover gearbeitet. In den Theaterabenden, die daraus entstanden sind und die gleichermaßen Liederabende, Vorlesungen, Diskussionsrunden und Experimente waren, widmete sich Grebe der Frage, wie der Siegeszug des Digitalen unsere Welt ändert.

Jetzt kam er zu seinem Abschiedskonzert ins Schauspielhaus. Im Rahmen des „Burn“-Festivals, mit dem sich Intendant Lars-Ole Walburg und seine Mitspieler funkensprühend, trunken, tanzend, glühend und strahlend funkelnd von Hannover verabschieden wollen, verabschiedete sich auch Rainald Grebe. Im ausverkauften Schauspielhaus präsentierte er sein „Elfenbeinkonzert“. Fast dreieinhalb Stunden dauerte die Show, die vieles war: große Kleinkunst, Diashow, Liederabend, Dramolett, Dada-Soirée, Seminar und Kriegsbericht. Am Ende applaudierten die Zuschauer lange im Stehen.

Kokain aus dem Darknet

Das Schöne an so einem Abend mit Rainald Grebe ist, dass man nicht nur wunderbar unterhalten wird, sondern auch eine Menge lernt. Zum Beispiel, dass mit dem Refrain des Liedes „Das Wandern ist des Müllers Lust“ gar nicht der Berufsstand des Müllers, sondern der Autor, Wilhelm Müller, gemeint ist, der das Lied 1821 unter dem Titel „Wanderschaft“ geschrieben hat, oder wie man Kokain im Darknet bestellt. Grebe hatte für die Kokainbestellung ein Mitglied des Chaos-Computer-Clubs aus Hannover dabei und ließ den Fachmann auf der Leinwand (die – erstaunlich für ein Theater dieser Größe – alles andere als faltenfrei war) vorführen, wie man ins Darknet kommt und was man da alles so machen kann. Zum Beispiel für 15,5 Bitcoins ein Kilo Kokain ans Schauspiel Hannover, Prinzenstraße 9, liefern lassen. Das hatte Grebe auch schon in einer seiner „Annadigiding“-Vorstellungen gemacht, aber die Nummer gehört eben auch nicht gerade zu den Kunststückchen, die schlechter werden, wenn man sie wiederholt.

Endreime im Hip-Hop

Rainald Grebe macht intelligentes Kabarett für die Leute, die neugierig geblieben sind, denen die Welt aber ein bisschen fremd geworden ist. Er wundert sich über unsaubere Endreime im Hip-Hop, die Erfindungen des Stadtmarketings („Lohne lohnt sich“, „Lüdenscheid – Stadt des Lichts“ oder „Konstanz, die Stadt am H2O“) und die Existenz von Mittelaltermärkten. Sein Standpunkt dabei: Gleichzeitig weit außerhalb wie immer irgendwie dazwischen. Er staunt von fern und leidet mit von Nahem.

Einmal wird er ganz ernst, und dann wird es ganz still im Saal. Er erzählt von Henrike, der Leiterin des Goethe-Instituts an der Elfenbeinküste, die ihn eingeladen hatte. Er zeigt Videos von Kindern dort, die Helene Fischers „Atemlos durch die Nacht“ singen. Dann sagt er, dass Henrike Grohs 2016 in Afrika von Islamisten erschossen wurde.

Und dann ist es ganz still im Saal. Und danach kann man nicht mehr so frei und ungezwungen lachen, wie man das vorher noch konnte.

Und dann weiß man, dass das hier ein großer Theaterabend gewesen ist.

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Von Ronald Meyer-Arlt

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