Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Region „Könnte man unser Sonnensystem hören, wäre das eine Art Dauerbrummen“
Nachrichten Kultur Region

Harald Lesch im Interview zum Programm „Sonne, Mond und Sterne" im Theater am Aegi in Hannover: Wie klingt das Sonnensystem und was würden Sie einen Außerirdischen fragen

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:02 01.02.2020
„Man steht ja fassungslos vor diesen Abgründen von Raum und Zeit“: Harald Lesch (vorne) kommt am 12. Februar mit dem Ensemble Quadro Nuevo ins Theater am Aegi in Hannover. Quelle: Montage: Wollny

Herr Lesch, Sie treten am 12. Februar zusammen mit dem Weltmusik-Ensemble Quadro Nuevo in Hannover auf. In dem Programm „Sonne, Mond und Sterne“ sprechen Sie über die unendlichen Weiten des Weltraums, und das Ensemble von Quadro Nuevo spielt Songs zwischen Orient und Okzident. Besteht bei solchen Wort–Musik-Kombinationen nicht die Gefahr, dass das eine zum Pausenfüller des anderen wird?

Ich weiß, was die Kollegen spielen und die wissen, was ich erzählen werde. Es gibt genügend Ansatzpunkte, dass die Musik nicht nur untermalend ist, sondern auch inhaltlich zum Thema beiträgt. Die Musik kann klarmachen, welche Dramatik es etwa bei der Entstehung unseres Sonnensystems gab.

Heißt das, dass auch kosmische Klänge zu hören sein werden?

Ja, aber nicht nur. Unser Sonnensystem wäre, wenn man es hören könnte, eine Art Dauerbrummen, mehr nicht. Von kosmischen Harmonien kann man da eigentlich nicht sprechen. Musik ist etwas, mit dem Menschen versuchen, ihre Welt zu durchdringen. Wenn ich einen Außerirdischen etwas fragen dürfte, würde ich ihn nicht fragen, ob bei ihm dieselben Naturgesetze gelten wie bei uns. Ich würde ihn nach der Musik fragen, die sie bei ihm zu Hause machen. Musik ist das Originäre, was die Menschheit zum Kosmos beitragen kann.

Wenn das so ist, wäre ja ein Programm ausschließlich mit Musik von Quadro Nuevo angemessen.

Wir versuchen unserem Publikum beides anzubieten: Einerseits die rationale Ebene der Astronomie – dafür bin ich zuständig – und andererseits das Gefühl angesichts der kosmischen Gegebenheiten. Man steht ja fassungslos vor diesen Abgründen von Raum und Zeit.

Musik kann ausdrücken, was Worte nicht sagen können. Ihr Handwerkszeug sind Worte. Haben Sie manchmal das Gefühl, dass Sie an Grenzen kommen? Dass Ihre Argumente einfach nicht gehört werden?

Ja. Deshalb arbeiten wir mit einer geradezu hinterhältigen Mischung. Wir versuchen mit Text und Musik verschiedene Bereiche des Gehirns und auch das Herz anzusprechen. Wenn ich zwischen der Musik erzähle, wie das Sonnensystem entstanden ist, geht es auch darum, zu erzählen, was die Menschheit mit Verstand und Vernunft alles erreicht hat. Auf der anderen Seite wissen wir auch alle, was wir mit der Welt um uns so anstellen.

Vor den Folgen der menschengemachten Klimakatastrophe warnen Sie ja eindringlich auf verschiedenen Kanälen. Aber es ändert sich kaum etwas. Die Argumente scheinen nicht bei den Menschen anzukommen. Was nun?

Wir machen weiter. Denn die Hoffnung, die ich habe, ist, dass das nächste Wort wirkungsvoller sein kann als das, was schon gesagt worden ist. Worte können etwas verändern. Was soll ich denn als Wissenschaftler anderes tun, als immer und immer wieder mit allem, was mir an Möglichkeiten zur Verfügung steht, das zu erzählen, von dem ich weiß, dass es richtig und wichtig ist?

