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Region David Garrett stellt seine Tour „Unlimited“ vor
Nachrichten Kultur Region David Garrett stellt seine Tour „Unlimited“ vor
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00:17 04.04.2019
„Das Ziel ist eine Art wagnersches Gesamtkunstwerk“: David Garrett bei der Tourvorstellung in Hamburg.
„Das Ziel ist eine Art wagnersches Gesamtkunstwerk“: David Garrett bei der Tourvorstellung in Hamburg. Quelle: Stefan Arndt
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Hamburg

Vom achten Stock des Hamburger Hotels „Le Méridien“ hat man einen schönen Blick auf die Außenalster. Pünktlich auf die Minute erscheint David Garrett im Salon, um seine neue Tour vorzustellen, die ihm im Mai auch nach Hannover führen wird. Draußen steht der Kampf zwischen Frühling und Winter gerade noch unentschieden, doch Garrett fügt sich ohne Murren dem Wunsch der Fotografen auf den Balkon zu gehen. „Aber ohne Geige“, sagt er. Für die ist es zu kalt. Sie bleibt in der Obhut seines Assistenten.

Herr Garrett, wenn Sie am 17. Mai in Hannover in der Tui-Arena auftreten werden, spielt gleichzeitig Anne-Sophie Mutter im Kuppelsaal. Wo soll man denn hingehen?

Ich glaube, dass das beides tolle Angebote sind. Da muss jeder für sich selbst entscheiden, welche Art von Konzert er an dem Abend erleben will. Vor halbleeren Sälen brauchen wir wohl beide keine Angst zu haben.

„Es gibt viele fantastische Geiger“: David Garrett in Hamburg. Quelle: Stefan Arndt

Garrett präsentiert in seiner neuen Show vor allem alte Hits, darin ist sein Programm klassischen Konzerten durchaus ähnlich – Anne-Sophie Mutter kommt ja auch mit einem Mozart-Programm. Er spiele das, was seine Fans in den vergangenen Jahren am liebsten von ihm gehört hätten, erklärt Garrett seine Programmauswahl. Dazu gehört Musik von Coldplay und Debussy, von Metallica und von Bach. „Unlimited“ ist die Tour überschrieben. Den Beginn von Beethovens fünfter Sinfonie spielt der Geiger in einer bombastischen Version mit viel Schlagzeug und aufgebohrtem E-Gitarren-Antrieb. Auf der Bühne werden dazu futuristische Rennwagen über die Leinwand rasen. Das Ziel, sagt Garrett, sei eine Art wagnersches Gesamtkunstwerk.

War Anne-Sophie Mutter ein Vorbild für Sie?

Natürlich, das war und ist sie wohl für alle Geiger meiner Generation. Mein Vater ist in Aachen mit mir in jedes Konzert gegangen, in dem sie aufgetreten ist. Es war jedes Mal wieder großartig. Ich finde sie immer noch genauso toll wie damals. Es gibt ja überhaupt so viele fantastische Geiger: Julian Rachlin, Maxim Vengerov, auch Daniel Hope: Es lohnt sich sehr, ihre Konzerte zu besuchen.

Auf dem Podium lobt jetzt die Regisseurin der Show die Anleihen aus der Computerspieltechnik, die im neuen Programm eine wichtige Rolle spielen. Unter anderen wird eine Technik eingesetzt, die Livebilder einer Kamera ohne Zeitverzögerung verfremden kann. „So können wir David in Flammen zeigen, während er spielt“, sagt sie. Garrett selbst legt allerdings vor allem Wert darauf, dass die Bilder synchron zu seinen Bewegungen sind.

Was sagt Ihnen der Name Joseph Joachim?

Das war ein fantastischer Geiger – und ein guter Freund von Johannes Brahms. Er hat Kadenzen für die Geigenkonzerte von Beethoven und Brahms geschrieben, die ich auch gerne spiele – leider nicht sehr oft: Man sollte diese Stücke viel öfter aufführen. Und ich finde es gut, dass man Joachim in Hannover einen Violinwettbewerb gewidmet hat, ein Freund von mir hat einmal in der Jury gesessen.

Nach der kurzen Pressekonferenz gibt es nicht viele Fragen. Dafür umso mehr Autogrammwünsche. Eine Frau hält Garrett einen Geigenkasten hin: Ob er einmal auf dem Instrument der Tochter spielen könnte? Kann er: Routiniert packt Garrett die Geige aus und spielt ein paar Takte aus Fritz Kreislers „Liebesleid“. „Geht auch“, befindet er und schätzt den Wert des Schülerinstrumentes auf 200 Euro. Die Frau hat sogar 50 Euro weniger dafür bezahlt und reicht Garrett einen weißen Lackstift. Der Geiger setzt damit seine Unterschrift auf die fremde Geige.

Was glauben Sie, wie viele Kinder Sie zum Geigenspielen gebracht haben?

Das weiß ich natürlich nicht genau, aber ich bin schon sehr stolz darauf, dass es viele sind. Das höre ich zum Beispiel jedes Mal, wenn ich einmal beim Geigenbauer bin und etwa meine Steg richten lasse. Und ich bekomme sehr viel Post und Nachrichten von jungen Menschen, die sich neu für das Instrument begeistern. Ich sage ja nicht, dass jeder Geige spielen soll. Aber ich weiß natürlich, wie sehr es sich lohnt, wenn man richtig Lust dazu hat.

Am 17. Mai macht David Garrett mit seiner „Unlimited“-Tour Station in der hannoverschen Tui-Arena. Karten gibt es in den HAZ-Ticketshops und unter Telefon (05 11) 12 12 33 33.

Von Stefan Arndt