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12:15 12.03.2019
Michael Gielen (1927–2019) Quelle: dpa
Hannover

Er war einer der Musiker, die den Deutschen das Hören neu beigebracht haben. Der Dirigent Michael Gielen war dabei, als Mitte der Siebzigerjahre in Frankfurt das Musiktheater neu erfunden wurde. Später brachte er als Leiter des SWR-Sinfonieorchesters in Baden-Baden lange unterschätztes Repertoire wie die Musik von Gustav Mahler und die andernorts so ungeliebte Moderne zum Leuchten. Wie der SWR nun mitteilte, ist Gielen am Sonnabend in seinem Haus am österreichischen Mondsee gestorben. Er wurde 91 Jahre alt.

Aufgewachsen mit Strauss und Schönberg

In Dresden wurde Gielen 1927 in eine musische Familie geboren. Sein Vater Josef betreute als Regisseur unter die Uraufführungen der Strauss-Opern „Arabella“ und „Die schweigsame Frau“ und leitete nach dem Krieg als Direktor das Wiener Burgtheater. Seine Mutter war Schauspielerin, Schwester des Pianisten und Schönberg-Vertrauten Eduard Steuermann – und jüdischer Abstammung. Die Familie emigrierte deshalb zunächst nach Wien und 1940 nach Argentinien. Dort wurde Michael Gielen von den Dirigenten Fritz Busch und Erich Kleiber, aber auch von dem jungen Komponisten Mauricio Kagel beeinflusst.

Michael Gielen 1999 bei seiner Probe. Quelle: Hermann Wöstmann/dpa

Nach dem Krieg wurde Gielen zunächst Korrepetitor an der Wiener Staatsoper und arbeitete ab 1960 als Chefdirigent in Stockholm, Brüssel und Amsterdam. 1977 wurde er Generalmusikdirektor der Oper in Frankfurt, an der Intendant Klaus Zehelein innovative Regisseure wie Hans Neuenfels und Ruth Berghaus versammelt hatte. Ein Jahrzehnt lang wurde Frankfurt mit mutigen, exemplarischen Aufführungen zu einem Kraftzentrum der Opernwelt, dessen Wirkung bis heute zu spüren ist. Gielen war dabei der Garant, dass bei allen Experimenten das eigentliche Werk nicht aus dem Blick geriet. Er war viel offener als die meisten seiner Kollegen und wusste das doch mit unanfechtbarer musikalischer Kompetenz und Kompromisslosigkeit zu kombinieren.

Ein friedlicher Sieg mit den „Soldaten“

Dazu gehörte auch das Interesse an neuen Klängen. Aufgewachsen mit der Musik Arnold Schönbergs, deren wichtigste Stimme lange Gielens Onkel war, hatte er stets ein Ohr für junge Komponisten und schrieb auch eigene Werke. 1965 dirigierte er die Uraufführung von Bernd Alois Zimmermanns Oper „Die Soldaten“ in Köln, wo sein Kollege Günter Wand das Werk zuvor als unspielbar abgetan hatte – genau wie Wolfgang Sawallisch in München. Gielen setzte sich gegen alle Widerstände durch, überzeugte auch die zunächst skeptischen Orchestermusiker und machte die Uraufführung zu einem Triumph, der den „Soldaten“ den Weg ins Repertoire ebnete.

Komponist Bernd Alois Zimmermann (links) mit Michael Gielen 1995 bei einer Probe zur Uraufführung von „Die Soldaten“ im Kölner Opernhaus. Quelle: Otto Noecker/dpa

Seine sanfte Überzeugungskraft, seine stete Suche nach Klarheit und Wahrheit in der Musik brachte ihm später viele Sympathien ein. Er war gern gesehener Gast in London, Berlin und bei den Salzburger Festspielen. Ein glamuröser Pultstar aber wollte er nie sein. 2014 beendete er seine Karriere vor allem wegen seines nachlassenden Sehvermögens. Sein letztes geplantes Konzert in Baden-Baden, wo Gielen längst Ehrendirigent war, übernahm damals Ingo Metzmacher, der seine Karriere als Gielens Assistent in Frankfurt begonnen hat.

Gielen-Schüler: Ingo Metzmacher. Quelle: Irving Villegas

Von Stefan Arndt

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