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00:16 17.03.2019
„Mozart fand es lustig, gegen statt für seinen Hornisten zu komponieren“: Felix Kieser. Quelle: Julia Wesely
Hannover

 Es klingt nach grimmiger Erleichterung: „Basta, jetzt reicht’s!“ hat Wolfgang Amadeus Mozart auf die letzte Partiturseite eines Rondos für Horn geschrieben. Das ist nicht die einzige ungewöhnliche Notiz, die der Komponist wie herkömmliche Spielanweisungen in dem Stück verteilt hat. Statt „schnell“ oder „lebhaft“ finden sich hier spöttische Ratschläge wie „Hol ein wenig Luft, los, los!“ und „Aber triff wenigsten einen Ton!“. Der so angefeuerte Solist wird in den Noten noch als „Eselchen“, „Sauschwanz“ und „infames Schwein“ tituliert, und über einer Passage steht unvermittelt der Ausruf „O, das geht mir auf die Eier!“. An die Nachwelt hat Mozart dabei wohl nicht gedacht.

Vermutlich hat der Komponist gar nicht erwogen, dass seine Konzerte für Horn jemals von einem anderen Solisten gespielt werden könnten als von seinem Freund Joseph Leugeb. Für ihn hat Mozart drei vollständige und zwei Sätze eines vierten Konzertes geschrieben, die heute – wie alle Mozart-Konzerte für Bläser – die mit Abstand wichtigsten und meistgespielten Solostücke für das Instrument sind.

Konzerte als Begleiter fürs Leben

Kein Wunder also, dass sich auch der Hornist Felix Klieser nicht von den immerhin wohl freundschaftlich gemeinten Beschimpfungen in der Partitur hat abschrecken lassen. Für ihn erfüllt sich mit seiner neuen Aufnahme der Mozart-Konzerte sogar einen lang gehegten Wunsch: Zum ersten Mal habe er diese Musik mit neun Jahren gehört, schreibt er im Begleittext zum Album, das bei Berlin Classics erschienen ist: „Seitdem begleiten mich Mozarts Konzerte durch mein Leben und nach und nach wuchs in mir der Traum heran, einmal selbst diese wunderbare Musik aufnehmen zu dürfen.“

Dass dieser Traum nun Wirklichkeit geworden ist, erscheint bei Klieser besonders bemerkenswert: Er ist ohne Arme geboren. Mit fünf hat er begonnen, Horn zu lernen, die Ventile des Instrumentes bedient er seither mit den Zehen. Es ist der Beginn der erstaunlichen Erfolgsgeschichte eines Musikers. Mit 17 wurde Klieser, der 19991 in Göttingen zur Welt kam, Jungstudent an der hannoverschen Musikhochschule, vier Jahre später erschien bereits seine erste CD. Inzwischen gehört er zu den bekanntesten Hornsolisten und ist regelmäßig auch als Kammermusiker zu erleben.

Abzweigung zur neuen Klangwelt

Sein ausgeprägter Sinn fürs Zusammenspiel und für feine Zwischentöne ist nun auch in der Aufnahme der Mozart-Konzerte zu hören. Klieser legt es nie darauf an, schmetternd ins Horn zu stoßen. Auch in den griffigeren Finalsätzen oder den virtuosen Kadenzen bleibt er ein Sänger auf seinem Instrument, das bei ihm besonders weich und warm klingt. Fabelhaft ist sein Gespür für die kleinen Abzweigungen, an denen Mozarts Musik den sonst vorherrschenden serenadenhaften Tonfall verlässt und sich mit einer harmonischen Wendung oder einer unverhofft verlängerten Phrase plötzlich eine ganz neue Klangwelt erschließt. Dazu passt das feine, sehr kammermusikalische Spiel der Camerata Salzburg, die Klieser begleitet.

Hellhörig erweisen sich die Musiker auch in Hinblick auf Mozarts Spottlust. An einer Stelle im ersten Konzert tönen die Geigen so hell und lustig, als lachten sie den Solisten aus. Da hat der gerade eine chromatische Passage absolviert, die man auf dem Instrument, das Joseph Leugeb bei den ersten Aufführungen zur Verfügung stand, nur mit Mühe zurechtbiegen konnte. „Mozart fand es eben lustig, immer auch etwas gegen statt für seinen Hornisten zu komponieren“, sagt Klieser. Von Schwierigkeiten ist bei ihm nichts mehr zu hören. Aber in seinen klug gesetzten Tönen schwingt doch die besondere Mischung aus Härte und Heiterkeit mit, die der Komponisten diesen Konzerten auch eingeschrieben hat.

Am Montag, 18. März, ist Felix Klieser Gast eines „Gesprächskonzertes mit Hannovers leichtfüßigstem Musiker“ beim Literarischen Salon. Beginn ist um 20 Uhr in der Lutherkirche.

Mehr neue Musik aus Hannover

Andrew Manze und die NDR Radiophilharmonie haben ebenfalls Mozart in den Mittelpunkt ihrer neuen CD gestellt: Eine Aufnahme der letzten beiden Sinfonien des Komponisten ist nun beim Label Pantatone erschienen.

Sie ist spektakulär – wenn auch erst auf den zweiten Blick. Manze zählt schließlich nicht zu den Dirigenten, die der Musik um jeden Preis überraschend neue Seiten abgewinnen wollen. Seine Mozart-Version besticht vielmehr durch eine Klangbalance im Orchester, die so vollendet kaum anderswo zu hören ist, und viel Fantasie in den Details. Nie scheint Manze sich zu wiederholen: Wenn etwa der Beginn der g-Moll-Sinfonie wie vorgeschrieben zum zweiten Mal gespielt wird, klingt es ganz anders als zuvor: aufgewühlter, ausgreifender – diese Musik hat erkennbar bereits etwas erlebt. Beide Tugenden sind wie geschaffen für die berühmte Doppelfuge im Finale der „Jupiter“-Sinfonie. Auch im engsten Kernrepertoire können Manze und die Radiophilharmonie so inzwischen gegen jede Konkurrenz bestehen. Am 13. und 14. Juni spielen sie unter anderem Mozarts „Prager“-Sinfonie im Funkhaus.

Der Dirigent Gregor Bühl hat bereits zwei Alben mit Werken Musik von Werner Braunfels (1882-1954) veröffentlicht.

Nun ist bei Capriccio eine weitere Folge mit Stücken des von den Nazis als „Halbjuden“ verfemten Komponisten erschienen. Im Zentrum stehen die „Fantastischen Erscheinungen über ein Thema von Hector Berlioz“ – ein nicht nur dem Titel nach opulenter und raffiniert Variationszyklus für großes Orchester. Kaum überraschend, dass das Stück von 1918 dem Komponisten Erfolg brachte. Die neue CD zeigt allerdings auch, wie nachhaltig die Denunzierung seines Werkes während der Nazizeit war: Gemeinsam mit der Deutschen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz hat der Dirigent erst jetzt für die erste Gesamteinspielung eines Werkes gesorgt, das die Wiederentdeckung lohnt. Am Sonntag, 17. März, und Montag, 18. März, dirigiert Gregor Bühl beim Sinfoniekonzert in der Staatsoper Werke von Mendelssohn und Weber, Solistin ist Klarinettistin Sharon Kam.

Von Stefan Arndt

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