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Region „Räuber – Ratten – Schlacht“ im Schauspiel Hannover
Nachrichten Kultur Region „Räuber – Ratten – Schlacht“ im Schauspiel Hannover
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00:16 25.03.2019
Amalia und Karl? Oder Benjamins Engel der Geschichte? Carolin Haupt und Günther Harder in „Räuber-Ratten-Schlacht“. Quelle: Katrin Ribbe
Hannover

Das „große Lebewohl“, das Andreas Schlager in einer improvisiert wirkenden Szene nach Hofschauspielerart mächtig zerknödelt durchs Schauspielhaus schickt, ist ein echtes. Die Intendanz von Lars-Ole Walburg neigt sich ihrem Ende entgegen. Viele Schauspielerinnen und Regisseure aus dem Ensemble werden Hannover zum Ende der Saison verlassen. Zwei Wochen vor Beginn der Theaterferien wird es (unter dem programmatischen Titel „It’s better to burn out than to fade away“) ein Abschlussfestival geben, bei dem Schauspieler und Regisseurinnen das zeigen können, was sie immer schon mal machen wollten, wozu sie aber in den zehn Jahren von Walburgs Intendanz bisher kaum Gelegenheit hatten. Jetzt hatte „Räuber – Ratten – Schlacht“ nach den Stücken von Friedrich Schiller, Gerhart Hauptmann und Heiner Müller im Schauspielhaus Premiere – und man konnte den Eindruck gewinnen, als hätte diese Revue, in der die Theaterleute frei von allen äußeren Zwängen agieren können, schon begonnen.

Alexander Eisenach inszeniert in Hannover

Die Inszenierung von Alexander Eisenach (in der Lisa Natalie Arnold, Jakob Benkhofer, Susana Fernandes Genebra, Maximilian Grünewald, Günther Harder, Henning Hartmann, Carolin Haupt und Andreas Schlager zu sehen sind) wirkte streckenweise wie ein Studententheaterexperiment. Wie etwas, das man nur machen kann, wenn man sich um die Folgen nicht weiter zu kümmern hat.

Nachdenken über das Theater

Aber eben nur streckenweise. Das Ganze war doch mehr als ein Studentenulk. Es war eine Tiefenbohrung in die deutsche Geschichte, eine Befragung des deutschen Idealismus und ein Nachdenken über das Theater. Und das Mittel der Collage, das Regisseur Eisenach für seine Inszenierung nutzt, passt gut zu Heiner Müller, dessen Szenenfolge „Die Schlacht“ so etwas wie den inhaltlichen Kern der Veranstaltung bildet. Müller zeigt in seinem Stück, mit dem er Bertolt Brechts „Furcht und Elend des Dritten Reiches“ weiterspinnt, Alltagsszenen vom Ende der Nazizeit. Hungrige Soldaten sprechen darüber, ob sie den schwächsten ihrer Gruppe töten und essen sollen, ein Nazi erschießt angesichts der heranrückenden Russen seine Tochter und seine Frau, entscheidet sich nach kurzem Zögern, dann aber doch selbst am Leben zu bleiben.

„Zwischen uns geht ein Messer das heißt Verrat“ – dieser Satz taucht leitmotivisch immer wieder auf. Er passt natürlich hervorragend zu Schillers „Räubern“ und auch zu Hauptmanns „Die Ratten“. Das Ensemble führt verblüffende Wandlungen und Überschreibungen vor: Aus Schillers Amalia wird das Dienstmädchen Pauline Piperkarcka, aus den Räubern werden Schauspielstudenten beim Theaterdirektor Hassenreuter. Dieses Umschalten von einem Stück zum anderen funktioniert erstaunlich geschmeidig. Was natürlich auch daran liegt, dass man immer wieder aufs Theaterspiel zurückkommen kann. Die Theaterprobenszenen auf dem Dachboden von Hauptmanns „Ratten“ sind so etwas wie ein geheimes Scharnier der Produktion.

Dampfendes Schauspielerinnentheater

Weil das Spielen selbst immer wieder zum Thema gemacht wird, dürfen alle ziemlich dick auftragen. Susana Fernandes Genebra als Frau John, Carolin Haupt als Amalia oder Lisa Natalie Arnold als Franz von Moor präsentieren dampfendes Schauspielerinnentheater – es macht Spaß, Ihnen dabei zuzuschauen.

Drei Stunden und vierzig Minuten dauert diese „Räuber –Ratten –Schlacht“. Das ist eine Zumutung. Einige Besucher kapitulierten und kehrten nach der Pause nicht zurück. Diejenigen, die durchhielten und sich der Zumutng stellten, applaudierten am Ende begeistert.

Weitere Vorstellungen am 24. und 30. März, sowie am 7. und 23. April.

Von Ronald Meyer-Arlt

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