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Region Eiji Oue dirigiert in der Musikhochschule
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Konzert: Eiji Oue dirigiert in der Musikhochschule

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13:57 24.05.2019
Volle Konzentration: Konzert des Hochschulorchester unter der Leitung von Eiji Oue. Quelle: HMTMH
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Hannover

Er weiß, was er nicht will. Eiji Oue hatte ihn mit Mimik und Gesten geradezu inständig gebeten, doch bitte die Zugabe (Liszts „La Campanella“) anzusagen. Aber es nützte nichts. Trotz Ovationen von allen Seiten, Pianist Kiljoong Yoon ließ sich nicht ein auf den Wunsch des Hochschulorchesterchefs, der ihm bei Beethovens drittem Klavierkonzert so partnerschaftlich zur Seite stand.

Voller Einsatz für den Solisten

Denn Oue hatte alles getan, was sich ein junger Pianist und Student der Solistenklasse nur wünschen kann. Yoon konnte sich völlig frei entfalten, seine glänzende Technik funkeln lassen, sein Gespür für klangliche Ausgeglichenheit ausspielen. Eiji Oue fixierte dabei mit seinen Augen fast schon hypnotisch Yoons Fingerspiel und schweißte somit Solist und Orchester fest zusammen. Motive streiften hin und her zwischen Solo und Tutti, es gab kammermusikalische Feinheiten und dynamisch zupackende Momente. Mal führte Oue, mal nahm Kiljoong Yoon (bisweilen etwas sportiv) das Zepter in die Hand. Aber der zarten Lyrik des langsamen Satzes und dem ganz schwebend und leise agierenden Hochschulorchester hätte Yoon durchaus eine Prise mehr träumerisches Innehalten entgegensetzen können. Hier sollte sich Yoon mehr trauen – Oue und das Orchester wären ihm garantiert gefolgt.

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Solides Handwerk und große Kür bildeten Anfang und Schluss: Schumann und Berlioz, die „Manfred“-Ouvertüre op.115 und die „Symphonie fantastique op.14“ – ein etwas hölzernes Warm-up und ein Orchesterfest der Extraklasse. Programmmusik pur – Berlioz hält alles bereit. Einen Helden und, natürlich, seinen Untergang. Nur hielt Oue diesmal keine choreografischen Dirigierposen bereit, dafür spielte sich die musikalische Choreografie im Orchester ab. Die ganze Wildheit, Schönheit, Zerrissenheit, Zerbrechlichkeit und Farbigkeit: Alles endet im Hexensabbat, mit Pauken und Trompeten, und in großem Jubel – vom Publikum und vonseiten der Orchestermitglieder für ihren Klangregisseur und Inspirator.

Von Günter Helms

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