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Herrenhäuser Forum: Wenn die Maschine an Emotionen verzweifelt: Experten sprechen über Roboter als Lernhelfer

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17:41 18.12.2019
„Roboter als aktive Partner“: Katharina Rohlfing (rechts) von der Uni Paderborn mit Jasmin Grischke von der hannoverschen Robokind Stiftung. Quelle: Nico Herzog
Hannover

Zu Beginn des Herrenhäuser Forums mit dem Titel „Früh übt sich?“, zu dem die Volkswagen Stiftung ins Schloss Herrenhausen eingeladen hat, um über das Lernen mithilfe von künstlicher Intelligenz und Robotern in Kindergärten und Schulen zu diskutieren, erfragt Gastgeberin Katja Ebeling ein Stimmungsbild: Wer sich denn solche Lernsysteme für Kinder vorstellen könne? Etwa die Hälfte des Publikums kann das. Dass sich nach zwei Vorträgen eine deutliche Mehrheit dagegen gebildet hat, spricht für einen offenen und selbstkritischen Blick der Wissenschaftler auf ihre Disziplinen.

Emotionen sind schwer zu entschlüsseln

Der Informatiker Stefan Kopp leitet die Forschungsgruppe „Kognitive Systeme und soziale Interaktion“ an der Universität Bielefeld. Er weiß: Die Frage, wie künstliche Intelligenz beim Lernen helfen könne, ist schon so alt wie das ganze Forschungsfeld. Man sei aber noch immer damit beschäftigt, Maschinen alltagsfähig zu machen, so Kopp: „Was können und wollen wir auf sie projizieren?“ Ob eine Technik jemals menschliche Emotionen verstehen könne, sei unklar. Dennoch sei eine Grundlagenforschung mit offenen Anwendungsmöglichkeiten von Bedeutung.

Pädagogische Konzepte fehlen

Potenzial, durch künstliche Intelligenz Lernen positiv zu beeinflussen, sehe er durchaus, so Kopp: bei personalisierten Programmen, selbstbestimmten Situationen oder einem flexibleren Zugang zu Bildung. Noch liege die Unterstützung bei sozialen Robotern als Lernpartnern, zum Beispiel beim Spracherwerb durch Kinder, vor allem in einer besseren Motivation. Die mögliche Rolle eines solchen Roboters müsse also noch entwickelt werden, so Kopp – die Herausforderung liege auch in fundierten pädagogischen Konzepten.

Roboter als Lernpartner für Kinder?

Auch Katharina Rohlfing, Professorin für Psycholinguistik an der Universität Paderborn, ist überzeugt, die umgesetzten Modelle des Lernens seien noch zu einfach. Roboter, so sagt sie, müssten nicht bloße Lieferanten von Information sein, sondern aktive Partner. Dafür sei ein erzählender Handlungsrahmen erforderlich. Rohlfing glaubt außerdem, eine frühe Technikschulung könne zu einem produktiv kritischen Umgang mit dem Thema führen. Eine Herausforderung sieht sie darin, dass Kinder anders kommunizieren als Erwachsene, oft auch ohne Worte und mit einem anderen Timing. Solche Abweichungen seien für eine künstliche Intelligenz noch sehr schwer zu deuten.

Jasmin Grischke (Mitglied im Stiftungsrat der Robokind Stiftung Hannover), Katharina Rohlfing (Universität Paderborn), Stefan Kopp (Universität Bielefeld) und Scarlet Siebert (Institut für Medienforschung und Medienpädagogik, Technische Hochschule Köln) diskutieren mit Ulrike Heckmann von NDR Info. Quelle: Nico Herzog

Diskussion verflacht

Wie um den massiven Einfluss veränderter Rahmensetzungen auf eine gelingende Kommunikation zu demonstrieren, verändert sich das Veranstaltungsformat nach den Vorträgen. Der Radiosender NDR Info zeichnet die zweite Hälfte auf und stellt mit Ulrike Heckmann auch die Moderatorin für ein Podium mit zwei weiteren Gästen – Scarlet Siebert von der Technischen Hochschule Köln und Jasmin Grischke von der hannoverschen Robokind Stiftung. Heckmann agiert im Rahmen ihrer Radiorolle: Sie übersetzt, sortiert, wiederholt, glättet und bremst. Die kontroversen Thesen der Vorträge finden keinen Anschluss, die Positionen werden flacher, je mehr sie der Programmierung durch eine festgelegte Dramaturgie folgen.

Roboter sollen keine Lehrer ersetzen

Ein Diskurs wird durch Zuspitzungsversuche eher unterbunden. Im Widerspruch sind sich alle Experten einig: Natürlich sollen Roboter in der Zukunft keine Lehrer ersetzen. Natürlich geht es nicht um eine Konkurrenz der künstlichen Intelligenz zu menschlicher Didaktik, sondern um deren Integration. Letztlich wird vor allem an den Reibungsflächen deutlich, wie sehr die Diskussion Teil einer weitaus größeren Wertedebatte ist.

Am Donnerstag, 9. Januar, ab 19  Uhr veranstaltet die Volkswagen Stiftung im Schloss Herrenhausen ein Podiumsgespräch zum Thema „Was ist Wahrheit? Unsere Suche nach Erkenntnis und verlässlichem Wissen“.

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