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Erste Opernpremiere: Constantin Trinks dirigiert „La Juive“ an der Staatsoper Hannover

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18:40 10.09.2019
„Ich bin sicher, dass die meisten dieses Stück als große Bereicherung empfinden werden“: Dirigent Constantin Trinks. Quelle: Katrin Kutter
Hannover

Was soll man mit einer solchen Anfrage machen? Constantin Trinks war sich nicht sofort sicher, ob er zusagen sollte, als Laura Berman ihn fragte, ob er die erste Premiere ihrer Intendanz in Hannover dirigieren wolle. Schließlich ist „La Juive“ von Jacques Fromental Halévy kein Stück, das bei der bloßen Erwähnung des Titels das Herz eines Musikers höher schlagen lässt. Grand Opéra, Belcanto – das sind Stichworte, die einem bei diesem durchaus abgelegenen Stück am ehesten in den Sinn kommen. Stichworte also, die Trinks – den Mann für Wagner, Strauss und Mozart – nicht sofort in Begeisterung versetzen.

Ein besonderes Stück

Aber statt abzusagen, beschäftigte sich der Dirigent doch mit der Partitur, die ihn von Seite zu Seite mehr überraschte. „Das Stück ist etwas Besonderes, es hat mich sofort angezogen“, sagt er. „La Juive“ erzählt am Beispiel des jüdische Goldschmied Éléazar und seiner vermeintlichen Tochter Rachel von Ausgrenzung und Konflikten zwischen verschiedenen Glaubensrichtungen. Die Oper sei „unglaublich dramatisch“, findet Trinks, auch dank eines sehr guten Librettos, das die Konflikte klar herausarbeite und die Charaktere ungewöhnlich differenziert zeichne: „Es ist nicht immer ganz klar, wer der Gute, und wer der Böse ist – diese Ambivalenz macht das Stück erstaunlich modern.“

Vor allem aber begeisterte sich Trinks für die Art, wie Halévy das alles in Musik gefasst hat: für das Tempo und die Dramatik in den Rezitativen, für die ungewöhnlich reiche und farbige Harmonik des 1799 in Paris geborenen Komponisten und für die Originalität und Klarheit, mit der er einzelnen Arien eine Bedeutung über die konkrete Situation hinaus geben kann. „Das Stück ist ein Musikdrama im Gewand einer Grand Opéra“, sagt Trinks – und weist gleich auf die Wertschätzung hin, die Richard Wagner diesem Werk entgegengebracht habe.

Hoffen auf den Überraschungseffekt

Überhaupt war „La Juive“ nach der triumphalen Uraufführung 1835 ein europäisches Erfolgsstück, das regelmäßig auf allen großen Bühnen gespielt wurde. Auch in Hannover war das Stück schon zweimal zu erleben. Dass die letzte Aufführung Anfang der 1930er-Jahre Premiere hatte, ist typisch für das Schicksal der Oper: Wegen des Themas und der jüdischen Herkunft von Komponist und Librettist verbannten die Nazis „La Juive“ von den Spielplänen. Erst seit einigen Jahren wird das Stück wieder gespielt, nun meist wieder mit großem Erfolg.

Als Eröffnungsstück für den Neustart an der hannoverschen Oper hält Trinks „La Juive“ daher als ideal geeignet. „Wir erhoffen uns einen Überraschungseffekt, weil viele Zuschauer das Stück nicht kennen“, sagt er. „Ich bin aber sicher, dass die meisten es als große Bereicherung empfinden werden.“

Wer wird Generalmusikdirektor?

Für seine Zusage, nach Hannover zu kommen, dürfte es aber noch einen anderen Grund gegeben haben als die Qualität von „La Juive“. Im neuen Team von Opernintendantin Laura Berman ist eine zentrale Position noch nicht besetzt: die des Generalmusikdirektors. Noch ist kein Nachfolger oder eine Nachfolgerin für Ivan Repusic gefunden – Trinks, der nicht nur die erste Premiere, sondern auch das erste Sinfoniekonzert mit Anton Bruckner monumentaler 8. Sinfonie leiten wird, ist sicher ein wichtiger Kandidat dafür.

Erfahrungen in einem solchen Amt hat der 44-Jährige schon gesammelt: Am Staatstheater Saarbrücken stieg er schnell vom Zweiten Kapellmeister zum Stellvertreter des Chefdirigenten auf, bevor er 2009 Generalmusikdirektor in Darmstadt wurde. Seit 2012 arbeitet Trinks, der 1975 in Karlsruhe geboren ist, als freischaffender Dirigent. Er dirigiert inzwischen regelmäßig an den großen Häusern in Wien, München, Berlin, Dresden und Frankfurt. Allein in der vergangenen Saison hat er zudem Britten in Seattle dirigiert, Lehár in Rom, Strauss in Paris, Wagner in Prag und Weber in Wien: Mit ihm käme also einiger Glanz an die Staatsoper.

Bruckner im Gepäck

Trotz seines wachsenden internationalen Erfolgs ist Trinks aber durchaus daran interessiert, wieder fest an einem Haus zu arbeiten. Er vermisse die kontinuierliche Arbeit mit einem Orchester und Ensemble, sagt er: Nur damit könne er seine stilistischen Vorstellungen wirklich ganz umsetzen.

Wie viel Wert er auf Details legt, lässt sich schon am Gepäck erkennen, das Trinks jetzt mit nach Hannover gebracht hat: Für die Aufführung von Bruckners Achter hat er sein eigenes Notenmaterial mitgebracht – nicht nur die Partitur, sondern gleich sämtliche Stimmen für alle Orchestermusiker. Darin hat er bereits viele Anmerkungen zur Strichführung oder zur Lautstärke eingetragen, die ihm wichtig sind. So hat er in den Proben mehr Zeit für das Wesentliche. In den nun kommenden Aufführungen wird man hören können, was das bei Trinks ist.

„La Juive“ hat am Sonnabend, 14. September, Premiere an der Staatsoper Hannover. Bruckners 8. Sinfonie steht am Sonntag, 22. September, und Montag, 23. September, auf dem Programm beim ersten Sinfoniekonzert im Opernhaus.

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