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Familientheater zur Adventszeit: „Ronja Räubertochter“ im Schauspielhaus

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15:59 11.11.2019
Freunde unterwegs: Katherina Sattler, als Ronja Räubertochter (links) und Nicola Matthews als Birk. Quelle: Kerstin Schomburg
Hannover

Draußen, vor der Plakatwand des Theaters, übt ein Mädchen das Lesen und buchstabiert laut: „N-I-N-A-H-A-G-E-N“. Dann sagt die kleine Theaterbesucherin: „Cool, das sind alles die Namen der Räubertochter.“

Stimmt leider nicht ganz. Die Räubertochter heißt Ronja, aber immerhin könnte sie eine Schwester von Nina Hagen sein. Denn sie geht unbeirrt ihren eigenen Weg, stellt die Meinungen und Vorstellungen der Erwachsenen infrage und hilft ihrem Publikum einen kritischen Blick auf die Welt zu werfen. „Ronja Räubertochter“ ist das Familienstück zur Weihnachtszeit im Schauspielhaus. Traditionell wird bei dieser Spielplanposition richtig gekoffert. Hier zeigt das Theater, was es hat: eine Drehbühne, eine Flugmaschine, Wind, Nebel, Schnee, Blitz und Donner, künstliches Feuer, Musik, Monster und eine Menge Träume.

Ronja Räubertochter nach dem Roman von Astrid Lindgren ist derzeit im Schauspielhaus zu sehen.

Das Publikum von morgen

Das Familienstück zur Adventszeit sorgt im Theaterbetrieb nicht nur traditionell für gute Auslastungszahlen, es soll auch das Publikum von morgen begeistern. Das ist mit Astrid LindgrensRonja Räubertochter“ in der Inszenierung von Nina Mattenklotz durchaus gelungen. Am Ende der Premiere gestern Nachmittag gab es begeisterten Applaus – und ein kleiner Junge deutete mit seinem Verhalten im Parkett an, dass er wohl zu den Abonnenten von morgen zählen könnte: Heftig applaudierend hüpfte er vor der Bühne herum, er feuerte die anderen Zuschauer an, noch stärker zu katschen, stampfte mit den Füßen auf, um den Trampelapplaus der anderen Zuschauer noch zu verstärken. Süß. Allgemeine Begeisterung.

Zwischendurch gab’s aber auch mal Tränen: Ein kleines Mädchen musste beim Tod von Glatzen-Per (Wolf List) mächtig schluchzen. Aber so ist das bei Astrid Lindgren – erzählt Geschichten, in denen Menschen ihre Familie verlassen und auch sterben. Sie traut den Kindern eine Menge zu; das hat ihre Bücher so erfolgreich gemacht. In „Ronja Räubertochter“ erzählt sie eine „Romeo und Julia“-Geschichte: Ronja (Katherina Sattler) flieht mit Birk (Nicola Matthews), der einem verfeindeten Räuberstamm angehört, in eine Bärenhöhlen im Wald. Es geht um Emanzipation, darum auf eigenen Beinen zu stehen und auch dann in die Welt hinauszugehen, wenn es weh tut.

Graugnome und Rumpelwichten

Katherina Sattler in der Titelrolle dreht mächtig auf. Nicola Matthews als Freund Birk ist etwas zurückhaltender, aber das passt, schließlich ist es Ronja, die die Handlung vorantreibt. Mohamed Achour macht als Räuberhauptmann Mattis einigen Wirbel und Christiane Ostermayer fängt alles Böse mit mütterliche Stärke wieder auf.

Regisseurin Nina Mattenklotz setzt auf starke Wirkungen – dass sie dazu auch Eier zerschlagen und eine Torte zermatschen lässt, ist allerdings nicht so schön. Und eigentlich unnötig. Denn der Zauber, den sie mit Fabelwesen wie Graugnomen oder Rumpelwichten veranstaltet (Kostüme und Bühne: Johanna Pfau), reicht eigentlich aus.

Weitere Vorstellungen am 13., 14., 20., 21., 24., 25. und 27. November.

Von Ronald Meyer-Arlt

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