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Region Axel Prahl und das Inselorchester spielen im Pavillon
Nachrichten Kultur Region Axel Prahl und das Inselorchester spielen im Pavillon
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00:16 19.02.2019
Von Hügeln und Meeren: Axel Prahl im Pavillon Hannover. Quelle: Moritz Frankenberg
Hannover

Bis zu zwölf Millionen Menschen sehen regelmäßig zu, wenn Axel Prahl als Hauptkommissar Thiel im „Tatort“ aus Münster ermittelt. Wenn der Schauspieler nun im ausverkauften Pavillon vor knapp 700 Menschen ein Konzert mit seinem Inselorchester spielt, kann man aber feststellen, dass ihn die Popularität nicht hat abheben lassen: ganz normal, der Mann. Ein bisschen zu normal vielleicht, wenn man ihm mehr als zwei Stunden zuhören soll.

Axel Prahl und das Inselorchester in Hannover

Seit vielen Jahren ist Prahl auch als Liedermacher aktiv, 2001 veröffentlichte er sein erstes Album, in Hannover hat er nun sein jüngstes vorgestellt. Dass dessen Titel „Mehr“ vor allem maritim zu verstehen ist, macht schon das erste Lied deutlich: der Schunkelsong „Heut versauf ich die Heuer“. Lieder von der Waterkant finden sich immer wieder im Repertoire des in Eutin geborenen Schauspielers. Dazu kommen Stücke, die französischen Chansons nachempfunden sind, und eher geradlinige Rocknummern. Prahl, der Text und Musik selbst geschrieben hat, singt Lieder für alle und niemanden.

Ein Hauch von Boerne

Das wird noch verstärkt, wenn das neunköpfige Inselorchester seine Stücke spielt. Die Arrangements legen so viel Wert auf Abwechslung, dass auch der letzte Rest an Profil verloren geht. Schön ist immerhin die Besetzung des Orchesters, bei dem die übliche Band um ein Saxofon und drei Streicher erweitert ist. Dass so etwas Exotisches wie eine Bratsche mit von der Partie ist, bringt einen Hauch von Boerne in die Thiel-Normalität, aber der ist schnell wieder verweht.

In seinen Texten weckt Prahl morbide maritime Sehnsüchte („Der Kapitän“) oder erzählt von der ach so komplizierten Liebe („Zu laut gelacht“) und faulen Beamten („Für ein Amt“). Es geht um den Tod der Großeltern („Zu Hause“), die Versuche, ein besseres und gesünderes Leben zu führen („Heute fang ich an“) und – Selbstkritik eines TV-Kommissars – um die Lust an der Gewalt im Fernsehen („Erbarme dich unser“).

Peinliche Poesie

Richtig nah kommt einem all diese Ratgeber- und Stammtischpoesie nicht, und wenn Prahl in „Das ist meine Frau“ tatsächlich von seiner Ehefrau singt, deren „Hügel“ der nur berühre, wenn sie das wolle, dann sind zwar auch die Zuhörer berührt, aber vermutlich anders, als der Autor sich das erhofft hat.

Die Stimmung im Saal steigt im Laufe des langen Abends trotzdem immer weiter an: Das zunächst freundliche Interesse weicht im Finale kurz vor 23 Uhr doch noch so etwas wie Begeisterung.

Von Stefan Arndt

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