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Der Liedermacher Hannes Wader erzählte seine Autobiografie

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14:47 27.11.2019
Hannes Wader 2017 bei seinem letzten Konzert im Theater am Aegi. Quelle: Frank Wilde
Hannover

Er ist ein Romantiker. Einer, der gern in Träumen lebt. „Ich könnte keine vernünftigen Lieder schreiben“, notiert Hannes Wader, der Poet, der im Poetenweg von Hoberge, am Rand des Teutoburger Waldes, reichlich prosaisch aufwuchs. Mutter und Vater arbeiteten hart bei Bauern, immer war daheim alles knapp in jenen Nachkriegsjahren, die vor dem Wirtschaftswunder der Fünfziger lagen.

Zwei Jahre ist es mittlerweile her, da trat Hannes Wader von der Bühne ab – und tat das, was er schon mal zugesagt, aber unter Zeitdruck wieder absagen musste: seine Autobiografie zu schreiben. „Trotz alledem“ ist ein Blick zurück, der erzählt, wie aus Hans der populäre Hannes und aus Wader, dem Schuhladen-Dekorateur und Grafik-Studenten, ein Liedermacher wurde. Aufgewachsen in gefühlsarmen Zeiten, mit der Sehnsucht nach Zuwendung, bleibt das übersensible Kind am liebsten allein, liest viel, durchstreift die Natur, ist ein mittelmäßiger Schüler, singt gut, spielt Mandoline und Gitarre in einem Zupfverein, ist ein schüchterner Teenie, hört lieber Rudi Schuricke als Elvis, macht trotzdem in einer Skiffleband mit und ist sich bald ziemlich sicher, dass Musik sicher besser als Maloche ist.

Wunderbare Selbsterforschung

Diese Anfangsjahre malt Hannes Wader mit Episoden und Selbsterforschung wunderbar aus. Es fehle ihm, berichtet er, ein Innenpanzer: „Ich schreibe und singe mir etwas von der Seele.“ Daher kämen Wutanfälle, Jähzorn, Beleidigungen. Der Liedermacher geht seinen Weg seit der Erweckung durch George Brassens, einem Straßensänger, und einem Chanson-Folklore-Jamboree im Radio vom SFB. Da ist er schon eingetaucht in Westberlins Klubszene, hat ein erstes Lied geschrieben („Das Loch unterm Dach“), lebt nur noch nachts, trinkt, raucht (bis zu 80 Gitanes filterlos am Tag), trifft Reinhard Mey und tourt mit ihm, ist auf der Burg Waldeck dabei, füllt Clubs und Hallen, quält sich mit dem Liederschreiben und seinem ständig schwankenden Selbstwertgefühl.

Hannes Wader in den Achtzigerjahren vor seiner Mühle in Struckum. Quelle: Archiv

Zwischendurch stellt sich der Bohemien schon mal die Klassenfrage des abgespaltenen Künstlers – und findet seinen sozialen Zustand schizophren. Trotzdem taucht er in die Szene ein, bekommt 1969, produziert von Knut Kiesewetter, die erste Platte, zieht in seine Windmühle in Struckum bei Husum, tourt unendlich, schreibt, spielt Platten ein, reist nach Südfrankreich, nach Irland, nach Alaska und in die USA, heiratet die Schauspielerin Susanne Tremper. Scheidung nach sechs Jahren 1986.

So ist er halt

Immer wieder geht Hannes Wader mit sich selbst ins Gericht, wenn er von Touren und Süchten (Zigaretten, Alkohol) erzählt. Keine katholische Kasteiung, der Ton bleibt allemal moderat. So war das eben. So ist er halt. Dass ein Psychotherapeut, DKP-Mitglied, ihm mal einen Entzug in Graal-Müritz besorgt, ist dann schon eine hübsche Anekdote. In den politischen Auseinandersetzungen der späten Sechziger sieht Wader sich eher am Rand, wird nichtsdestotrotz 1976 DKP-Mitglied und bleibt – trotz Widerspruch und Zweifeln – über ein Jahrzehnt dabei. Als er dann die DKP verlässt, bekommt die Freundschaft mit Franz Josef Degenhardt einen Knacks.

Hannes Wader 1983 bei einem Redaktionsbesuch in Hannover. Quelle: Archiv

Was „Trotz alledem“ so unterhaltend macht, ist nicht nur das lockere Erzählen, sondern sind natürlich auch die Geschichten um Sänger, Platten, Erfolge und Schulden, Lieder, Umzüge, Reisen (nach Moskau, nach Nicaragua), die Entdeckung von plattdeutschen Liedern, Volks- und Arbeiterliedern und der Ehrgeiz, Bellman wie auch Schubert zu singen. Ausführlich (und aus erster Hand) berichtet Wader, warum er 1971 als RAF-Sympathisant verhaftet wurde und über zehn Jahre unter Beobachtung stand, von lyrischen und privaten Krisen, von Billardpartien mit Udo Lindenberg und Otto Walkes bei Onkel Pö – und von den Beatles, die er mit Tony Sheridan im Top Ten hörte. Es war nicht seine Musik. So wird „Trotz alledem“ zu einem prächtigen Panorama, das kurzweilig – weil immer aus privatem Winkel – auch einige Zeitalter besichtigt.

Hannes Wader: „Trotz alledem. Mein Leben“. Penguin. 592 Seite, 28 Euro

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