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Region Tote Marder, vertrocknete Wespen, Lachwurst in Alkohol: Marlene Bart stellt Naturdinge aus
Nachrichten Kultur Region

Das Sprengel Museum zeigt Kunst von Marlene Bart in der Feinkunst-Galerie 

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20:00 30.01.2020
Lachwurst in Alkohol: Arbeit von Marlene Bart, die das Sprengel Museum jetzt in der Feinkunst-Galerie zeigt. Quelle: Ronald Meyer-Arlt
Hannover

Dem Marder war nicht mehr zu helfen. Aber das totgefahrene Tier einfach am Straßenrand liegen lassen, das wollte Marlene Bart auch nicht. Also packte sie das Tier in eine Plastiktüte und in die Kühltruhe. Nach einiger Zeit begann dann der Prozess der künstlerischen Auseinandersetzung mit dem Kadaver. Die Künstlerin setzte sich mit Techniken der Konservierung und Präparierung auseinander. Sie nahm Abdrücke des toten Tieres. Sie stellte den Marder aus. Irgendwann hat sie dem Marder dann ein Grab geschaufelt. Darüber hat sie ein Video gedreht.

Marlene Bart vor einem ihrer Knochenwerke. Quelle: Ronald Meyer-Arlt

Abdrücke und Fotos des toten Marders, das Skelett eines weiteren Marders und noch einige andere tote Tiere sind jetzt in der Ausstellung „Naturdinge – Formen zwischen Kunst und Wissen“ in den Räumen der Galerie „Feinkunst“ in der Roscherstraße zu sehen. Kuratiert wurde die Ausstellung vom Sprengel Museum, das auf diese Weise seine Nähe zum künstlerischen Nachwuchs der Region pflegt und mit seinem Namen gleichzeitig den präsentierten Künstlern eine Art Gütesiegel verleiht.

Marlene Bart, die in Berlin und Hannover lebt, hatte im vergangenen Jahr bereits eine Einzelausstellung in Hannover: Damals zeigte die Galerie „Metavier“ einige ihrer Arbeiten. Diese Galerie gehört zu einem Bestattungsinstitut – was durchaus den passenden Rahmen für die Kunst von Marlene Bart lieferte. Der Tod spielt schließlich eine wichtige Rolle in ihrem Werk.

Lachwurst in Alkohol

Die 1991 geborene Künstlerin interessiert sich nicht nur für Kadaver, sondern auch für den Umgang, den die Welt damit pflegt. Wissenschaftliche Ordnungssysteme wie Enzyklopädien oder die Wunderkammern, die Artefakte präsentieren und erklären, spielen in ihrem Werk eine wichtige Rolle. Marlene Bart erinnert uns daran, dass das meiste, was wir von der Welt festhalten und archivieren, tot ist.

Die Künstlerin nimmt historische Illustrationen in ihre Siebdrucke und Radierungen auf, und sie hat in der Feinkunstgalerie eine eigene kleine Wunderkammer eingerichtet. Hier präsentiert sie wie in einem Naturkundemuseum Schaugläser, in denen Alkohol organische Materie konserviert. Nur dass sie als Artefakt fürs Glas Wurst mit einem lachenden Gesicht gewählt hat.

Zähne mit Insekten. Arbeit von Marlene Bart in der Feinkunstgalerie. Quelle: Ronald Meyer-Arlt

Manchmal geht von ihren Objekte ein gewisser Schrecken aus. Das Gebissmodell (es sind ihre eigenen Zähne) auf dem Wespen kleben, ist ebenso verstörend wie der Kunstharzabdruck des menschlichen Gehirns, in dem ebenfalls Wespen gefangen sind. Andere Insekten werden in Alkohol präsentiert, und vor einer Zigarrenkiste, die mit Watte ausgelegt ist, liegt ein ausgestopfter Vogel.

Vom Härtegrad der Kunst

Die Nähe zum Tod macht ihre Kunst hart, und verleiht ihr wie auch der Künstlerin auch eine gewisse Coolness. Marlene Bart betont den Härtegrad ihrer Kunst auch mit ihrem bevorzugten Material: Porzellan. Daraus hat sie ein weißes Herz geformt. Diese Kälte, Glätte und Coolness, die sich auch in den bedruckten Kacheln spiegelt, mit denen sie Teile des Bodens belegt hat, ist faszinierend – bis zu einem gewissen Punkt.

Marlene Bart: „Naturdinge. Formen zwischen Kunst und Wissen“. Bis zum 4. April in der Galerie Feinkunst, Roscherstraße 5 in Hannover. Zur Eröffnung am Freitag, 31. Januar, um 19 Uhr spricht auch Reinhard Spieler, der Direktor des Sprengel Museums.

Von Ronald Meyer-Arlt

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