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Kommentar zum Spielzeitbeginn in Hanover: Die neuen Intendantinnen meinen es ernst

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14:09 15.09.2019
Die beiden neuen Intendantinnen: Laura Berman (Oper, links), Sonja Anders (Schauspiel, rechts). Quelle: Tim Schaarschmidt
Hannover

Herr Müller mag nicht mehr ins Theater gehen. Die „Neue Zürcher Zeitung“ hat ihm vor einigen Tagen reichlich Platz dafür gegeben, zu erläutern, warum. Die Sitze sind Herrn Müller zu unbequem, das Pausenritual empfindet er als Qual, und die Stücke sprechen ihn nicht mehr an.

„Theater heute findet in einer Blase statt“, schreibt Herr Müller, der früher „Chefredaktor“ der „NZZ am Sonntag“ war. Er kritisiert, dass das Theater heute „nicht mehr der Vordenker der Gesellschaft, nicht mehr deren Gegendenker oder Andersdenker“ sei. „Eigentlich“, schreibt der theatermüde Redaktor, „müsste der Angriff gegen die links-grüne städtische Majorität nun von rechts kommen“.

So einfach sollte man es sich freilich nicht machen.

Der Angriff gegen die bestehenden Verhältnisse kann von irgendwo kommen, auch aus einer Richtung, die keiner zuvor in Erwägung gezogen hat. Oder auch aus gar keiner politischen Richtung, sondern einfach aus der Kunst heraus. Weil sie existiert. Weil sie uns in Kontakt mit etwas bringt, das sich jenseits unserer Alltagsgeschäfte befindet.

Weil sich die Welt wandelt, muss sich auch das Theater wandeln

Aber in einer Sache hat der Redaktor natürlich recht. Von unseren Spielstätten erwarten wir, dass von ihnen irgendein Angriff ausgehen möge. Dass die Akteure dort irgendetwas in Frage stellen, dass sie uns aus unserer Komfortzone herausführen und uns dazu verleiten, die Welt anders zu sehen und vielleicht auch anders über sie zu sprechen.

Dafür brauchen wir das Theater. Und weil sich die Welt wandelt, muss sich auch das Theater wandeln, um uns immer wieder neu zu packen und uns Fragen zu stellen - gerade auch Fragen, auf die wir von alleine nicht gekommen wären. Theater darf es sich dabei nicht (zu) gemütlich machen. Daher ist es gut, dass der Intendantensessel auch eine Art Schleudersitz ist und dass ab und zu ein neues Ensemble kommt, um die Stadt neu aufzumischen (so betrüblich das für die Schauspieler des alten Ensembles, die früher auf der Bühne geglänzt haben und nun gehen müssen, auch sein mag).

In Hannover haben jetzt an Oper und Schauspiel neue Intendantinnen begonnen. Die ersten Produktionen, die sie zeigen, sind recht unterschiedlich – hier, opulente, raffiniert in Szene gesetzte große Oper, dort Stadttheater in Sepiatönen. Lydia Steiers Inszenierung von „La Juive“ an der Staatsoper hat nicht nur das Zeug, Stadtgespräch zu werden, sie dürfte auch überregional einige Beachtung finden.

Hannovers Intendantinnen stehen für eine Kultur der Offenheit

Laura Berman und Sonja Anders sind beide mit dem Versprechen angetreten, ihre Häuser zu öffnen. Dass sie es mit der Kultur der Offenheit ernst meinen, ist schon an einigen baulichen Veränderungen zu erkennen. Die Foyers sind heller und freundlicher geworden und die Schauspielkantine ist jetzt für jedermann zugänglich. Es ist ein schwieriges Geschäft. Theater soll gleichzeitig einladend und unbequem sein. Den beiden Intendantinnen ist zuzutrauen, dass ihnen dieser Spagat gelingt.

Am Mittwoch kommt Kulturstaatsministerin Monika Grütters nach Hannover, um im Schauspielhaus ein Expertengespräch zur Zukunft des Stadttheaters zu führen und sich ein Bild vom hannoverschen Theaterstart zu machen. Es dürfte ein freundliches werden.

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