Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Region Esther Valentin und Konstantin Krimmel singen in der Orangerie
Nachrichten Kultur Region

Esther Valentin und Konstantin Krimmel singen Liederabend in der Orangerie

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:49 29.01.2020
Mut zu großen Gefühlen: Esther Valentin beim Liederabend der Kammermusikgemeinde. Quelle: Katrin Kutter
Hannover

Es ist eine Kunstform für sich: Nirgendwo sonst gehen Wörter und Töne eine so enge Synthese ein wie im Lied. Im Konzertleben aber funktionieren Liederabende, die einst große Popularität genossen, inzwischen fast nur noch, wenn große Namen locken.

Beim Konzert der Kammermusikgemeinde in der Orangerie waren jetzt gleich zwei junge Duos mit Schubert-Liedern zu erleben, die zumindest in der Fachwelt bereits für Furore gesorgt haben: Beide Ensembles haben in den vergangenen Jahren reihenweise wichtige Preise gewonnen. Interessant war die Gegenüberstellung der Duos aber vor allem, weil sie ganz unterschiedliche Arten des Liedgesangs präsentierte.

Fülle und Geheimnis

Die 1993 geborene Mezzosopranistin Esther Valentin ist eine Virtuosin der musikalischen Textausleuchtung. Sie hat viel Gespür für feine Ironie, ohne sich je dahinter zu verstecken: Mit offener, lyrischer Stimme stellt sie sich mutig der Unsicherheit der Liebe, der Einsamkeit und anderen großen Gefühlen, die in Schuberts Liedern mitschwingen. Mit fabelhaft sichern Tonansätzen aus dem Nichts, mit lässiger Geläufigkeit und eleganten Phrasierungen ist ihr Gesang zudem auch technisch ein Ereignis.

Perfektes Duo: Mezzosopranistin Esther Valentin und Pianistin Anastasia Grishutina in der Orangerie. Quelle: Katrin Kutter

Dazu passt die lebendige Begleitung von Anastasia Grishutina: Klar und plastisch tönen bei ihr die Klangbilder, mit denen Schubert seine Stücke reich illustriert; zugleich kann sie dem Satz aber auch Fülle und Geheimnis verleihen, ohne die Sängerin zu unnötiger Lautstärke zu zwingen. Diesem Duo zuzuhören, ist Abenteuer und Genuss zugleich.

Deutlich rustikaler präsentieren sich der Bariton Konstantin Krimmel und seine Klavierpartnerin Doriana Tchakarova. Sie verleihen den vergleichsweise dramatischen Schiller-Vertonungen Schuberts auch mit viel Klang und Lautstärke angemessen Nachdruck. So ist dieser doppelte Liederabend ein starker Beleg für die Vitalität einer vom Aussterben bedrohten Kunst.

  • Der nächste Liederabend in Hannover: Am Sonnabend, 15. Februar, 19 Uhr, führen Bariton Philip Björkqvist und Pianist Boris Kusnezow Schuberts „Winterreise“ im Sprengel Museum auf.

Lesen Sie auch

Von Stefan Arndt

Ein Konzert mit Filmmusik aus der Welt von „Der Herr der Ringe“ hat die Besucher im Theater am Aegi begeistert – zumindest die, die einen Platz gefunden hatten: Er wurden viel mehr Karten verkauft, als es Plätze gab.

28.01.2020

Als Albert Camus 1960 bei einem Autounfall ums Leben kam, fand man in seiner Aktentasche handschriftliche Fragmente zu einem geplanten autobiografischen Roman. Daraus hat Schauspieler Joachim Król im Schauspielhaus gelesen.

28.01.2020

Es war ein überwältigender Abend: Mehr als 3000 Besucher erlebten beim Gedenkkonzert am 75. Jahrestag der Auschwitz-Befreiung im Kuppelsaal Hannover ein emotionales Wechselbad. „The Night Holocaust Concert“ präsentierte Gesänge vom Leben und Texte vom Tod.

28.01.2020