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Dirigent Stephan Zilias überzeugt beim Konzert in der Staatsoper Hannover

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17:14 28.01.2020
Gut aufgestellt: Das Staatsorchester beim Konzert mit Stephan Zilias. Quelle: Katrin Kutter
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Hannover

Die Neugierde war nicht nur wegen der risikofreudigen Programmwahl groß: Solange die Niedersächsische Staatsoper ihren kommenden Generalmusikdirektor nicht gekürt hat, ist hier jeder Gastauftritt auch ein bisschen Schaulaufen. Wobei es noch mehr ums Hören geht. Und das gab es reichlich: farben- und schwungvoll. Stephan Zilias, derzeit Erster Kapellmeister an der Deutschen Oper Berlin, machte dabei eine gute Figur – auch wenn er einmal im interpretatorischen Überschwang dem Konzertmeister die Notenblätter vom Pult fegte.

Konzentration und Kontrolle

Bei den einleitenden „Metaboles“ des Franzosen Henri Dutilleux war aber Konzentration und Kontrolle noch wichtiger. Dieses fünfsätzige Bravourstück für sehr großes Orchester fordert im Pointillismus der Solostimmen die Holzbläser im ersten Teil, schichtet im zweiten die Streicherflächen, dann sind die Blechbläser im Mittelpunkt, danach die Schlaginstrumente. Und immer wieder das Große und Ganze. Eine Herausforderung für das Staatsorchester, die respektheischend gemeistert wurde.

Hellwach war das Orchester auch bei Bartóks 2. Violinkonzert, allen voran die Harfenistin Amandine Carbuccia, die als Widerpart des Solisten alle Hände voll zu tun hatte.

Ein Publikumsliebling kehrt zurück

Tobias Feldmann ist den hiesigen Musikfreunden ein Begriff, seit er 2012 beim Joseph-Joachim-Violinwettbewerb Dritter wurde und obendrein den Publikums- und den Kritikerpreis gewann. Seither ist der heute 29-Jährige, der seit 2018 Professor in Würzburg ist, weiter gereift. Das hochkomplexe Bartók-Konzert klingt bei ihm fast selbstverständlich, er hat die nötige Klangfarbenvielfalt, kann aber auch Grautöne raffiniert schattieren. Feldmann forciert, wenn es nötig ist, hört in sich und in die Solopassagen hinein – und hat mit Zilias und dem Staatsorchester hilfreiche Partner. Da passt es, dass er für seine Zugabe dessen Konzertmeister Ion Tanase als Partner für zwei pointierte Duos für Violine von Bartók zu sich bittet.

Triumphaler Schlussgesang

Nach der Pause dann Schumanns 2. Sinfonie, die meist im Klangschatten der anderen drei Sinfonien steht, aber dem Dirigenten ein Anliegen ist. Das sieht und hört man. Zilias riskiert hoch romantisches Pulsieren, zieht an und mit. Der heikle, aber souveräne Hörnerauftakt schafft Spannung, die durchgehalten wird. Rasant und hoch kontrolliert läuft das Streicherräderwerk im Scherzo. Das Adagio espressivo wird zum Glaubensbekenntnis, und im Finale führt Zilias das spielfreudige Staatsorchester im Geschwindmarsch zum triumphalen Schlussgesang.

Begeisterung beim Publikum und weiterhin Neugier in der Generalmusikdirektor-Frage. In zwei Wochen sollten wir klüger sein.

Die nächsten Sinfoniekonzerte

Am Sonntag, 16. Februar, und am Montag, 17. Februar, dirigiert Xian Zhang in der Staatsoper „Also sprach Zarathustra“ von Richard Strauss. Außerdem steht das 3. Klavierkonzert von Sergei Rachmaninow auf dem Programm. Am 29. und 30. März sind „Die letzten sieben Worte unseres Erlösers am Kreuze“ von Joseph Haydn in der Oper zu hören.

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