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Hannover präsentiert Inhalte aus seinem Bewerbungsbuch

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21:02 10.09.2019
„Deine Stimmung für Kulturhauptstadt“: Neue Plakate für die Bewerbung vor dem Rathaus. Quelle: Clemens Heidrich
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Hannover

Jetzt ist es also raus: Das Bid Book, die schriftliche Bewerbung, mit der sich Hannover um den Titel einer Kulturhauptstadt Europas 2025 bewirbt, ist nicht einfach eine lange Liste, auf der die 38 von der EU vorgegebenen Fragen der Reihe nach beantwortet werden – es ist ein Roman. Oder zumindest eine kurze Erzählung, das Bid Book darf schließlich nicht länger als 60 Seiten sein. Verfasst hat sie der hannoversche Autor Juan S. Guse, der seine Romane – zuletzt Miami Punk“ – sonst im renommierten Verlag S. Fischer veröffentlicht.

Schwitters und Leibniz als Reiseleiter

Am Dienstag präsentierte die Stadt nun erstmals Auszüge aus dem besonderen Bewerbungsschreiben im Rathaus, dessen Eingangshalle dafür extra in eine Bühne verwandelt wurde. Sabine Orléans und Mathias Max Herrmann vom Schauspiel Hannover lasen Auszüge aus Guses Hannover-Erzählung, in der Kurt Schwitters und Gottfried Wilhelm Leibniz wichtige Rollen als Reiseleiter auf dem komplizierten Weg zur Kulturhauptstadt spielen.

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Die Schauspieler Sabine Orléans und Mathias Max Herrmann lesen aus dem Bid Book. Quelle: Clemens Heidrich

Denn das Bewerbungsteam der Stadt hat es sich nicht leicht gemacht: Es hat unter dem bereits seit März bekanntem Motto „Hier Jetzt Alle Für Europa“ ein Konzept erarbeitet, das sich von den üblichen Bewerbungen unterscheidet: Hannover versteht die Idee der Kulturhauptstadt nicht länger als ein großes Stadtentwicklungsprojekt, mit dem es sich vor den Augen des europäischen Publikums zum Besseren wandeln will. Die Stadt will sich vielmehr als Ideenschmiede profilieren, in der möglichst auf lokaler Ebene Lösungen für die Probleme Europas gefunden werden sollen.

Auf dem Marktplatz der Ideen

In Anlehnung an den antiken Marktplatz, der zugleich Schauplatz des politischen Handelns war, präsentiert sich die Kulturhauptstadt Hannover im Bid Book als Agora: Im Zentrum der Stadt soll im Kulturhauptstadtjahr eine ganze Reihe von temporären Bauten entstehen, in denen Künstler, Wissenschaftler und Vertreter aus Wirtschaft und Sozialem aufeinandertreffen und diskutieren können.

Stadtschreiber: Der Autor Juan S. Guse. Quelle: Clemens Heidrich

Wie genau das aussehen, und wo es entstehen soll, steht jetzt aber noch nicht fest: Das wird erst im zweiten Bid Book festgelegt, das im kommenden Jahr abgegeben werden muss, wenn es Hannover im Dezember auf die Shortlist der engeren Kandidaten für den Titel schafft.

Bewerbung mit vier Ebenen

Klar ist aber bereits, dass es vier räumliche Ebenen geben wird, auf denen sich das Programm entfaltet: Neben dem temporären Kulturcampus im Zentrum, das im Bid Book auch als „Kraftwerk für Hannover 2025“ beschrieben wird, soll die Kulturhauptstadt auch im digitalen Raum zu finden sein: „300 Jahre nachdem der Universalgelehrte Gottfried Wilhelm Leibniz in Hannover mit der Entwicklung des binären Systems den Grundstein für unsere heutige Computertechnologie legte, will Hannover im Digitalen neue Wege zu Gesprächen eröffnen, die mehr denn je verschlossen scheinen“, heißt es dazu im Bid Book.

Eine wichtige Rolle sollen auch die zahlreichen Bühnen und Spielstätten in der Stadt spielen, die dann noch enger zusammenarbeiten werden. Außerdem sollen neue, ungewöhnliche Orte als temporäre Kulturstätten entdeckt und entwickelt werden. Die vierte Ebene schließlich heißt „Europe at Home“: Die Bürger sollen darin ihre eigenen Gärten, Häuser und Wohnungen zu Kulturschausplätzen machen können.

Das Kulturhauptstadt-Team: Inga Samii (links) und Melanie Botzki mit Berater Oeds Westerhof. Quelle: Clemens Heidrich

Die konkreten Projekte, die auf diesen vier Ebenen stattfinden sollen, sind im Bid Book – wie im Bewerbungsverfahren gefordert – nur angedeutet: Angedacht sind etwa ein internationales Musikfestival des Friedens sowie die Begrünung von Dächern und Gleisen. Mitten in der City sollen grüne Landschaften entstehen, jedoch nur für kurze Zeit und als Symbol für eine alternative Form der Stadtentwicklung unter den Bedingungen des Klimawandels: Weg von zubetonierten Flächen, hin zu grünen Oasen, damit sich die City in den zu erwartenden Hitzesommern nicht noch stärker aufheizt. Angedacht ist zudem eine Kunstinstallation auf dem Müllberg in Lahe.

Provokante Plakate vor dem Rathaus – bei der Präsentation der Bewerbung Hannovers als Kulturhauptstadt haben die Macher Poster gezeigt, die an Wahlplakate erinnern und deren Botschaften sich in den Köpfen der Bürger verhaken sollen. Hier zeigen wir die Motive.

Kurz die Welt retten

Das klingt noch etwas dürftig? „Hannover kann nicht die Welt retten“, heißt es im Bid Book: „Alleine sowieso nicht und auch nicht in einem Jahr. Es wird mehr brauchen als nur ein Kulturprogramm mit ein bisschen Feuerwerk am Ende des Jahres, mehr als nur eine Stadt.“ Es brauche einen grundlegenden Paradigmenwechsel, der der ursprünglichen Idee des Kulturhauptstadtprogramms neues Leben einhauche: Europas Zusammenhalt durch kulturell leuchtende Metropolstädte stärken. „Irgendwo wird es seinen Anfang nehmen. Vielleicht in Hannover. Auf eine Stadt wird die nächste folgen. Wäre das nicht schön?“ Doch: Wäre es.

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Von Stefan Arndt und Andreas Schinkel