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Region Chanticleer eröffnen die Internationale A-cappella-Woche
Nachrichten Kultur Region Chanticleer eröffnen die Internationale A-cappella-Woche
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00:16 01.05.2019
Ereignisreich: Das Auftaktkonzert der 19. A-Capella-Woche mit Chanticleer in der Basilika St. Clemens. Quelle: Nancy Heusel
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Normalerweise sind sie eher rar – jene Momente, in denen man das Gefühl hat, genau zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Wer jedoch am Sonnabend in der Basilica St. Clemens dabei war, konnte gleich einen ganzen Menge solcher Momente erleben. In der ausverkauften Kirche sang das US-amerikanische Ensemble Chanticleer das Eröffnungskonzert der 19. Internationalen A-cappella-Woche.

Musikalische Zeitreise

Die zwölfköpfige Vokalgruppe aus Kalifornien feierte im vergangenen Jahr ihr 40-jähriges Bestehen und ist derzeit mit dem Jubiläumsprogramm „Then and There, Here and Now“ auf Tournee. Diese atemberaubende musikalische Zeitreise reicht vom frühen 16. Jahrhundert bis in die Gegenwart, vom Renaissance-Madrigal bis zu Jazz- und Gospelevergreens. Schon bei den ersten Takten von Palestrinas „Gaude Gloriosa“ entfalteten die Sänger von Chanticleer ihren ganzen Zauber. Das glockenhelle Sopranregister der Countertenöre, die sonore Tiefe der Bässe, die Homogenität der Mittelstimmen, die lupenreine Intonation – bei diesem Ensemble stimmt einfach alles.

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Die nächsten Konzerte

Montag, 29. April, 20 Uhr, Christuskirche: Accent (Restkarten), Mittwoch, 01. Mai, 11 Uhr, Jazz-Club: Jazz-Frühshoppen mit Accent, Mittwoch, 01.Mai, 20 Uhr, Markuskirche: Stile Antico, Sonnabend, 04. Mai, 20 Uhr, Neustädter Hof- und Stadtkirche: The Real Group (wenige Restkarten), Sonntag, 05. Mai, 19 Uhr, Kuppelsaal: Abschlusskonzert

Wie zeitlos die Kompositionen der Renaissance sind, zeigten die zwölf Sänger im ersten Teil des Konzertes. Neben Madrigalen von William Byrd, Orlando di Lasso oder Thomas Morley stellten sie Werke der Gegenwart vor, in denen die Komponisten Stilmittel und melodische Elemente der alten Meister aufgriffen. Besonders beeindruckend geriet dabei Steven Stuckys „Whispers“, in dem Fragmente aus William Byrds „Ave verum corpus“ mit in aufregenden Clustern und Dissonanzen vertonten Gedichtzeilen von Walt Whitman unterlegt sind.

Umschalten zwischen den Epochen

Der Reiz des zweiten Konzertteils bestand darin, dass bei den Jazz-, Gospel- oder Traditional-Arrangements immer wieder einzelne Stimmen solistisch hervortraten. Zum absoluten Publikumsfavoriten avancierte der Countertenor Cortez Mitchell, der die Melodie von Gershwins „Summertime“ so jazzig und lasziv brachte, dass man kaum glauben mochte, dass er keine halbe Stunde zuvor noch ohne den Hauch eines Vibratos Alte Musik gesungen hatte. Überhaupt zählt das scheinbar mühelose Umschalten zwischen den Epochen, den Genres, den Stimmregistern zu den großen Stärken von Chanticleer. Besser hätte diese A-cappella-Woche kaum beginnen können.

Von Juliane Moghimi