Bekannt durch die ZDF-Sendungen „Leschs Kosmos“ und „Terra X - Faszination Universum“: Harald Lesch wurde 2019 mit dem Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis für hervorragenden Fernsehjournalismus ausgezeichnet. Quelle: Johanna Brinckman/ZDF/dpa

Sie versuchen, im Fernsehen und auf Ihrem Youtube-Kanal ja gerade nicht in der Art eines Wissenschaftlers zu sprechen. Ist es manchmal schwierig für Sie, sich immer wieder um größtmögliche Verständlichkeit zu bemühen?

Nein. Ganz wichtig dabei ist das Motto: Raus aus der Glotze und rein in die Säle! Die Leute sollen einen auch dreidimensional vor sich sehen. Ich glaube an die direkte Begegnung. Und ich mache einfach das, was ich am besten kann: Ich unterrichte. Das steht ja auch in meiner Berufungsurkunde als Professor. Ich habe das immer sehr weit interpretiert. Ich unterrichte nicht nur meine Studenten, ich unterrichte jeden, der gerade in meiner Nähe ist. Das kann für meine direkte Umgebung manchmal sehr anstrengend werden. Ich bin Lehrer aus Leidenschaft und ich werde immer versuchen, das, was ich weiß, an die Öffentlichkeit zu bringen.

Bei Ihrem letzten Auftritt in Hannover haben Sie im Audimax der Universität locker, mit einer Bierflasche in der Hand mit dem Publikum gesprochen. Werden Sie das wieder so machen?

Das mit der Bierflasche? Nein, ich bin doch kein Säufer.

Nein, das mit dem Publikumsgespräch.

Das wird bei der Veranstaltung mit Quadro Nuevo nicht möglich sein. Da präsentieren wir nur unser Programm.

Gibt es eine wissenschaftliche Entdeckung, die Sie in Ihrer Lebenszeit noch gern miterleben würden? Etwa, dass wir Signale von außerirdischer Intelligenz empfangen?

Signale von intelligentem Leben müssen es gar nicht sein. Ich hoffe, dass wir in den nächsten Jahrzehnten mitkriegen, dass es in der Milchstraße noch andere Planeten gibt, bei denen zumindest die Anzeichen auf Grün stehen, dass es dort Leben gibt. Das fände ich großartig. Und es würde mich auch irgendwie beruhigen.

Zur Person

Harald Lesch, Jahrgang 1960, ist Astrophysiker, Philosoph, Wissenschaftsjournalist („Leschs Kosmos“, „Terra X – Faszination Universum“), Fernsehmoderator und Professor für Physik an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Am Mittwoch, 12. Februar, tritt er zusammen mit dem Weltmusik-Ensemble Quadro Nuevo um 20 Uhr im Theater am Aegi auf. Unter dem Titel „Sonne, Mond und Sterne“ gibt es spannende Fakten zum Weltall und, so die Ankündigung, „Songs zwischen Orient und Okzident, galaktische Tangos, sehr erdige Grooves und sehnsüchtige Mond- und Sternenmelodien“. Karten zum Preis von 50,25 bis 67,50 Euro gibt es an allen HAZ-Vorverkaufsstellen und online auf tickets.haz.de.

Von Ronald Meyer-Arlt

Der Pianist Brad Mehldau ist in Klassik wie Jazz zu Hause. Er schreibt Filmmusiken und spielt Songs der Indie-Pop-Ikonen Radiohead mit der gleichen Leichtigkeit wie Bach-Sonaten. Jetzt gastierte er mit der NDR Radiophilharmonie im Kuppelsaal.

01.02.2020

Tanzbilder vom Fliehen, vom Ankommen und von der Orientierungslosigkeit in der Fremde zeigt die Choreographin Yara Eid in „Herzlich Willkommen“ im Pavillon.

01.02.2020

„Wir werden Rekorde brechen“, sagt Maik Klokow, der Produzent von „Harry Potter und das verwunschene Kind“ in Hamburg. Am 5. Februar starten die Voraufführungen zu „Harry Potter und das verwunschene Kind“, am 15. März folgt die Premiere. Die Kartenpreise bewegen sich zwischen 100 und 299 Euro.

02.02.2020