Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Region Die syrische Autorin Rasha Abbas in der Cumberland-Gesprächsreihe
Nachrichten Kultur Region Die syrische Autorin Rasha Abbas in der Cumberland-Gesprächsreihe
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:19 05.04.2019
Im Gespräch: Rania Mleihi und Rasha Abbas. Quelle: Foto: Samantha Franson
Hannover

Warum gibt es keinen deutschen Superhelden, der hilft, wo Not am Mann ist? Weil ein deutscher „Superman“ schon von einer roten Fußgängerampel am Helfen gehindert wird. Stimmt es, dass die Straßen in Deutschland sauberer als in Syrien die Krankenhäuser sind? Dass Deutsche sich nicht darum scheren, wenn jemand tot umfällt? Sind alle Deutschen Rassisten? „Keine Ahnung“, lautet die Antwort von Rasha Abbas auf solche Fragen ihrer Landsleute in der syrischen Heimat. „Ich lebe in Neukölln, ich sehe eigentlich nie Deutsche.“

Humoristisches Potenzial

Man merkt: Die vor fünf Jahren aus dem von Bürgerkrieg erschütterten Syrien geflohene Rasha Abbas hat ein hohes humoristisches Potenzial. Das wird an diesem Abend in der Cumberlandschen Galerie schon deutlich, als Rania Mleihi, die Gastgeberin der Arabesques-Gesprächsreihe mit arabischen Künstlern, erwähnt, dass Abbas vor ihrer Flucht beim syrischen Staatsfernsehen gearbeitet hat – und die 35-jährige Autorin gleich ein „Sorry for that“ einstreut. Eher Lesungen als Gespräche prägen diesen Abend, der zuweilen eine Nähe von Humor und Horror ahnen lässt.

Denn die humoristischen Kurzgeschichten, etwa in „Die Erfindung der deutschen Grammatik“ (Verlag Mikrotext, 149 Seiten, 14,99 Euro) sind auch Versuche von Rasha Abbas, sich der Düsternis von Krieg und Gewalt entgegenzustemmen. „Unsere Witze entstammen dem Schmerz“, sagt sie. „Aber ist es nicht besser zu scherzen, als langweilige, depressive Short Stories zu schreiben?“

Zur elegischen Stimmung dieses Abends tragen wieder der Oud-Gitarrist Ahed Nofal und der Percussionist Hadi Andywi bei, die als „Old Damaskus Duo“ an Zeiten erinnern, da die syrische Hauptstadt nicht Stätte des Bürgerkriegs war, sondern „Stadt der Liebe“ genannt wurde. Ihre musikalische Fingerfertigkeit berührt das Publikum ebenso wie jene andere Seite, die Rasha Abbas soeben in ihrem Buch „Eine Zusammenfassung von allem, was war“ (Mikrotext, 168 Seiten, 20,99 Euro) offenbart hat. Darin setzt sie zu einer Verarbeitung der Gewalterfahrungen in ihrer Heimat an, schildert Modelle des Scheiterns, düstere Szenen von Folter, Mord und Verwesung – eine teils surreal, teils kafkaesk anmutende Textmontage.

Schreiben als Therapie

„Schreiben“, sagt sie vor der Lesung daraus, „ist vielleicht vor allem Therapie zur Behandlung meiner Verrücktheit.“ Gewiss sei sie eine Exilschriftstellerin, unbestreitbar schreibe sie Flüchtlingsliteratur. Doch das lasse sie nicht leicht in Deutschland ankommen, und die Belletristik ändere, anders als vielleicht dokumentarisches Schreiben, wenig an den Zuständen in Syrien. „Der Asylstatus verschafft mir Sicherheit in Deutschland, aber er bietet keine Identität.“

Am 6. Mai um 20 Uhr ist die syrische Ballettchoreografin Mey Seifan zu Gast bei Arabesques in der Cumberlandschen Galerie.

Von Daniel Alexander Schacht

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Der französische Countertenor Philippe Jaroussky singt Cavalli und mehr mit dem Ensemble Artaserse bei Pro Musica im NDR Sendesaal.

05.04.2019

Double-Time, Gesellschaftskritik und fette Bässe: Samy Deluxe hat auf seiner Unplugged-Tour „SaMTV Unplugged“ Station in der Swiss Life Hall Hannover gemacht und die rund 4600 Fans begeistert.

05.04.2019

Die Herrenhäuser Kantorei hat ein ungewöhnliches Stück im Konzert präsentiert: Die Aufführung des „Stabat Mater“ des walisisxhen Komponisten Karl Jenkins überzeugte aber nur teilweise.

01.04.2019