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Elbphilharmonie: Alan Gilbert dirigiert Ligetis Le Grand Macabre

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01:15 16.05.2019
Opulente Überzeichnung: „Le Grand Macabre“ in der Elbphilharmonie. Quelle: Peter Hundert
Hamburg

Die Sänger fluchen, saufen und raufen, im Orchester wird gehupt, geklingelt und gefurzt: Normal ist das alles nicht. Kein Wunder also, dass György Ligeti sein Stück „Le Grand Macabre“ von 1976 überdreht als „Anti-Anti-Oper“ bezeichnet hat. Am wüsten, anarchischen Charakter hat auch eine spätere Umarbeitung des Komponisten wenig geändert, die 1998 in Hannover zu sehen war: Das junge Paar heißt seither nicht mehr Spermando und Klitoria, sondern etwas dezenter Amando und Amanda – am wilden Triebleben dieser Figuren, das die Rahmenhandlung für eine Aufführung bietet, hat das nichts geändert. Das Stück erzählt ansonsten von einem Weltuntergang, der ausfällt, weil die dafür zuständige Fachkraft im vermeintlichen Blutrausch mehrere Flaschen Wein leert und im Suff darüber hinwegkommt, die Erde zu versehren.

Große Kunst, aber lustig

Das alles ist überaus grotesk, aber meisterhaft gemacht. Die Musik spielt raffiniert mit der Tradition, ist klug konzipiert, ohne Pathos zu fürchten, und jederzeit sehr plastisch und ausdrucksstark: „Le Grand Macabre“ ist große Kunst, aber lustig. Im Musiktheater ist das nicht gerade die Regel.

In Hamburg kennt man die Qualitäten der „Anti-Anti-Oper“ seit Langem: An der Staatsoper war kurz nach der Premiere in Kopenhagen die deutsche Erstaufführung zu sehen, und der 2006 gestorbene Komponist hat selbst länger in der Stadt gewohnt. Nun schlägt man an der Elbe ein neues Kapitel dieser Geschichte auf: In der Elbphilharmonie hat Alan Gilbert, der designierte Chef des NDR Elbphilharmonie Orchesters, eine beispielgebende Version von „Le Grand Macabre“ präsentiert. Im Rahmen des Musikfestes Hamburg war zum ersten Mal eine aufwendige szenische Produktion im Großen Saal zu sehen.

Die Opernbühne fehlt? In der Elbphilharmonie kein Problem: Applaus für „Le Grand Macabre“: Quelle: Peter Hundert

Regisseur Doug Fitch zeigt Ligetis „Breughelland“ als überdrehte Comicwelt: Überall im Saal sind Spielorte verteilt: Es gibt eine Grablandschaft aus Pappmaché, Leinwände, auf denen Trickfilme laufen, die zum Teil live auf einer Miniaturbühne im Hintergrund erzeugt werden, und Kostüme (von Catherine Zuber) die so opulent überzeichnet sind als stammten sie aus einem Tim-Burton-Film.

Die Elbphilharmonie erweist sich dabei als variabler und praktikabler Spielort – eine feste Opernbühne jedenfalls vermisst man zu keinem Zeitpunkt. Und die detailscharfe Akustik der Elbphilharmonie bewährt sich hier auch bei einem großen Sängerensemble: So präzise und eindrucksvoll raumgreifend wie hier dürfte das Stück kaum je zu hören gewesen sein.

Dafür verantwortlich ist auch Dirigent Gilbert, der seinen neuen Job in Hamburg als Nachfolger von Thomas Hengelbrock mit dem Beginn der kommenden Spielzeit offiziell antreten wird. Mit diesem „Grand Macabre“ weckt er bereits große Erwartungen auf seine Amtszeit – und Vorfreude auf mehr außergewöhnliches Musiktheater in der Elbphilharmonie: Im kommenden Jahr wird die Staatsoper Hamburg dort eine Produktion von Olivier Messiaens „Saint François d'Assise“ zeigen.

Das Musikfest Hamburg dauert noch bis zum 29. Mai: In der Elbphilharmonie spielen unter anderem noch die NDR Radiophilharmonie mit der Sopranistin Elina Garanca (19. Mai, ausverkauft) und Klarinettistin Sharon Kam mit einem Ligeti-Programm (23. Mai, Restkarten).

Von Stefan Arndt

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