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Fotos gesucht: Das Sprengel-Museum plant eine große Fotoausstellung – und sucht Bilder

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17:00 29.12.2019
Wird möglicherweise auch im Rahmen der geplanten Fotoschau zu sehen sein: Frau auf dem Markt, fotografiert von Walter Ballhause im Jahr 1930. Quelle: Walter-Ballhause-Archiv, Plauen
Hannover

Sie hat sich viel vorgenommen. Und sie weiß, dass da eine Menge auf sie zukommen wird. Inka Schube, Fotokuratorin am Sprengel-Museum, plant eine große Fotoausstellung. Der Termin ist noch nicht klar, aber früher als im Jahr 2023 wird es nicht sein. Immerhin hat das Projekt schon einen Arbeitstitel: „Hannover – Die Stadt als Ganzes“.

Mit der Ausstellung will Inka Schube zeigen, was in einer Stadt so alles fotografiert wird und welche Fotos es hier überhaupt gibt. Es geht ihr um so etwas wie „das multiple imaginäre fotografische Gedächtnis der Stadt“.

Inka Schube, Fotokuratorin im Sprengel-Museum. Quelle: Ronald Meyer-Arlt

Sie ist dabei an allen Arten von Fotografie interessiert: Urlaubsbilder sollen für die Präsentation genauso infrage kommen wie Werksfotografie, Dokumentationen etwa von der Kriminalpolizei oder aus Krankenhäusern, Luftbilder, Unterwasserfotografie, Privates, beruflich Kurioses. Und einige Fotos aus dem Bestand des Sprengel-Museums – etwa von Umbo, Walter Ballhause, Hein Gorny, Norbert Riebesehl und Petra Kaltenmorgen – werden dabei wohl auch zu sehen sein. Bei ihren Recherchen in den Archiven, Kellern und Dachböden der Stadt hofft die Kuratorin, auf Dinge zu stoßen, deren Existenz sie gar nicht vermutet hat. Schube glaubt, dass in Hannovers Archiven, aber auch in Schränken oder Truhen von Privatleuten noch eine Menge interessanter Fotos zu finden sein werden.

Größte Sammlung von FKK-Bildern

Eine ihrer Arbeitsfragen für die Zusammenstellung der Ausstellung ist die nach den Opfern der Digitalisierung. Was passiert mit den Originalen, wenn Fotobestände digitalisiert werden? Wandern sie in den Müll? Oder werden sie archiviert? Eine andere Frage ist die nach originellen Archiven. So hat Schube herausgefunden, dass Hannover mit dem Niedersächsischen Institut für Sportgeschichte über die deutschlandweit größte Sammlung von Bildern aus dem Bereich der Freikörperkultur verfügt. Auch das könnten Exponate der geplanten Ausstellung sein.

Wohin kommt das Institut für Fotografie?

Deutschland plant ein Institut für Fotografie, in dem das reiche fotografische Erbe aufbewahrt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. Doch wo soll dessen Standort sein? 41,5 Millionen Euro hat der Bundestag dafür zunächst eingeplant. Kulturstaatsministerin Monika Grütters sagt, es sei jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen, sich des Themas anzunehmen: „Mittlerweile sind viele bedeutende Fotokünstler in einem Alter, in dem sie ihr Erbe für die Nachwelt sichern wollen. Dabei sind unter anderem Namen wie Andreas Gursky, Thomas Struth oder Thomas Demand.“

Über den Standort des Instituts wurde allerdings noch nicht entschieden. Grütters sagte in einem Interview, es sei wichtig, dass der Bundestagsbeschluss und der darin genannte Standort Düsseldorf zusammengebracht werden müsse mit dem, was die von ihr eingesetzte Expertenkommission erarbeiten werde. „Die Kommission hat ja den Auftrag, unabhängig von künftigen Standortfragen zu ermitteln, welches Konzept das richtige ist, um eine so wichtige Gattung wie die Fotokunst – wo auch immer – angemessen zu verwahren.“.

Die Experten sollen im Frühjahr ihr Gutachten vorlegen. Für Grütters sollen diese Empfehlungen die Grundlage bilden für alle politischen Entscheidungen. „Auf dieser Basis wollen wir mit allen anderen Akteuren auf diesem Spielfeld besprechen: Was brauchen wir, was kosten die Pläne, und wo ist der geeignete Ort? Das ist geregeltes und seriöses Vorgehen.“

Den Standort Düsseldorf nannte Grütters „einen der Top-Orte für Fotografie“, nicht zuletzt wegen der Tradition der Fotoschule um Bernd und Hilla Becher. „Aber der Respekt vor der Expertenkommission gebietet es einfach, dass man ihren Rat abwartet, um dann miteinander weiter ins Gespräch zu kommen. Es darf auch innerhalb der Szene nicht zu Ausgrenzungen kommen“, sagte Grütters.

Inka Schube will mit der Ausstellung „ ein kaleidoskopisches, vielperspektivisches Bild der Stadt und ihrer jüngeren Geschichte entwerfen“. Und sie will die vielen möglichen Gebrauchsweisen des Mediums Fotografie demonstrieren: von der Amateur- über die Handwerks-, die Wissenschafts-, die Werbe-, die journalistische bis hin zur künstlerischen Fotografie. Wenn alles gut läuft, werden bei der Ausstellung Mediengeschichte und Regionalgeschichte elegant ineinander greifen.

Selbstporträt: Walter Ballhause Quelle: Walter-Ballhause-Archiv, Plauen

Wer weiß von Fotoschätzen?

Weil die Recherche für solch ein Projekt recht aufwendig ist, hat Schube früh damit begonnen. Jetzt sucht sie nach spannenden Bildgruppen und Einzelbildern aus allen möglichen Archiven in der Region. Und sie bittet um Mithilfe. Wer von versteckten Fotoschätzen weiß, wird gebeten, eine E-Mail an Inka.Schube@Hannover-Stadt.de zu senden.

Von Ronald Meyer-Arlt

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