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Herbert Pixner Projekt im Theater am Aegi in Hannover

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19:01 21.11.2019
Überraschende Perspektiven: Das Herbert Pixner Projekt mit den Berliner Symphonikern im Theater am Aegi. Quelle: Navid Bookani
Hannover

Der Anzug, mit dem Herbert Pixner die Bühne im Theater am Aegi betritt, verrät viel über seine Musik: Er ist schwarz und schmal, auf den Leib geschneidert und mit weißen Ornamenten bestickt, Frack und Tracht – irgendwo zwischen New Orleans, Nashville, Memphis und Südtirol. Pixners Musik interessiert sich nicht für Grenzen, sie ist im besten Sinne global, vollgesogen mit regionalen Einflüssen aus aller Welt, die er genau lange genug umeinander kreisen lässt, um im perfekten Moment Durchdringungen herbeizuführen, um überraschende und erhebende Perspektiven zu öffnen.

In der Titelmelodie der Serie „Gernstl Unterwegs“ des Bayerischen Rundfunks wird das besonders deutlich. Sie ist längst ein Pixner-Klassiker, wird aber live zur allumfassenden Arena der Musikstile, zum finalen Crossover mit Tango, Western, Polka, Klezmer, Jazz und Tiroler Volkstänzen. Pixner macht kein Geheimnis aus seiner geografischen und musikalischen Herkunft, den Südtiroler Alpen, wo er auf einem Bergbauernhof aufwuchs, früh das Klarinettenspiel lernte und sich als Sechzehnjähriger selbst die Harmonika beibrachte.

Nasser Fels, alter Schnee

Er ist bodenständig geblieben, auch nach Erfolgen mit Jazz, Klassik und zeitgenössischer Musik. Seine Jahre als Senner haben ihn offensichtlich geprägt, seine Liebe zum Hochgebirge verarbeitet er immer wieder in seinen Kompositionen. „Das fasziniert und inspiriert mich, Weite und Eingeengtheit, Schroffheit, nasser Fels und alter Schnee“, sagt er. In „Alps“ vertont er solche Eindrücke mit Opulenz und Filigranität – und, das ist ihm wichtig, „abseits von alten Jodelklischees“. In „Morgenrot“ lässt er einen Sonnenaufgang erklingen, mit seiner klopfenden Harmonika, der fließenden Harfe seiner Schwester Heidi, der jazzig schwelgenden Flamenco-Gitarre von Manuel Randi und den sanften Akzenten des Kontrabassisten Werner Unterlechner.

Aufwind aus dem Orchester

Gemeinsam sind die vier Musiker seit Jahren das Herbert Pixner Projekt. Für die aktuelle Tournee haben sie sich jedoch Verstärkung auf die Bühne geholt. Ein Jahr lang hat Pixner gemeinsam mit Alex Trebo und Jacob Wagner an Orchesterarrangements seiner Stücke gefeilt, die er jetzt gemeinsam mit den Berliner Symphonikern zum Leben erweckt. Pixners Weltmusik beeindruckt auch ohne Orchester mit Originalität, Tiefe, Leichtigkeit und Präzision. Bei manchen Stücken füllen all die klassischen Instrumente nur Lücken, machen satter und dichter, was Durchlässigkeit verträgt. Bei anderen funktionieren sie nicht nur als Verstärkung, sondern tragen Paraphrasen und Nuancen bei.

Im Gesamtklang öffnen sich dann weite Räume, schwingen sich die Kompositionen auf zu einem Flug über unendliches Terrain ohne Hindernisse. In der Vogelperspektive erweist sich das Orchester immer wieder als Aufwind an den richtigen Stellen. Mal erinnert das an die Romantik Smetanas, mal folgen die Musiker Randis E-Gitarre in symphonischen Rock. Bei „Toccata From Another World“ ergibt sich ein epischer Breitwandsound – dabei lässt vor allem ein gemeinsames Intermezzo von Schlagzeug, Percussion und Pauke die Zuhörer atemlos zurück.

Ein Flug um die Welt

Zum Glück nimmt sich die Band immer wieder Raum, alleine zu wirken und behutsam Poesie zu entfalten, sei es mit einem Harfensolo, einer arabesken Flamenco-Komposition oder einem entrückt zirpenden „Notturno“. Auch für Pixners Humor bleibt genug Bühne: „Breaking Bad“ erzählt vom unfreiwilligen Spaziergang entlang einer süditalienischen Autobahn – und bringt mit ausreichend Ironie Ennio Morricone und Miles Davis zusammen, Neorealismus und Italowestern. 850 Fans jubeln den Musikern am Ende mehrfach stehend zu, treiben sie zu immer mehr Zugaben an. Der gemeinsame Flug um die Welt dauert schließlich zweieinhalb Stunden. Die Landung fällt schwer.

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