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Region A Summer’s Tale bietet viel Platz für Entspannung und Picknickdecken
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Das etwas andere Festival: A Summer’s Tale in der Lüneburger Heide 

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15:53 02.08.2019
Festival? Ja. Aber gepflegt muss es sein: „A Summer's Tale“ in Luhmühlen. Quelle: Julie Beck
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Luhmühlen

Die junge nordirische Sängerin Amy Montgomery wagt bereits im Eröffnungskonzert des Festivals A Summer’s Tale bei Luhmühlen in der Nordheide ein Resümee: „Ich habe das Gefühl, dass ich hier am richtigen Ort spiele.“ Sie wolle ihre Musik für positiv denkende Menschen machen, sagt sie. Sie hätte vermutlich tatsächlich kaum ein entspannteres Festival für ihren ersten großen Auftritt in Deutschland wählen können.

Viel Platz für Familien und Picknickdecken

Das A Summer’s Tale wendet sich an Musikliebhaber, die es gerne ein wenig komfortabler haben, mit viel Platz und gezielten Angeboten für junge Familien. Mit maximal 15.000 Besuchern rechnet der Veranstalter FKP Scorpio aus Hamburg im fünften Jahr. Am ersten Festivaltag, der nur ein halber ist, ist nicht einmal die Hälfte von ihnen schon da. Das weitläufige, grüne Gelände, das sonst für Reitsport genutzt wird, bietet noch mehr als genug Wiesenfläche für Picknickdecken. Viele kommen vor allem wegen der Atmosphäre.

Talent und Leidenschaft

Dass das Festival aber die Musik nicht vernachlässigt, zeigt Montgomerys Auftritt. Sie ist nur dafür nach Deutschland gekommen. In Großbritannien wird die 20-Jährige bereits als Entdeckung gefeiert. Auf dem A Summer‘s Tale zeigt sie, warum: Ihre abgründige, raue Stimme verliert weder in den Höhen noch in den Tiefen an Kraft, sie singt ihren selbst geschriebenen, grungig-souligen Bluesrock mit einer Kompromisslosigkeit, die viele an Janis Joplin denken lässt. Ihre Mischung aus Talent und Leidenschaft könnte sie schnell groß werden lassen.

Montgomery nimmt sich Zeit für ihre Fans

Aber noch nimmt sich Montgomery nach dem Konzert Zeit für die Fans, verkauft vor der Bühne selbst gebastelte CDs mit individuellen Hüllen und handgeschriebenen Titeln. Dass das Festival mit gutem Instinkt kuratiert wurde, zeigt sich auch bei den anderen Konzerten am Aufwärmtag. Die junge Band Helgen, deren Mitglieder sich beim Studium der Popmusik in Hannover kennenlernten, überzeugt mit feinfühligem, international konkurrenzfähigem Indie-Pop. Whitney aus Chicago spielt zum Auftakt ihrer europäischen Festivaltour Breitwand-Americana – warm, filigran, narrativ und doch wuchtig.

Die Nerven spielen düsteren Punkrock. Quelle: Peter Detje

Die Stuttgarter Band Die Nerven beweist schließlich, dass sie sich zu Recht den Ruf erspielt hat, mit düsterem, psychedelischem Punkrock Konzerte zu spielen, deren atmosphärische Dichte ihresgleichen sucht. Der Abend endet dennoch mit einer Geste der Nähe: Schlagzeuger Kevin Kuhn schleudert seine Sticks nicht wie üblich einfach ins Publikum: Er klettert von der Bühne und reicht sie einem kleinen Jungen, der in der ersten Reihe auf den Schultern seines Vaters mitgerockt hat.

Aromen raten

Neben der Musik legen die Festivalmacher großen Wert auf ein umfangreiches Begleitprogramm. „Wer ist denn hier, weil er keinen Bock auf Yoga oder Basteln hatte?“, fragt Poetry Slammer Hinnerk Köhn. Während er über seine Heimatstadt Eckernförde lästert, hält er inne und sagt: „Sonst reagieren die Leute anders – ihr habt da bestimmt alle Strandhäuser.“ Dafür lauscht dieses Publikum auch geduldig einem Vortrag über Quantenphysik und rät bei einer Weinprobe Aromen. Um Mitternacht schauen sich manche noch ein Kurzfilmprogramm an. Auf dem Zeltplatz herrscht aber bereits Stille.

Das Festival

Das Festival A Summer’s Tale findet vom 1. bis 4. August zum fünften Mal im Eventpark Luhmühlen westlich von Lüneburg statt.

Noch bis Sonntag lassen sich vor drei Bühnen Bands, Shows, Performances, Lesungen, Filmprogramme und Vorträge erleben, ergänzt durch zahlreiche Workshops.

Am Sonnabend spielen Mine, Faber, Die Goldenen Zitronen, Xavier Rudd und Zaz, am Sonntag The Charlatans, Kate Nash, Michael Kiwanuka und Elbow. Sogenannte Musiktickets erlauben den Besuch der Konzerte eines Abends und kosten 49 Euro. Tickets und eine vollständige Programmübersicht sind auf www.asummerstale.de erhältlich.

Von Thomas Kaestle

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