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Region „Figaros Hochzeit“? Eher eine langatmige Turnveranstaltung
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Hannover: András Dömötör inszeniert „Figaros Hochzeit“ im Ballhof Hannover

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12:53 31.01.2020
Zappeln in der Krone: Nils Rovira-Munoz, Viktoria Miknevich, Kaspar Locher, Philippe Goos und Seyneb Saleh turnen durch die Spielkammern. Quelle: Katrin Ribbe
Hannover

In der Oper spielt es gemeinhin keine so große Rolle, wer auf der Bühne was aus welchem Grund mit wem macht. Handlung ist hier oft nur Anlass für Arien. Im Schauspiel sieht es anders aus. Da freut sich der Zuschauer über ein Mindestmaß an Nachvollziehbarkeit. Wenn die Leute auf der Bühne nicht singen, fragen die Zuschauer öfter mal nach dem Warum.

Im Ballhof wird jetzt die Schauspielversion von „Figaros Hochzeit“ gespielt – nach der Schauspielvorlage „Der tolle Tag“ von Pierre-Augustin Caron de Beaumarchais. In der Inszenierung des Regisseurs András Dömötör (der in Berlin und Budapest lebt) ist die Handlung auch nicht so wichtig. Es geht eher um… um…. um…. Ja, worum geht’s hier eigentlich?

Bühnenbildnerin Sigi Colpe hat eine gigantische goldene Krone auf die Ballhofbühne gesetzt.

Szene mit Philippe Goos und Seyneb Saleh. Quelle: Katrin Ribbe

Die bietet einige Spielkammern, in denen sich die Akteure winden und abzappeln. Die erste Vermutung, die sich bei der Betrachtung der riesigen bespielbaren Krone einstellt, dass hier dem Adel irgendwie auf dem Kopf herumgetanzt wird, bestätigt sich im Laufe des Abends nicht. Beaumarchais hat das Stück 1776 geschrieben, es ist ein Vorbote der Revolution, im Ballhof aber nimmt die Krone keinen Schaden. Obgleich die Darsteller heftig auf ihr herumklettern. Viel Zeit verbringen sie damit, sich von einer Spielkammer durch kleine Klappen in die nächste zu zwängen. Und dann verstecken sie sich wieder irgendwo. Und dann schreien sie wieder. Alles ist hier druckvoll, so als wollte man das schnell hinter sich bringen. Klappt aber nicht, das Stück dauert gut 100 Minuten – fühlt sich aber länger an.

Eigentlich ist hier ein Ensemble toller Schauspieler zusammen (Philippe Goos ist Figaro, Kaspar Locher der Graf, Viktoria Miknevich die Gräfin, Seyneb Saleh spielt Susanne und Nils Rovira-Munoz ist in einigen kleineren Rollen zu sehen), aber am Ende bleibt vor allem der Eindruck einer langatmigen Turnveranstaltung. Alles ist verzappelt und aufgeblasen. Und mit einer merkwürdigen Tonspur unterlegt. Das Ticken von Uhren, das öfter mal zu hören ist (Musik: László Bakk-David), erinnert an die Lebenszeit, die hier verrinnt. Und das „Wusch“ und „Swutsch“, mit dem jede stärkere Kopfbewegung unterlegt wird, wirkt wie die Tonspur einer alten Zeichentrickserie.

Vielleicht ist es das: der Versuch, ein Schauspiel, das als Oper bekannt ist, in einen Comic zu verwandeln. Vielleicht ist dieser Versuch sogar geglückt. Vielleicht auch nicht. Egal.

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