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01:15 09.03.2019
Jetzt alle hier: Oeds Westerhof (von links), Konstanze Beckedorf, Melanie Botzki, Stefan Schostok, Inga Samii und Annika Schach. Quelle: Christian Behrens
Hannover

„Hier Jetzt Alle“ – unter diesen Slogan stellt Hannover seine Bewerbung als Kulturhauptstadt Europas für das Jahr 2025. Oberbürgermeister Stefan Schostok hat den Claim aus drei Worten am Mittwoch vorgestellt. Vom Tisch ist damit die zuvor diskutierte Idee, Hannovers Bewerbung unter den Leitbegriff „Nachbarschaft“ zu stellen.

Das Motto zur Kulturhauptstadtbewerbung Quelle: Stefan Arndt

Der Grundgedanke dabei ist, dass Hannover die Idee der Kulturhauptstadt in eine neue Phase führen kann, erläuterte Oeds Westerhof, der strategische Berater der Stadtverwaltung bei der Bewerbung. In einer Zeit, in der europäische Werte zunehmend in Bedrängnis geraten, bekommt auch die Rolle einer europäischen Kulturhauptstadt ein neues Gewicht. Die Bewerbung soll dazu beitragen, Europa zu stärken, und erhält damit eine betont politische Dimension.

Hannover als neue Phase

2025 wird es 40 Jahre her sein, dass Athen die erste Kulturhauptstadt Europas war. Damals, so Westerhof, ging es vor allem um den Austausch von (Hoch)-Kultur, die die Verständigung und die Zusammenarbeit zwischen den europäischen Partnern befördern sollte. In einer zweiten Phase ab 1990 lag der Fokus der Kulturhauptstadt-Aktion auf der Entwicklung einzelner Städte wie zum Beispiel Glasgow. In der dritten Phase, die bis heute andauert, steht eine Kulturhauptstadt immer auch für den Strukturwandel einer ganzen Region. Der Titel hilft ihr also dabei, sich selbst zu entwickeln.

Die Leitidee der Bewerbung der Landeshauptstadt Hannover um den Titel Kulturhauptstadt Europas 2025 steht. Quelle: Christian Behrens

Hannovers Bewerbung soll nach dem Willen der Planer nun eine neue, vierte Phase anstoßen, die den Spieß umdreht. Die Städte sollen nicht länger von Europa gestärkt werden – es gilt der umgekehrte Weg: „Die Städte unterstützen nun Europa, weil das wichtig und gut für uns ist“, sagt Westerhof.

Hinter dem Leitthema „Hier Jetzt Alle“ stehen dabei drei programmatische Felder, auf denen das umgesetzt werden soll.

Hier: In Hannover sollen europäische Fragen verhandelt werden. Dafür sollen in der Stadt im Rückgriff auf die Anfänge in AthenAgoras“ errichtet werden – ganz unterschiedliche Orte, die temporär oder dauerhaft gedacht in der ganzen Stadt verteilt werden und Diskussionen und Dialoge anregen sollen.

Jetzt: In Hannover sollen große Probleme schon beispielhaft im Kleinen gelöst werden. Rassismus, Klimawandel, soziale Spaltung, Politikverdrossenheit: Die Stadt will als Kulturhauptstadt in einzelnen Bezirken, Straßen oder anderen überschaubaren Einheiten Beispiele geben, wie man große, drängende Fragen beantworten kann.

Alle: Hier soll es um die Nachbarn in der Straße gehen, um die in der Stadt, in Europa und in der Welt. Europa ist weit weg von den Menschen? In Hannover sollen Menschen aus Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft Europa persönlich erfahrbar machen: Die Idee soll wieder viele konkrete Gesichter bekommen.

Kommentar: Hannover will mehr

Ein bisschen schwachbrüstig sind sie auf den ersten Blick schon, Hannovers neue Wörter. „Hier, jetzt, alle“ ist eine andere Liga als „Glaube, Liebe, Hoffnung“ oder zumindest „Mensch, Natur, Technik“. Aber in ihnen schwingt doch etwas ganz Neues mit: Es geht nicht länger um Themenfelder, die möglichst beziehungsreich und kunstvoll beleuchtet werden können. Die drei Wörter stehen für Dringlichkeit und Handlungsbedarf. Man hört die Ausrufezeichen hinter jedem einzelnen Wort förmlich mit.

Tatsächlich ist die Präsentation des Leitthemas überraschend politisch ausgefallen. Statt um Kurt Schwitters oder die Stadt der Chöre ging es plötzlich um den Kampf für europäische Werte. Hannover will nicht einfach zeigen, was es in den Bereichen der Kunst, der Literatur oder der Musik zu bieten hat. Die Stadt will vielmehr auch beispielhaft demonstrieren, wie man Probleme des Zusammenlebens meistern kann.

Das mag fast schon größenwahnsinnig wirken. Aber genau dieser Mut zur Größe hat der Bewerbung bislang gefehlt. So abstrakt die Pläne noch sein mögen, es gibt nun eine Klammer, die vieles zusammenbinden und verstärken kann. Gut vorstellbar, dass das Schwung und Begeisterung in den Prozess bringt – zwei Faktoren, die bislang kaum in der Stadt zu spüren waren. Tempo kommt jetzt ohnehin in die Planung: Im Juni sollen erste konkrete Projekte vorgestellt werden. „Gratuliere, Hannover!“, hat der aus den Niederlanden stammende Berater Oeds Westerhof nach der Präsentation gesagt: „Wir sind angefangen.“ Drei schöne Wörter, die hoffen lassen, dass es hier jetzt alle wirklich loslegen.

Dass die jetzt angeschobene Phase der Bewerbung ausgesprochen politisch ausfallen wird, war am Abend bei der öffentlichen Präsentation in der Orangerie zu erleben. Ein Theaterteam um Schauspieler Patrick Güldenberg entwarf auf der Bühne zunächst ein verstörendes Zukunftsszenario: Deutschland hat für den Austritt aus der EU gestimmt, rechtspopulistische Kräfte übernehmen das Land – genau wie in vielen anderen Ländern der bisherigen Union. Die Pläne für die Kulturhauptstadt sind nach dem „Dexit“ Makulatur geworden. Aber dann entwirft der Schauspieler in einer eher sonderbaren dramaturgischen Kehrtwende doch noch Visionen, was daraus hätte werden können. Im Zentrum dabei stets: der Glaube an Europa. Am Ende ruft er die drei Worte „Hier!“, „Jetzt!“ und „Alle!“. Wird so doch noch alles gut?

Politischer Botschafter Igor Levit

Wesentlich klarer waren da die Grußworte von Igor Levit, dem Botschafter der Kulturhauptstadt. Der Pianist, der gerade auf Konzertreise in der USA ist, betonte in einer Videobotschaft die neue politische Dimension der hannoverschen Bewerbung. „Wir stehen für Weltoffenheit, für ein offenes, menschenfreundliches Europa“, sagte er. „Wir sind keine angsterfüllten Bewahrer eines diffusen Status quo.“ Stattdessen gehe es darum, in einer Zeit des Wandels positive Visionen für die Zukunft zu entwickeln. Gerade die Kultur könne dabei viel erreichen.

Was das alles genau bedeuten kann, soll Ende Juni präsentiert werden – zusammen mit den ersten konkreten „Leuchtturmprojekten“, die helles Licht auf die hannoversche Bewerbung werfen sollen.

Von Stefan Arndt

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