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Region Constantin Trinks überzeugt mit Bruckner in der Staatsoper
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Constantin Trinks dirigiert Bruckners 8. beim Sinfonkonzert in der Staatsoper

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17:09 28.10.2019
Keine Eile: Constantin Trinks dirigiert Bruckner in der Oper. Quelle: Navid Bookani
Hannover

Dieser Dirigent vollbringt keine Wunder – es macht einfach nur vieles richtig. Mit einer klugen Version von Anton Bruckners gewaltiger achter Sinfonie dürfte Constantin Trinks Punkte im Rennen um die Position des künftigen Generalmusikdirektors an der Staatsoper gesammelt haben: Gemeinsam mit dem bestens aufgelegten Staatsorchester glückte ihm eines der eindrucksvollsten Sinfoniekonzerte der vergangenen Jahre.

Angesicht der gewaltigen Dimension der Sinfonie verspürt der 44-jährige Dirigent keine Eile: Gut anderthalb Stunden dauern die vier Sätze bei ihm. Erschöpfung ist im Publikum danach aber nicht zu spüren. Der Applaus am Sonntag hat fast noch einmal die Länge einer kleinen Mozart-Sinfonie.

Elegante Übergänge

Trinks, der im September bereits Fromental Halévys „La Juive“ als Eröffnungspremiere der Intendanz von Laura Berman dirigiert hat, erweist sich bei Bruckner als uneitler und pragmatischer Orchesterleiter. Er legt es nicht darauf, mit übermäßig eleganten Gesten zu glänzen – es lässt vielmehr das Orchester gut aussehen. Selbst im großen Klangrausch behält er viele Details im Blick, animiert er einzelne Gruppen dazu, lauter oder leiser zu spielen, und sorgt vorausschauend mit klaren Einsätzen für elegante Übergänge.

Sein Bruckner tönt dabei niemals wie Klang gewordene Architektur. Zwar ist auch in der Staatsoper die Struktur des Werkes gut zu hören, der kunstvolle Tonsatz, mit dem Bruckner das Stück nach allen Regeln der Kunst konstruiert hat. Doch anders als viele seiner Kollegen hält Trinks die Musik stets in Bewegung, seine Tempogestaltung ist bei klarer Grundstruktur ungeheuer flexibel. Immerfort stockt und drängt der Klangfluss, ohne dass es je manieriert erschiene. Bruckners lange Sinfonie wirkt so immer kurzweilig.

Orchester mit Potenzial

Das liegt auch an einer guten Balance zwischen den Orchestergruppen. TrinksBruckner ist oft so laut, wie diese kraftvolle Musik es verlangt, aber er ist nie lärmend. Selbst in den größten Ausbrüchen decken die Bläser die Streicher nie ganz zu, was im Opernhaus bei so groß besetzten Stücken relativ leicht passieren kann. Trotzdem entsteht nicht der Eindruck, die Bläser und Schlagzeuger würden mit angezogener Handbremse spielen. Die Qualität des Staatsorchesters kommt außer in dieser Gesamtleistung, die allen Musikern hohen Einsatz abverlangt, in vielen fantastischen Soli (Wagnertuben! Pauke!) eindrucksvoll zur Geltung.

Das Konzert weist Trinks so als einen Dirigenten aus, mit dem das Orchester sein Potenzial pflegen und sogar noch weiter ausbauen könnte. Eine wichtige Anforderung an einen Generalmusikdirektor in Hannover erfüllt er damit. Ob das genügt, wird man wohl bald erfahren: Wenn es zur kommenden Saison wieder einen Chefdirigenten oder eine Chefdirigentin in der Oper geben soll, müsste eigentlich in diesem Winter eine Entscheidung fallen.

Die nächsten Konzerte: Claude Debussys „La Mer“ und die „Lyrische Sinfonie“ von Alexander Zemlinsky stehen am 24. und 25. November beim dritten Sinfoniekonzert auf dem Programm, Dirigent ist Jordan de Souza. Das Weihnachtskonzert in Herrenhausen am 21. und 22. Dezember sowie das Neujahrskonzert mit Beethovens 9. Sinfonie am 1. Januar um 12 Uhr und 19.30 Uhr dirigiert Michele Spotti.

Auszeichnung für hannoverschen Tenor

Der Tenor Long Long gehört seit dieser Spielzeit zum Ensemble der Staatsoper Hannover. Beim renommierten internationalen Wettbewerb „Junge Stimmen“ wurde der Chinese am Wochenende mit dem ersten Preis ausgezeichnet. Long ist ab 2. November wieder in Hannover zu hören: Er singt in der Wiederaufnahme von Richard Strauss’ „Salome“ mit Rachel Nicholls in der Titelrolle. Im Dezember ist Long Long als Tamino in der „Zauberflöte“ und als Rodolfo in „La Bohème“ zu erleben.

Lesen Sie weiter:

Bruckner im Gepäck: Ein Porträt von Constantin Trinks.

Von Stefan Arndt

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