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Region Babys aus dem Reagenzglas: Schauspielstars lesen „Die Unmöglichen“ im Theater am Aegi
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„Die Unmöglichen“ im Theater am Aegi: Schauspielstars bringen Hörspiel auf die Bühne

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11:35 24.11.2019
Die Schauspieler Matthias Koeberlin (von links), Jan Josef Liefers, Thomas Loibl, Claudia Michelsen, Ronald Zehrfeld und Fritzi Haberlandt präsentieren die szenische Lesung „Die Unmöglichen“ im ausverkauften Theater am Aegi. Quelle: Moritz Frankenberg
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Schauspieler Thomas Loibl sieht seinen Kollegen Jan Josef Liefers irritiert an. Er deutet auf das volle Wasserglas vor ihm, hebt fragend die Schultern. Im Text, den die Beiden vor sich liegen haben, steht: „Gregor wirft wütend das Glas zu Boden.“ Loibl fragt sich, ob er das wirklich tun soll.

Zusammen mit fünf weiteren bekannten Gesichtern aus dem deutschen Fernsehen bringt der Schauspieler das Hörspiel „Die Unmöglichen“ auf die Bühne im Theater am Aegi. Darin geht es um Hanna und Gregor, beide an Mukoviszidose erkrankt. Um sicher zu gehen, dass ihr Kind die Krankheit nicht erbt, lassen sie eine Präimplantationsdiagnostik machen. In vitro soll Hanna nun einer von drei lebensfähigen Embryonen eingesetzt werden. Das Hörspiel führt nun abwechselnd durch die Leben der drei möglichen Kinder.

Schauspieler spielen Gelesenes mit

Loibl leiht dem Vater Gregor an diesem Abend seine Stimme – eigentlich nicht nur das, denn die Schauspieler lesen nicht einfach, sie spielen (soweit im Sitzen möglich) das Vorgelesene auch mit. Sie reichen sich Zettel, geben sich Küsse auf die Wangen, Boxen sich und spielen mit mitgebrachten Spielzeugautos. Doch als Gregor im Hörspiel das Glas zerschlagen soll, zögert Schauspieler Loibl doch. Auch Liefers, der den Erzähler und einige Nebenfiguren spricht, scheint zunächst unschlüssig zu sein, ob sie das Trinkgefäß nun tatsächlich vom Tisch stoßen sollen – doch dann schüttelt er leicht den Kopf. Die Lesung geht ohne Scherbenhaufen weiter.

Szenen wie diese bringt das Publikum im ausverkauften Theater am Aegi zum ausgelassenen Lachen. Gerade die Momente, in denen auf der Bühne nicht alles glattzugehen scheint, sind besonders lustig. So zum Beispiel auch, als es im Text heißt: „Die Kellnerin bringt zwei Cappuccino und Törtchen“ – und von hinten eine Frau mit zwei Kaffeetassen kommt, jedoch im Vorbeigehen sagt: „Törtchen sind aus.“

Vorlage ist nicht mehr aktuell

Neben Loibl und Liefers sind Claudia Michelsen als Mutter, Matthias Koeberlin als Sohn Max, Ronald Zehrfeld als Sohn Fabian und Fritzi Haberlandt als Tochter Amelie auf der Bühne. Die Schauspieler lesen und spielen die Rollen sehr gut, trotzdem ist die Lesung nicht ganz rund. Das liegt an dem schwachen Hörspieldrehbuch.

Paul Plamper und Julian Kamphausen veröffentlichten den Text bereits 2008, als Präimplantationsdiagnostik in Deutschland verboten war. Daher reist das Paar im Stück nach England. Heute ist die Methode zumindest eingeschränkt auch hier erlaubt. Abgesehen davon, dass das Stück damit an Aktualität und Relevanz einbüßt, werden wichtige Fragen zur in-vitro-Fertilisation nur angedeutet: Mutter Hanna fragt, ob sie sich das Geschlecht des Babys aussuchen kann, und streift dabei lediglich die oft aufflammende Diskussion um Reagenzglasbabys als „optimierte Kinder“. Auch die Krankheit der Eltern spielt im weiteren Verlauf keine Rolle mehr.

Fragen werden nicht beantwortet

Die Idee, mit dem Verlauf der drei Leben der sehr unterschiedlichen Kinder zu zeigen, dass jedes Kind für die Eltern seine ganz eigenen Herausforderungen und Freuden mit sich bringt und es ein „einfaches“ Kind nicht gibt, ist gut. Leider bleibt die Vorlage bei dieser etwas banalen Weisheit stehen und geht auf Folgefragen nicht ein. Wie etwa auch, welchen Anteil die Erziehung an der Entwicklung eines Kindes hat. So ist es auch kein Wunder, dass der Zuschauer am Ende auch nicht erfährt, welches der Kinder Hanna nun tatsächlich zur Welt bringen wird.

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