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Region Kunstraubexpertin Seegers: „Ich glaube nicht an einen geheimnisvollen Schattenmann“
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​Dresdner Juwelendiebstahl: Ulli Seegers, Ex-Leiterin des Art Loss Registers, glaubt nicht an einen Kunstsammler als Drahzieher hinter dem Einbruch in das Grüne Gewölbe in Dresden

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19:25 29.11.2019
„Kulturlosen Kriminelle“: Ulli Seegers, langjährige Leiterin des Art Loss Registers in Deutschland, bezweifelt, dass ein Kunstsammler den Einbruch in das Grüne Gewölbe in Dresden in Auftrag gegeben hat. Quelle: Mert Özdemir
Dresden

Der Einbruch in das Dresdner Grüne Gewölbe ist einer der spektakulärsten Kunstraube der vergangenen Jahre. Doch geht es den Tätern wirklich um die Kunst? Fragen an Kunstraubexpertin Ulli Seegers.

Frau Seegers, ist es für die Täter von Dresden überhaupt möglich, die Kunstwerke auf dem Markt abzusetzen?

Die einzelnen Objekte der historischen Juwelen-Garnituren sind sicher nicht auf dem Markt verkäuflich. Bereits jetzt sind sie in internationalen Registern zentral erfasst und können leicht identifiziert werden.

Für wie wahrscheinlich halten Sie die Möglichkeit, dass der Raub für einen Auftraggeber im Hintergrund durchgeführt wurde?

Ich glaube nicht an einen geheimnisvollen Schattenmann, der willige Handlanger losschickt, um eine der zentralen Schatzkammern des Weltkulturerbes zu plündern. Zu dieser märchenhaften Geschichte gehört meistens auch die Idee einer verborgenen Privatsammlung. Das sind Hollywood-Geschichten.

Und ist vorstellbar, dass die erbeuteten Stücke zerstört, eingeschmolzen und die Steine separat verkauft werden?

Jetzt kommen wir an einen sehr heiklen Punkt. Die entwendeten Juwelen haben – anders als zum Beispiel Gemälde – einen hohen Materialwert. Dieser wird naturgemäß noch durch den kulturhistorischen Wert der einmaligen historischen Ensembles übertroffen. Aber bleiben wir realistisch: Das kulturelle Interesse und Verständnis dieser Leute tendiert zweifellos gen null, sodass sie keinerlei Skrupel hatten, mit einer Axt eine Vitrine im vor wenigen Jahren aufwendig restaurierten Grünen Gewölbe mit unglaublicher Brutalität zu zertrümmern. Ob solche kulturlosen Kriminellen davor zurückschrecken, die einzelnen Preziosen und kostbaren Kleinodien in zig Einzelteile zu zerlegen, um die Diamanten einzeln zu verkaufen? Ich befürchte nein.

Auch diese große Brustschleife wurde aus der Dresdens Schatzkammer entwendet. Quelle: Grünes Gewölbe/Polizeidirektion

Ist eine Lösegeldforderung denkbar?

Ja, sogenanntes „Art napping“ ist neben Hehlerei tatsächlich oft ein weiterer Versuch, die seltene und leicht identifizierbare Beute zu Geld zu machen. Denken Sie nur an den spektakulären Diebstahl von Benvenuto Cellinis berühmter „Saliera“ aus dem Kunsthistorischen Museum in Wien 2003.

Nehmen diese Delikte zu?

Meines Erachtens häufen sich in letzter Zeit Diebstähle von Kulturobjekten, die einen hohen Materialwert haben und allein deshalb ins Visier von Gaunern gelangen. Erst 2017 wurde eine wagenradgroße Goldmünze mit einem Gewicht von über 100 Kilogramm bei einem filmreifen nächtlichen Coup aus dem Berliner Bode-Museum abtransportiert. Glauben Sie im Ernst, dass diese riesige Münze aus purem Gold nicht längst eingeschmolzen worden ist, selbst wenn der Sammlerwert den Materialwert weit übertrifft? Daneben stellen wir in den letzten Jahren vermehrt fest, dass selbst Bronzeskulpturen aus dem öffentlichen Raum entwendet werden.

Mit welchen Strukturen ist der illegale Kunsthandel verbunden?

Kunstkriminalität ist oft eng verbunden mit anderen kriminellen Milieus, sei es Drogen-, Waffen- oder gar Menschenhandel. Teilweise handelt es sich um organisierte Kriminalität mit mafiösen Strukturen. Und meistens sind es internationale Netzwerke, die strategisch über Landesgrenzen hinweg agieren. Gestohlene Kunstwerke werden in diesen Gruppen manchmal auch als eine Art Währung gehandelt.

Wie ticken solche Täter, spielt da auch die sportliche Herausforderung und eine Art mediale Bewunderung eine Rolle?

Ich bin davon überzeugt, dass es sich hierbei nicht um bewunderungssüchtige Einzeltäter handelt, die den besonderen Kick oder gar eine große mediale Öffentlichkeit suchen. Leider – denn solch narzisstisch veranlagte Leute würde man sicher schnell dingfest machen können.

Ulli Seegers: Das ist Deutschlands beste „Kunstdetektivin“

Ulli Seegers, 1970 in Münster geboren, gilt als Deutschlands beste „Kunstdetektivin“. Von 2001 bis 2008 leitete sie die Art Loss Register (Deutschland) GmbH (Köln), die sehr erfolgreich nach gestohlenen Gemälden sucht. Seit 2012 ist sie Junior-Professorin an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf.

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