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Festival: Ärger beim „Fusion“ – Festivalmacher wehren sich gegen Sicherheitskonzept der Polizei

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00:24 11.05.2019
In der „Fusion“-Welt: Ein Skulptur vor dem Eingang zum Festivalgelände. Quelle: Bernd Wüstneck/dpa
Berlin

Das „Fusion“-Festival hat sich in den 22 Jahren seit seiner Gründung nie an die Medien gewandt, weil es auch ohne Hilfe wuchs – sogar zu einem Mythos. Doch an diesem Mittwoch luden die Macher der „Fusion“ zur ersten Pressekonferenz. Nicht in Lärz, dem kleinen Dorf südlich der Müritz in Mecklenburg-Vorpommern, wo das Festival auch in diesem Jahr vom 26. bis 30. Juni stattfinden soll, sondern in Berlin. Das unterstreicht die bundesweite Relevanz des Themas: Erstmals will die Polizei einen zentralen Standort auf dem Festivalgelände einrichten, um dort „anlasslos“ zu kontrollieren.

Verdacht in der Parallelwelt

Dadurch sieht sich der Trägerverein „Kulturkosmos“ grundlos verdächtigt. Das Gefühl, zeitweilig eine „Parallelwelt“ auf dem alten russischen Flugplatz in Lärz mit einem Areal von 100 Hektar zu errichten und zu feiern, werde „massiv eingeschränkt“, sagte der Vereinsvorsitzende Martin Eulenhaupt. Er betonte, dass es „keinerlei Annäherung“ zwischen den Veranstaltern und der Polizei gegeben habe – da die bei Großveranstaltungen auf ein Konzept der erhöhten Präsenz umstelle. Die Macher der „Fusion“ aber finden den Vergleich mit „Rock am Ring“, dem Oktoberfest oder der Love-Parade nicht statthaft, „wir sind vollkommen anders und möchten anders behandelt werden“, sagt Eulenhaupt.

Eine Absage der „Fusion“ stehe nicht im Raum, versichert der Verein „Kulturkosmos“, „wir müssen uns einigen und werden uns einigen“, dazu verpflichte schon die Tradition des Festivals, das seine Premiere im Jahr 1997 feierte. Wenn es in diesem Jahr jedoch zu Repressionen durch die Polizei komme, die nach den Worten Eulenhaupts „auf keinem anderen Festival einen derart zentralen Platz beansprucht“, müsse überlegt werden, ob das Festival fortbestehen könne. Ein Umzug zumindest sei nicht denkbar. „Wir sind Mecklenburger!“, darauf besteht Eulenhaupt. Der märkische Spitzenkandidat der Linken für die Landtagswahl im September, Sebastian Walter, hatte vorgeschlagen, das Festival nach Brandenburg einzuladen.

Vorbild für andere Festivals

Man muss das Festival von innen betrachten, um es zu verstehen. Denn die „Fusion“ hat Vorbildfunktion für andere Festivals – ästhetisch, musikalisch, aber auch gesellschaftlich: Gerade weil sie dort in einer selbsternannten Parallelwelt leben, in der die Leute füreinander Verantwortung übernehmen wollen, greift ein Großteil des Publikums zu Drogen, ohne dass es deshalb zu einer hohen Kriminalitätsrate käme. Man bekommt am Eingang einen Flyer von den Veranstaltern, wie man sich bei Polizeikontrollen verhalten solle – Drogentests, so wird empfohlen, verweigere man besser.

Es ist schwer, an Festivalkarten zu kommen. Tickets werden verlost, man registriert sich in einer Gruppe und erhält im Frühjahr Bescheid, ob man „gewonnen“ hat und eine Karte für 145 Euro kaufen darf. Auch in diesem Jahr sind alle 70 000 Tickets für die Ausgabe vom 26. bis 30 Juni längst verkauft. Die alternative Handschrift der Macher bleibt erkennbar: Es gibt keine Karten über den Ticketriesen Eventim, an den Ständen der „Fusion“ wird nur vegetarisches Essen verkauft. Getränke dürfen mit aufs Gelände gebracht werden, das ist anderswo verboten, um den Verdienst der Veranstalter zu erhöhen.

Musikalisch läuft es auf Techno, Hip-Hop und Trance hinaus. Das ist nicht zwingend die Musik der CDU, dennoch verficht der Bürgermeister vor Ort, Henry Tesch aus eben dieser Partei, das Festival vehement. Er, der ehemalige Kulturminister des Landes Mecklenburg-Vorpommern, sagt, „bei mir vor der Garage kann man nachts zu den Bässen tanzen, dennoch kommt keiner auf die Idee, wegen Ruhestörung anzurufen.“

Neubrandenburgs Polizeipräsident Nils Hoffmann-Ritterbusch verweist auf drei Vergewaltigungen in den Jahren 2014, 2016 und 2018. Auch deshalb wollen die Veranstalter weiterhin mit der Polizei kooperieren. Eine zentrale Wache auf dem Gelände aber lehnen sie strikt ab.

Von Lars Grote

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