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Edelhof Ricklingen: Ausstellung zeigt „Vertreibung aus dem Paradies“

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17:01 08.08.2019
Eva, zeitgenössisch: Edin Bajrić präsentiert seine Version der Paradiesszene. Quelle: Ronald Meyer-Arlt
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 Hannover

Hannovers schönste Galerie ist wieder geöffnet: Bis zum 6. September zeigen zwölf Künstlerinnen und Künstler aus Hannover ihre Arbeiten im Park des Ritterguts Edelhof Ricklingen. Zu besuchen ist der etwa drei Hektar große Garten donnerstags und freitags von 15 bis 18 Uhr sowie sonnabends und sonntags von 14 bis 18 Uhr. Dann hat das Publikum Zutritt zu einem Naturparadies mitten in der Stadt.

Ruhepause im Paradies: Antonia Jacobsen in einer ihrer Hängematten. Quelle: Ronald Meyer-Arlt

Ein Bach schlängelt sich am Rand des Geländes, knorrige alte Bäume stehen hier, und die große Wiese, meist recht akkurat gemäht, zeigt sich in dieser Saison in vorbildlicher Weise lebendig: Die Gutsbesitzer haben ein paar ungemähte Inseln freigelassen und dort etwas für die Bienen eingesät – Mohn-, Korn- und Sonnenblumen. Das gibt ein paar wunderbare Farbtupfer im weitläufigen Grün. 40 Apfelbäume stehen zudem in der Anlage. Vielleicht haben sie die Kuratorin Dagmar Brand zum Thema der Ausstellung angeregt. „Vertreibung aus dem Paradies“ ist der Titel der diesjährigen Schau im Rittergut. Vor zwei Jahren, bei der letzten Ausgabe dieser Reihe, die es seit 2011 gibt, ging es um „Verformungen“ – damals wurde durch Starkregen und Überschwemmungen schließlich sogar die gesamte Ausstellung verformt.

Vom Paradiesgarten erzählen viele Arbeiten. Edin Bajrić etwa hat eine Plane mit einem Foto in einen Baum gehängt. Eine zeitgenössische Eva ist zu sehen, die herausfordernd einen Apfel präsentiert. Sie hat offenbar vor, noch in eine ganze Menge Äpfel zu beißen. Das Paradies ist hier ganz nah, ganz in dieser Welt.

Künstler aus Hannover präsentieren ihre Arbeiten im Rittergut Edelhof Ricklingen.

Nah und gleichzeitig sehr fern ist das Paradies bei Rainer Grimm. Er hat auch ein Bild an die Äste eines Baumes gehängt, aber seines ist durchlässig: Auf dünne Stäbe, die eine Art Vorhang bilden, hat er in klaren Farben die Szene der Vertreibung aus dem Paradies gemalt. Der Vorhang bewegt sich im Wind, mal ist mehr, mal ist weniger vom Bild zu sehen. Bild und Garten verschwimmen so auf wundersame Weise. Ein charmantes, poetisches Spiel mit der großartigen Gartenlandschaft.

Hier spricht der Baum

Andere warnen. Sie zeigen, dass wir es sind, die das Paradies zerstört haben. Frank Fuhrmann hat einen toten Baum umzäunt und mit Warnschildern versehen. Aber war es wirklich – wie die Schilder behaupten – Radioaktivität, die den Baum entlaubt hat? Frank Popp warnt mit einer Art Totempfahl in schreiendem Rot vor Plastikmüll. Und Natalie Deseke lässt einen Baum – gesteuert über Bewegungsmelder – mit verzerrter Stimme sprechen. Er warnt vor künstlicher Intelligenz.

Wuchtiger und gleichzeitig mysteriöser ist da schon das Mauerstück, das Constanze Prelle selbstbewusst in den Garten gestellt hat. Die Mauer wirkt massiv, ist aber von Pappe. Nach ein paar Regentagen wird sie sich aufgelöst haben. Vielleicht ist nach dem Paradies ja auch vor dem Paradies – irgendwann werden wohl alle Mauern auch verschwunden sein. Und dann? Dann hätten wir vielleicht das Paradies. Wie das aussehen könnte, skizzieren Rolf Sextro und Sabine Strätger. Sie haben aus Planen ein abenteuerliches Zelt errichtet. Ein Spielort für Kinder. Die Kindheit war das Paradies, schon klar.

Ort des Rückzugs

Auch Antonia Jacobsen verortet das Paradies in der Kindheit und in der freien Zeit, über die Kinder reichlich verfügen. Sie hat sich einen Teil des Gartens genommen, in dem einige Bäume nah beieinander stehen. Dort hat sie drei Hängematten installiert, die zur Benutzung zur Verfügung stehen. Vor diesem Ort des Rückzugs und der Gelassenheit hat sie drei Schemel aufgebaut. Für diejenigen, die auf den Eintritt ins kleine Paradies warten müssen. Was diejenigen, die sich im Paradies schaukelnd entspannen wollen, vielleicht ein wenig unter Druck setzt.

Aber so ist das auf Erden. Das vollkommene Paradies gibt es nicht. Nicht mal in diesem wunderbaren Garten.

Bis 6. September im Rittergut Edelhof, Am Edelhofe 8, in Hannover-Ricklingen. Geöffnet ist donnerstags und freitags von 15 bis 18 Uhr, sonnabends und sonntags von 14 bis 18 Uhr. Führungen gibt es sonntags jeweils um 15 Uhr.

Von Ronald Meyer-Arlt

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