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Comedy: Herr Schröder sorgt im Pavillon für leichte Unterhaltung

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18:18 27.09.2019
Lehrer mit Frustrationshintergrund: Johannes Schröder bei seinem Gastspiel im Pavillon Hannover. Quelle: Amelie Apel
Hannover

Neben der als dumm geltenden Blondine gibt es noch eine Person, über die die Deutschen anscheinend immer noch lachen können: den naiven Teenager. Als Kevin, Justin oder Chantal ist er für Komiker eine genauso sichere Witzebank wie für Mario Barth die Erlebnisse seiner Freundin. Auch Johannes Schröder verkörpert auf der Bühne des Pavillons einen Lehrer mit Frustrationshintergrund, wie er es nennt – und das recht erfolgreich: Knapp 600 Zuschauer wollten den beurlaubten Gymnasiallehrer und Comedyquereinsteiger erleben.

Ein Deutschlehrer wie aus dem Lehrbuch

Die erste Hälfte des Abends verwandelt Herr Schröder in eine Deutsch-Nachhilfestunde. Er klärt über rhetorische Mittel wie Euphemismus und Oxymoron auf. Besonderen Wert legt er dabei auf Metaphern. Diese Witze sind originell – eine Lehrerfigur hat die deutsche Comedyszene noch nicht. Immer wieder fragt er dabei Lucas aus der ersten Reihe, ob er bei dem Tempo des Unterrichts auch mitkäme.

Johannes Schröder verkörpert den klischeehaften Deutschlehrer. Quelle: Amelie Apel

Lucas ist aber nicht der Einzige, den Herr Schröder während des gesamten Abends auf die Schippe nimmt: So bindet er die Schüler Marvin und Titus und den Junglehrer Joris aktiv in sein Programm mit ein. Dabei braucht er nicht lange nach potenziellen Opfern zu suchen: Im Publikum sind offenbar viele Lehrer oder Schüler. „Bist du Lehrer?“, fragt Herr Schröder einen Herren auf der linken Seite, der daraufhin mit dem Kopf schüttelt. „Nein? Ach so, dann arbeitest du also Vollzeit.“ Das Publikum lacht. Bei Stand-up-Comedy fühlt sich der Kabarettist merklich wohl. Er reagiert spontan auf Zurufe seiner Gäste und hat für jedes Schulfach die passende lustige Anekdote parat. Diese Spontanität ist stark und lustig.

Witze über Lipgloss-Lisa

Die restliche Zeit füllt Herr Schröder mit Witzen über Teenager: Er nennt sie Justin, Lipgloss-Lisa oder Longboard-Linus. Er macht sich über die Jugendsprache lustig und über die Technikkompetenz der Lehrkräfte. Er erzählt von Klassenfahrten, dem Elternsprechtag, einem verhassten Sportlehrerkollegen und bedient jedes Klischee, das seinen Weg kreuzt.

Die Geschichten sind lustig, aber ohne Tiefgang, die Pointen häufig vorhersehbar. Er scheut auch nicht den Griff in die Flachwitztrickkiste: „Das lyrische Ich nenne ich in meiner Flüchtlingsklasse immer das syrische Ich.“ Die Schüler selbst bezeichne er liebevoll als „Fluchtzwerge“. Dass die Witze von Herrn Schröder politisch manchmal nicht sonderlich korrekt sind, weiß er selbst. Schließlich ist der Kabarettist studierter Deutschlehrer.

Ein Comedian, der einen Lehrer verkörpert, mag neu sein. Witze über die Schule sind es nicht. Das Publikum applaudiert dennoch lautstark und verlässt beschwingt den Saal. Vor der Tür steht der Künstler sogar noch für Fotos bereit. Als Lehrer wäre ihm das wohl nicht vergönnt gewesen.

Von Amelie Apel

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