Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Region Fury-Gitarrist Thorsten Wingenfelder spielt solo
Nachrichten Kultur Region

Konzert: Fury-Gitarrist Thorsten Wingenfelder spielt solo

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:39 11.06.2019
„Wer erzählt denn unsere Geschichten?“: Thorsten Wingenfelder in der Marlene. Quelle: Olaf Gebert
Hannover

Thorsten Wingenfelder fühlt sich ohne Resonanz nicht wohl – nicht nur, wenn er Gitarre spielt. Die Band Fury In The Slaughterhouse, die er 1986 mit seinem Bruder Kai und Freunden in Hannover gründete, verkaufte vier Millionen Alben und feierte im März 2017 ihren 30. Geburtstag an drei Abenden mit insgesamt 35.000 Fans. Wingenfelder schrieb für sie Hits wie „Time To Wonder“ oder „Won’t Forget These Days“. Auch das deutschsprachige Brüder-Projekt Wingenfelder ist seit 2010 erfolgreich. Dessen viertes Album erreichte im vergangenen Jahr Platz 9 der deutschen Albumcharts.

„Findet ihr das wirklich gut?“

Und doch sitzt Thorsten Wingenfelder alleine vor 130 Besuchern auf der kleinen Bühne der längst ausverkauften Bar Marlene und ist ehrlich verunsichert. „Findet ihr das hier wirklich gut?“, fragt er sein Publikum immer wieder, als könne oder wolle er dessen Begeisterung gar nicht glauben. Er erklärt: „Das hier ist für mich absolut neu, das ist mein erster Soloabend in 35 Jahren als Musiker.“ Der Musikveranstalter Torsten Block habe ihn „reingequatscht in den Wahnsinn“, Songs, die ihm etwas bedeuten, mit Geschichten über deren Entstehung zu verbinden.

Wingenfelder erweist sich dabei als ausgesprochen nahbar. Er braucht keine Showeffekte und hat nichts zu verbergen. Bei Tourneen in den USA habe er festgestellt, dass ihn die Privilegien eines Rockstars nur wenig interessieren, sagt er. Vielmehr habe er 1994 in einem New Yorker Hotel ein TV-Interview mit Bruce Springsteen gesehen, das ihm die Augen geöffnet habe. „Am Ende schreibt man immer über sich selbst“, habe der lapidar gesagt. „Wer erzählt denn unsere Geschichten?“, fragt er sein Publikum in Hannover? Und kommt zum Schluss: „Wincent Weiss erzählt die bestimmt nicht.“

Die allererste Fury-Nummer

Also übernimmt er das selbst. In Songs von seinen Solo-Alben und Wingenfelder-Stücken. In Cover-Songs von Freunden oder von Musikern, die ihn beeindrucken. Und in einer einzigen Fury-Nummer, seiner allerersten. 1987 sei man im Glocksee-Keller grade komplett gewesen, als ihm „Then She Said“ einfiel. Und da sein Bruder nicht wollte, habe er als Gitarrist eben selbst singen müssen. „Ich kenne Videos aus den USA, in denen Menschen zu diesem Song heiraten“, erzählt er verwundert. Seine akustische Solo-Version des Klassikers verharrt ganz unprätentiös im Augenblick.

Wingenfelder erzählt übers Schreiben zwischen Kinderfußball und Klopapierkaufen und über seine Verletztheit und Ernüchterung nach der Trennung von seiner Frau. Darüber, wie der neue Song „Rette mich wer kann“ eigentlich ein hilfloser Blick auf die Welt sein sollte, jetzt aber die verlorene Liebe in seiner Ehe repräsentiere. Er erzählt zu „Die größte Liebe“ intime Details über sein Verhältnis zum schweigsamen, vom Krieg gezeichneten Vater und beschwört in „Beste Band der Welt“ seine Schulzeit am Gymnasium Großburgwedel wie in verwackelten Super-8-Bildern herauf.

Reibungen und Widersprüche

Musikalisch klingt das oft angenehm unspektakulär, dann wieder satt poppig, mal übernimmt Wingenfelder sich ein wenig mit Schmelz und Hall, dann wieder gelingen ihm Tiefe, Natürlichkeit und Unmittelbarkeit. Der Abend erweist sich als ganz persönliche Sammlung von Geschichten und Eindrücken, als assoziative Autobiografie und emotionale Momentaufnahme. Wingenfelder zeigt sich berührbar, als einer, der Reibungen und Widersprüche auszuhalten und umzusetzen vermag – wenn er dafür hin und wieder ein wenig Feedback bekommt.

Am Freitag, 6. September, um 20 Uhr wiederholt Thorsten Wingenfelder sein Storytellers-Format auf der Insel Wilhelmstein, diesmal gemeinsam mit den Kollgen Purple Schulz und Jon Flemming Olsen.

Mehr zum Thema

Wingenfelder im Capitol

So klingt das neue Album von Wingenfelder

Fury in the Slaughterhouse spielen wieder live auf der Bühne

Von Thomas Kaestle

Kommentare 0 Nutzungsbedingungen
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Gitarrist Nathan Conolly hat sich an der Hand verletzt. Drei Konzerte der aktuellen Tournee müssen abgesagt werden. Auch der Auftritt in Hannover am Dienstag fällt aus.

10.06.2019

Rainald Grebe macht intelligentes Kabarett für die Leute, die neugierig geblieben sind, denen die Welt aber ein bisschen fremd geworden ist. Jetzt hat er sich im Schauspielhaus von Hannover verabschiedet.

13.06.2019

Der hannoversche Autor Alexander Rudolfi ist mit dem erstmals vergebenen Literaturpreis „Kurt 2019“ ausgezeichnet worden.

09.06.2019