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00:15 27.02.2019
Heinz Rudolf Kunze im Capitol. Quelle: Florian Petrow
Hannover

Heinz Rudolf Kunze hat uns viel zu sagen – noch immer. Als Instanz in Sachen popmusikalischer Zivilisationskritik leistet sich Bissendorf-Wietzer auf jedem Album jede Menge ironische Verweise auf das Zeitgeschehen. So auch auf seinem neuen, immerhin schon 36. Album „Schöne Grüße vom Schicksal“. Mit dem als Single ausgekoppelten Ohrwurm „Raus auf die Straße“ startet Kunze – Jeans, Jackett und obligatorischer Künstlerschal – mit seiner Band Verstärkung das Heimspiel im gut gefüllten Capitol. