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Dem Landesvater seine Musik: Barockensemble La festa musicale spielt Venturini in der Markuskirche

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12:16 23.10.2019
Das Ensemble La festa musicale Hannover. Quelle: Jérome Gerull
Hannover

1714 muss ein aufregendes Jahr für Francesco Venturini gewesen sein: Nicht nur avancierte der Violinist der kurfürstlichen Kapelle zum hannoverschen Hofkapellmeister. Sein Arbeitgeber Georg I. bestieg außerdem in dem Jahr – als Erster der Welfen – den britischen Thron.

Viel ist allerdings nicht bekannt über Venturini, tatsächlich weiß man nicht einmal, warum er, der vermutlich aus Belgien stammte, so einen italienisch klingenden Namen hatte. Erhalten sind einige seiner Werke, aber auch an die ist nicht so leicht zu kommen. Es seien „Ausgrabungen aus dem Fundus der Hannoveraner Hofkapelle um 1700“ kündigt der Cellist der Barockensembles La festa musicale, Christoph Harer, an, das nun in der Markuskirche hauptsächlich Werke von Venturini aufgeführt hat.

Immer wieder Elchfleisch

Gerahmt wird das Programm aus Kammerkonzerten und einem Concerto des Komponisten jeweils von einer Chaconne. Die erste ist von Agostino Steffani, einer von Venturinis Vorgängern in Hannover unter Herzog Ernst August von Hannover, die zweite von Étienne Valoix, einer von Venturinis Schülern.

Das 2014 gegründete Ensemble findet einen weiteren Rahmen für das Konzert: Bei der Gartenarbeit, erzählt Harer augenzwinkernd, habe er eine Kiste mit Briefen Venturinis gefunden. Diese fiktiven Briefe, abwechselnd vorgetragen von Ensemblemitgliedern, sind zwischen den Werke Venturinis zu hören: Es gibt sogar einen Brief seiner Frau an ihren Liebhaber und als Running Gag zieht sich eine Geschichte von gepökeltem Elchfleisch durch die Briefe. Gleichzeitig ist darin immer etwas zur Zeitgeschichte oder zu den Stücken selbst zu erfahren.

Heitere Präsentation

Den Musikern gelingt es, die alten Werke erstaunlich frisch klingen zu lassen. Was sicherlich an ihrer großen Spielfreude liegt, aber auch an der humorvollen Präsentationsform. La festa musicale bietet einen unterhaltsamen Abend mit bislang kaum aufgeführter Musik. Die nimmt das Ensemble zwar ernst – sich selbst aber zum Glück nicht so sehr.

Die nächsten Auftritte von La festa musicale in Hannover: Am 3. November, 18 Uhr, Händels „Israel in Egypt“ mit dem Markuschor in der Markuskirche, am 10. November, 17 Uhr, Bachs h-Moll-Messe mit dem Kammerchor Hannover in der Neustädter Hof- und Stadtkirche.

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Von Jan Fischer

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