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Konzert: Anne-Sophie Mutter spielt Mozart im Kuppelsaal Hannover

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01:15 18.05.2019
Strahlender Mittelpunkt: Anne-Sophie Mutter mit den Herren des Kammerorchesters Wien-Berlin im Kuppelsaal. Quelle: Franziska Gilli
Hannover

 Als Anne-Sophie Mutter das erste Mal mit einem Auftritt bei den Salzburger Festspielen größere Aufmerksamkeit erregte, hieß der deutsche Bundeskanzler Helmut Schmidt. Bald darauf war mindestens die halbe Klassikwelt in die junge Ausnahmemusikerin verliebt. Mehr als vier Jahrzehnte später ist die längst berühmteste aller Geigerinnen noch immer eine Erscheinung, die das Publikum auf den ersten Blick entzückt. Bei ihrem Pro-Musica-Konzert im Kuppelsaal zumindest geht ein Raunen durch den Saal, sobald sie in einer grauen Dior-Robe im typischen figurbetonten und schulterfreien Anne-Sophie-Mutter-Schnitt auf die Bühne schreitet.

Mutters Mozart-Experiment

Den (über)großen Auftritt hat die Geigerin allerdings zunehmend auch musikalisch kultiviert: In den vergangenen Jahren haftete nicht wenigen ihrer Auftritte und Einspielungen etwas Übertriebenes und Unnatürliches an. Ein Komponist, der das besonders schlecht verträgt, ist Wolfgang Amadeus Mozart – nachzuhören ist das auf einer CD-Aufnahme seiner Violinkonzerte mit Mutter aus dem Jahr 2005.

Auch beim Konzert im Kuppelsaal standen nun ausschließlich Werke des Salzburgers auf dem Programm. Doch diesmal ist Mutters Mozart-Experiment wesentlich glimpflicher ausgegangen als vor 14 Jahren. Noch immer kann man den Eindruck gewinnen, die Geigerin wolle die besten aller Musikwelten in ihrer Interpretation gewaltsam zusammenzwingen: Sie bewahrt sich romantische Freiheiten in Tempogestaltung und Tongebung, um dann wieder so schroff und rasant zu spielen wie ein orthodoxer Alte-Musik-Apostel.

Triller, schön wie ein Dior-Kleid

Inzwischen gibt es zwischen diesen extremen Ausschlägen aber wieder mehr Gelassenheit und damit Platz für Mozart und auch für Mutter selbst: Die Art, wie sie selbst höchste Töne mit Energie aufladen kann, die fabelhafte Leichtigkeit und Präzision der linken Hand, die Triller, die nur bei ihr zum Niederknien schön klingen – all das ist schließlich mindestens so unverwechselbar wie das Dior-Kleid.

Als hilfreich erweisen sich dabei die – ausschließlich männlichen – Musiker des Kammerorchesters Wien-Berlin, die sich aus Mitgliedern der Wiener und der Berliner Philharmoniker rekrutieren und dem hervorragenden Ruf ihrer Arbeitgeber auch nebenamtlich voll gerecht werden: Fabelhaft lässig bringen sie Mozarts erste Sinfonie, die bereits mit origineller Harmonik aufhorchen lässt, und dessen zweites, drittes und fünftes Violinkonzert mit der Selbstverständlichkeit zum Klingen, die sich die Solistin offenkundig erst hart erarbeiten muss.

Ringen mit der Normalität

Wie zum Ausgleich für derartige Bemühungen um Gelassenheit spielt Mutter ausführlich eigene Kadenzen und Eingänge, die sich stark auf das Geigerische konzentrieren: Es gibt verwegene Läufe, die selbst den versierten Orchestermusikern Staunen ins Gesicht zaubern, und viele Doppelgriffe, die bei Mutter noch immer eine Spur voller und sauberer klingen als bei den meisten ihrer Kollegen. Im zugegebenen Finale aus dem ersten Konzert sorgt die Kadenz sogar für den späten Höhepunkt des Abends.

Und natürlich unterlaufen der Geigerin, die als unerbittliche Perfektionistin gilt, bei dieser Menge an empfindlicher Mozart-Musik gelegentlich auch ein paar kleine Fehler. Ihr Ringen mit der Normalität, das an diesem Konzertabend immer wieder zu spüren ist, wird so nur sympathischer.

Am Mittwoch, 5. Juni, ist Pianistin Yuja Wang Solistin beim Pro-Musica-Konzert im Kuppelsaal.

Von Stefan Arndt

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