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Doris Dörrie im Interview: Doris Dörrie: Jeden zweiten „Tatort“ muss eine Frau drehen

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21:30 16.09.2019
„Natürlich wollte ich in die Welt hinaus“: Doris Dörrie. Quelle: Mathias Bothor
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Hannover

Doris Dörrie ist eine produktive Regisseurin und Autorin. Aufgewachsen ist sie in Hannover, wo man ihr jetzt eine große Werkschau widmet.

Frau Dörrie, im Künstlerhaus Hannover beginnt am 24. September die große Doris-Dörrie-Werkschau mit vielen Filmvorführungen, einer Lesung und auch einer Tanzperformance. Wurden Ihnen eigentlich schon viele Werkschauen gewidmet?

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Ja, aber eben noch nicht in Hannover. Ich freue mich wahnsinnig darüber.

Sie haben eine besondere Beziehung zu Hannover, denn Sie sind hier aufgewachsen und haben an der Sophienschule Abitur gemacht. Haben Sie mitbekommen, dass da vor Kurzem eine Bombe gefunden wurde?

Ja, das habe ich.

Was ist das für ein Gefühl, wenn man plötzlich feststellt, dass man seine Schulzeit auf einer Bombe verbracht hat?

Naja, wir haben uns schon damals sehr explosiv gefühlt.

Wieso sind Sie damals aus Hannover fortgegangen?

Es hätte gar keine andere Möglichkeit für mich gegeben. Natürlich wollte ich in die Welt hinaus. Zu Hause rumzusitzen, wäre mir nie in den Sinn gekommen.

Sind Sie bereits in Hannover auf die Idee gekommen, Filmregisseurin zu werden?

Ich erinnere mich noch gut an das Künstlerhaus, das ich regelmäßig besucht habe. Einen entscheidenden Impuls habe ich im Freizeitheim Vahrenwald erhalten. Dort gastierte damals eine Improvisationstheatergruppe aus Kalifornien. Das fand ich wahnsinnig aufregend. Als ich meinen großartigen liberalen Eltern dann erklärt habe, dass ich gern Improvisationstheater in Kalifornien studieren würde, haben die nur „Ja, mach doch“ gesagt.

Die Werkschau im Künstlerhaus

Die Doris-Dörrie-Werkschau im Künstlerhaus:24. September, 19.30 Uhr: Eröffnung der Werkschau in Anwesenheit der Künstlerin. Im Anschluss: „Fukushima Mon Amour“ — Solo Tanzperformance von und mit Tadashi Endo. Danach: „Grüße aus Fukushima“ von Doris Dörrie.

25. September, 19.30 Uhr: „Leben, schreiben, atmen“. Doris Dörrie liest aus ihrem neuen Buch.

29. September, 20.15 Uhr: „Kirschblüten – Hanami“.

2. Oktober, 20.15 Uhr: „Dieses schöne Scheißleben“

6. Oktober, 18 Uhr: „Im Innern des Wals“

13. Oktober, 20.15 Uhr: „Alles inklusive“

16. Oktober, 20.15 Uhr: „Mitten ins Herz“

6. November, 18 Uhr: „Die Friseuse“

11. November, 17.30 Uhr „How to Cook Your Life“

Und wie ist Ihr Verhältnis zu Hannover jetzt?

Ich muss ehrlich sagen, dass ich die Stadt nicht mehr so gut kenne. Wenn ich nach Hannover fahre, dann eigentlich nur, um meine Eltern zu besuchen.

In vielen Ihrer Filme beschäftigen Sie sich mit Japan. Wird das auch Ihr nächster Film wieder mit Japan befassen?

Nein. Ich werde zwar bestimmt wieder in Japan drehen, aber der nächste Film spielt nicht dort. Mehr kann ich dazu leider nicht sagen.

Auf der Werkschau werden auch ältere Filme von Ihnen gezeigt. Wie ist es für Sie, wenn Sie sich ältere eigene Arbeiten anschauen?

Manchmal bin ich erstaunt über das, was ich damals alles schon konnte. Manchmal bin ich auch entsetzt über all die Fehler, die ich gemacht habe.

Welche Fehler denn?

Ach, da kann ich in jeder Szene etwas finden, was ich hätte besser machen können.

Ihnen liegt das Thema Geschlechtergerechtigkeit sehr am Herzen. Sie unterstützen die Initiative „Pro Quote“, sie sich dafür einsetzt, dass es mehr Regisseurinnen geben soll. Wenn man sich das Theater – etwa in Hannover – anschaut, kann man denken, dass das Ziel schon so gut wie erreicht ist.

Hannover spielt da vielleicht eine Vorreiterrolle (lacht). Ich habe zuerst gedacht, dass die Emanzipation schon ihren Weg geht und dass wir auch ohne Quote auskommen. Aber erschüttert musste ich feststellen, dass das noch lange nicht der Fall ist. Insofern mache ich mich zähneknirschend für die Quote stark. Geradezu erschreckend finde ich es, dass von meinen Studentinnen nur gerade mal 15 Prozent als Regisseurinnen arbeiten können. Das muss sich ändern.

Wie?

Wir brauchen dringend eine Quote, die festlegt, dass die Regieaufträge gerecht verteilt werden, dass zum Beispiel jeder zweite „Tatort“ von einer Frau gedreht wird. Ganz einfach. Wir sind die Hälfte der Menschheit und deshalb wollen wir die Hälfte der Stellen besetzen. Das sind doch keine seltsamen Forderungen. Es geht einfach nur um Gerechtigkeit.

Zur Person

Doris Dörrie, geboren 1955 in Hannover, studierte Theater und Schauspiel in Kalifornien und in New York, entschloss sich dann aber Regie zu führen. 1983 hatte sie ihr Kinodebüt mit „Mitten ins Herz“. Ihr dritter Film „Männer“ wurde zu einem der erfolgreichsten deutschen Filme. Zu ihren Arbeiten gehören auch „Geld“, „Happy Birthday, Türke!“ und „Keiner liebt mich“. Ihr jüngster Film „Kirschblüten und Dämonen“ ist gerade ins Kino gekommen. Parallel zu ihrer vielfach international ausgezeichneten Filmarbeit veröffentlicht sie Kurzgeschichten, Romane und Kinderbücher. Sie unterrichtet an der Filmhochschule München. Für ihre Filme und Bücher wurde sie mehrfach ausgezeichnet; 2012 erhielt sie den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland. Ihr neues Buch trägt den Titel „Leben, schreiben, atmen: Eine Einladung zum Schreiben“ (Diogenes, 18 Euro).

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