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Region Wenn die Bühne explodiert: Das Chefboss-Konzert in Hannover
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01:15 03.04.2019
Wenn die Bühne explodiert: Chefboss im Musikzentrum. Quelle: Samantha Franson
Hannover

Mal ein neues Synonym für heftiges Tanzen: Kaviar auf Nike-Sohlen verbrennen. Ist vom Hamburger Dancehall-Duo Chefboss. Das sind Sängerin Alice Martin und Tänzerin Maike Mohr. Die beiden waren mit ihrer Crew am Freitagabend im Musikzentrum. Crew ist hier das richtige Wort, weil es keine Band ist. Die beiden teilen sich die Bühne standardmäßig mit zwei weiteren Tänzerinnen und einem DJ/Beatproduzenten, der meistens nur Playbacks abfährt. Leute, für die ein Konzert erst ein Konzert ist, wenn einer eine Gitarre trägt – ihr müsst leider draußen warten.

Haste mal ein Handtuch?

Chefboss hat den Laden ordentlich abgerissen, wie man so sagt. Das Genre Dancehall mit seinem technoid eingefärbten Dampfhammersound eignet sich dafür bestens. Der Bass geht extra tief und lockert den Fugenmörtel. Und dann braucht es nur noch ein paar harte Kicks, und alles um die Bühne herum zerbröselt. Die Hände gehen hoch, johlen, hüpfen, Handtücher schwingen.

Das sind die Bilder von der Chefboss-Show im Musikzentrum

Handtücher schwingen? Ja, das ist so ein Markenzeichen der festivalgestählten Chefinnen. Die Lappen mit dem Bandsignum darauf werden verteilt und verkauft. Und sie taugen nicht nur zum gemeinschaftlichen Überdemkopfschwingen, sondern auch zum Schweißwegwischen. Und es wird viel geschwitzt, denn es wird viel getanzt. Der Chefbosssound ist ununtanzbar.

Gibt es das: Feministisches Twerken?

Wobei das Tanzen hier eine ziemlich breitbeinige, erotisierte Mischung aus Vogueing und Twerking ist. Aus dem Vogueing (wer erinnert sich an Madonnas „Vogue“ von 1990?), einer choreografierten Abfolge von Modelposen, sind die Unterströmungen des Sadomasochismus und des Fetischismus als Modekonzept gleich mit übernommen. Und das jüngst weltanschaulich angezählte Twerking, also das demonstrative Pobackenwackeln, wirkt wie vom Antifeminismusvorbehalt entfesselt. Ist nur 'ne vorsichtige Spekulation, aber: Vielleicht wird Twerking erst im Kopf von dummen Männern frauenfeindlich. Und weil die Chefbossparty ein sehr femininer Abend ist, weil also Frauen für Frauen twerken, scheint es im Kontext dieses Konzertes okay.

Songs wie Abrissbirnen

Okay, Psychologiemodus aus: Es gibt nicht so viele Bands, die ihre Repertoire so rücksichtslos auf diese wiederkehrenden Momente hin inszenieren, in denen das Geschehen auf der Bühne förmlich explodiert (Videoschnipsel dazu angucken!).

Da steigt der DJ mit einer Licht- und Rauchkanone auf sein Pult und macht auf Inferno. „Hausverbot“, „Blitzlichtgewitter“, „Feuerwerk“, „Zombie Apokalypse“ und „Hol dein Freak raus“, das sind Songs, mit denen man die Statiker in den Bauämtern um den ruhigen Schlaf bringen kann.

Wir haben da vielleicht noch etwas für Sie: Die Video-Übersicht ausgewählter Clubkonzert in Hannover im April. Interessiert? Dann folgen Sie mir unauffällig HIER entlang.

Von Volker Wiedersheim

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