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Die Show zum Buch: Sebastian Fitzek präsentiert „Das Geschenk“

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17:38 19.11.2019
Lesen reicht nicht: Autor Sebastian Fitzek hängt jonglierend an einem Seil. Quelle: Foto: Annette Riedl/dpa
Leipzig/Hannover

Wie ein Popstar betritt er die Bühne. Im schwarzen Anzug, kurzzeitig wie in einer Helene-Fischer-Show an einem Seil über die Bühne schwebend, hat sich Bestsellerautor Sebastian Fitzek in seiner neuen Buchshow gezeigt. Um sein aktuelles Buch „Das Geschenk“ vorzustellen, hat der Berliner einiges aufgefahren. Keine schnöde Wasserglaslesung, sondern eine aufwendig produzierte Literaturshow präsentierte Fitzek auf seiner „Soundtrack-Lesetour“, mit der er bis Anfang Dezember durch die Hallen der Republik tourt. Gerade war er damit in Leipzig zu Gast – am Dienstag, 26. November, wird er auch in Hannover in der Swiss-Life-Hall Station machen.

Literatur als multimediales Erlebnis

Auf seiner Lesetour begleiten den 48-Jährigen die Elektroband Buffer Underrun und ein klassisches Ensemble um den Pianisten und Komponisten Leon Gurvitch. Sie liefern den Soundtrack aus eigens dafür komponierten Stücken. Visuell wird die Leseshow durch Videos und Lichteffekte unterstützt, die auf einer Leinwand im Hintergrund ablaufen. „Es wird immer gesagt, das Buch ist vom Aussterben bedroht, aber wenn es ein Genre gibt, das die Leute begeistert, dann ist es der Psychothriller“, sagt Fitzek, der sich selbst als „Psycho-Onkel“ bezeichnet. Er muss es wissen: Fitzek ist einer der bekanntesten und auflagenstärksten Krimiautoren Deutschlands. Mit dem Format der Leseshow will er, ähnlich wie Schriftstellerkollege Frank Schätzing, Literatur zu einem multimedialen Erlebnis machen.

Während der Leseshow für „Das Geschenk“ wird ein Diner-Restaurant auf die Bühne projiziert. Quelle: Annette Riedl/dpa

Fitzeks Lesung aus „Das Geschenk“ wird von Livemusik begleitet. Zusätzlich werden Soundeffekte wie ein Telefonklingeln oder ein Schuss eingespielt. Das erinnert an ein Livehörspiel und wird durch die Videos ergänzt, in denen Handlungsorte gezeigt werden wie das Diner, das der Protagonist Milan Berg überfallen will. Die multimedial erzeugte Atmosphäre soll die Romanhandlung intensiver erfahrbar und zum sinnlichen Erlebnis machen.

Gelesen wird in Fitzeks knapp zweistündiger Show kaum. Lediglich vier kurze Ausschnitte, insgesamt etwa 20 Minuten lang, trägt der Autor aus seinem Buch vor, dessen Held, ein Analphabet, einem Verbrechen auf die Spur kommt. Die übrige Zeit nutzt er, um über sein Schreiben, seine Inspiration oder sein Verhältnis zu seinen Figuren zu reden. Dabei driftet er allerdings sehr weit ab, die Literatur tritt in den Hintergrund – ihr Autor aber umso mehr hervor.

Selbstinszenierung und Werbeshow

Fitzek erzählt Witze und Anekdoten aus seinem Leben, stellt Freunde vor, zeigt Videos, die keinerlei beziehungsweise einen sehr weit hergeholten Bezug zu seinem Thriller haben. Beim Publikum kommt das gut an. Was Fitzek hier veranstaltet, ist eine Mischung aus Selbstinszenierung und Werbeshow. Er zeigt sich gern – auf der Bühne und in den immer wieder eingespielten Filmen.

Natürlich ist ein Buch ein Produkt und der Buchmarkt eben genau das: ein Markt, auf dem dieses Produkt verkauft wird. Die Selbstinszenierungen von Autorinnen und Autoren gehören wie auch ihre Lesereisen zu den Marketingstrategien, mit denen ein Buch verkauft werden soll. Doch gleichzeitig ist es mehr als ein Produkt. Bei Fitzeks Soundtracktour stehen Selbstpräsentation und Marketing so sehr im Vordergrund, dass die Literatur kaum mehr eine Rolle spielt.

Sebastian Fitzek: „Das Geschenk“. Droemer Knaur. 368 Seiten, 22,99 Euro.Die Buchshow am Dienstag, 26. November, in der Swiss-Life-Hall in Hannover ist bereits ausverkauft.

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