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Festival: Starregisseur Peter Sellars inszeniert die Eröffnung der Kunstfestspiele Herrenhausen

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01:15 12.05.2019
„Stille ist eines der größten Geschenke, die die Kunst machen kann“: Peter Sellars in Herrenhausen. Quelle: Irving Villegas
Hannover

Weg vom Alltäglichen, Herkömmlichen, Erwartbaren: Das ist es, was die Kunstfestspiele Herrenhausen in den Augen von Thomas Hermann ausmacht. Vor Beginn der zehnten Ausgabe des Festivals am Wochenende lobte der Erste Bürgermeister, der künftig komplett die repräsentativen Aufgaben von Stefan Schostok übernimmt, die Kunstfestspiele als „etwas ganz Besonderes“. Das Festival habe sich schnell einen Namen gemacht und sei heute aus dem Kulturleben der Stadt nicht mehr wegzudenken.

Eintritt frei beim Geburtstagsfest

Gefeiert wird die zehnte Ausgabe am Sonntag mit einem großen Geburtstagsfest, das bei freiem Eintritt zahlreiche Veranstaltung in und um den Großen Garten bietet – unter anderem ein Konzert mit Jazzdiva Jocelyn B. Smith im Gartentheater. Gefeiert wird aber auch mit einem besonders exquisiten Festivalprogramm. So hat Intendant Ingo Metzmacher etwa für die Eröffnungsproduktion, die am Freitag und Sonnabend in der Orangerie gespielt wird, den US-amerikanischen Starregisseur Peter Sellars nach Hannover geholt.

Das Geburtstagsfest

Der 10. Geburtstag der Kunstfestspiele Herrenhausen wird am Sonntag, 12. Mai, mit einem Fest gefeiert. Alle Veranstaltungen sind kostenlos, auch der Eintritt in den Garten ist an diesem Tag frei.

Der Tag beginnt um 13 Uhr mit den Tänzern der Performancegruppe Cie an der Christuskirche. Von dort geht es in die Herrenhäuser Gärten. Um 14.30 Uhr und um 16.30 Uhr leitet Ingo Metzmacher ein Platzkonzert mit dem sinfonischen Blasorchester Opus 112 der Feuerwehr Hannover. Um 16 Uhr gibt die New Yorker Tanz- und Performancelegende Sylvia Palacios Whitman, die zum ersten Mal in Deutschland gastiert, Kostproben ihrer Kunst. In der Orangerie wird ein Film über den britischen Landschaftskünstler Andy Goldsworthy gezeigt, um 19 Uhr tritt dort der belgische Performer Louis Vanhaverbeke auf. Zum Abschluss des Tages singt Jazzdiva Jocelyn B. Smith mit ihrer Band um 20.30 Uhr im Gartentheater, ab 21.30 Uhr spielt Pianist Aron Ottignon im Festivalzelt.

Für Kinder gibt es ab 14 Uhr einen Workshop mit dem Hildesheimer Center for World Music, auf der Aussichtsterrasse stellt Künstler Erwin Stache seine Klangobjekte für Kinder aus. Um 16.30 Uhr ist „Der Teufel mit den goldenen Haaren“ als Puppenspiel zu sehen.

Passend zum Anlass schneiden Intendant Ingo Metzmacher und seine Vorgängerin, Festivalgründerin Elisabeth Schweeger, um 15.30 Uhr auf der Promenade zwischen Galerie und Orangerie eine Geburtstagstorte an. Anschließend gibt es für alle Besucher ein kostenloses Blechkuchen-Büffet.

Sellars, 1957 in Pittsburgh geboren, wurde in den Achtzigerjahren mit seinen modernen Interpretationen von Mozart-Opern auch in Europa bekannt. Er inszeniert längst regelmäßig bei großen Festivals wie den Salzburger Festspielen und arbeitet besonders eng mit dem Dirigenten Simon Rattle zusammen. Mit Ingo Metzmacher sei er seit 35 Jahren befreundet, erzählt der Regisseur – zusammengearbeitet haben die beiden bisher aber nicht. „Wir haben aber sehr oft nebeneinander gearbeitet – wir waren zur selben Zeit am selben Ort“, sagt Sellars, der den Dirigenten Metzmacher besonders für sein „einzigartig weites Repertoire“ schätzt.

Musik als Heilraum

In Herrenhausen bringt Sellars nun ein Stück auf die Bühne, für das ebenfalls ein weiter Repertoireblick nötig ist: die 1981 entstandene Kammeroper „Kopernikus“ von Claude Vivier, die der kanadische Komponist selbst als „Opern-Ritual“ bezeichnet hat. Zu einer Zusammenarbeit mit Metzmacher kommt es dabei allerdings wieder nicht: „Das Stück ist musikalisch kompliziert, aber wir spielen es hier zum ersten Mal ohne einen Dirigenten.“

Sellars Produktion wurde im Februar in Paris uraufgeführt, in Herrenhausen ist sie nun als deutsche Erstaufführung zu sehen. Der Regisseur schätzt besonders, dass „Kopernikus“ ein leises, friedliches Werk ist: „Viviers Musik ist ein Heilraum“, sagt er und breitet die Arme auf, als könne er diesen Heilraum zwischen seinen Händen aufspannen. Das Stück sei das Gegenteil eines Feuerwerks, es setzte nicht auf äußere Effekte, sondern eröffne wichtige Freiräume im Inneren der Hörer. „Wir sind so sehr von Lärm und Druck umgeben“, sagt Sellars, der mit seinem weiten bunten Hemd und den vielen Holzketten um den Hals durchaus an einen Guru erinnern kann: „Stille ist eines der größten Geschenke, die die Kunst machen kann.“

So dürfte „Kopernikus“ zu dem Bild passen, das Bürgermeister Hermann von den Kunstfestspielen hat: Es ist wohl tatsächlich ein Stück jenseits der Erwartungen – wer rechnet in der Oper schon mit Stille?

„Kopernikus“ in der Regie von Peter Sellars ist am Freitag, 10. Mai, und Sonnabend, 11. Mai, um 19.30 Uhr in der Orangerie zu sehen. Es gibt noch Restkarten.

Von Stefan Arndt

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