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Region „Don Quijote“ am Ballhof dreht sich auch niedersächsische Politik
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„Don Quijote“ mit Hajo Tuschy und Manuel Zschunkeam Ballhof

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14:17 21.11.2019
Die Welt im Wohnzimmer: „Don Quijote“ im Ballhof. Quelle: Thilo Beu
Hannover

Was passiert, wenn eine große und an Begebenheiten reiche Erzählung wie der Don Quijote de la Mancha, im frühen 17. Jahrhundert von Miguel de Cervantes als Parodie auf die Mode der Ritterromane zu Papier gebracht, in einem kleinen Wohnzimmer stattfindet statt vor großer Kulisse? Wie können also Geschichten und Geschichtchen von Aufbruch und Scheitern, von hoffnungsvollem Ideal und profaner Wirklichkeit und von einer hochfahrenden Fantasie, der die Realität ständig zu widersprechen scheint, zum Leben erweckt werden, wenn die Bühne, die doch die Welt bedeuten soll, zu einer Wohnküche geschrumpft ist?

Das Schauspiel Hannover hat zusammen mit dem Theater Bonn das Experiment gewagt, und die Schauspieler Hajo Tuschy und Manuel Zschunke, die mal Pferd oder Esel, mal Sancho Panza und Don Quichote sind, schaffen die Transformation auf höchst unterhaltsame Weise.

Ein kommender Skandal

Gleich zu Beginn sind sie noch Hajo und Manuel. Manuel trägt einen mattroten Bademantel, ist leicht verlottert und versucht das Arbeitsamt zu erreichen, bleibt allerdings schon in der Telefonschleife stecken. Der Fernseher flackert, gespielt wird dort ein Don Quijote-Film, der Plattenspieler dudelt immer mal wieder John Lennon und zusammen mit Hajo schwadroniert unaufhörlich.

Zum Beispiel über den kommenden Skandal im Ballhof unter der noch jungen Intendanz von Sonja Anders, weil ein Stück scheiterte, nämlich der Don Quijote. Sie spekulieren auch über die Stimmung im Ensemble, diskutieren anspielungsreich platt den Titel einer Tageszeitung, in der es um Windräder geht, die doch nicht mehr 1000 Meter Abstand haben sollten, zitieren dafür den niedersächsischen Ministerpräsidenten, kommen kurz auf den neuen Oberbürgermeister Hannovers, den „aus Goslar“, zu sprechen, dann geht es um den Niedergang der SPD, die Pflicht zu wählen, weil wählen so ist, wie Zähneputzen. Wenn man das nämlich nicht macht, gibt Tuschy zu Protokoll, dann wird alles braun.

Kosmos der Vergeblichkeiten

Und schon haben beide die halbe niedersächsische Welt in ihren strudelnden Kosmos der Vergeblichkeiten hineingezogen. Der Rest der Welt folgt gleich danach, als sie sich entscheiden, doch noch mal das Stück „Don Quijote“ zu spielen, auch wenn es als Aufführung schon längst gescheitert ist.

Der Moment, als Don Quijote seinem Sancho Panza dann auf einen imaginierten Esel hilft, ist dabei eine der wunderbarsten Slapstick-Szenen der ganzen Inszenierung von Hajo Tuschy und Jacob Suske, die den Abend in einem grandiosen, alles zusammenfassenden Höhepunkt verdichtet. Ansonsten dominiert leider allzu oft der leicht bemüht wirkende Meta-Ulk. Reden über das Reden, Reden über das Denken, Reden über das Vorstellen. Scheitern als Akt des Komischen trägt nur bedingt über anderthalb Stunden. Die weithin bekannten Narrative der Angst des Schauspielers vorm Publikum, vor dem Kritiker oder vor dem Scheitern überhaupt, und das Glück der Freiheit und der Fantasie, getragen von Windradflügeln, sind gleichwohl unterhaltsame Geschichtchen, die allerdings nicht an die komplexe Fallhöhe von Cervantes heranreichen.

Wieder am 22. und 29. November, sowie am 12., 26. und 31. Dezember im Ballhof 1.

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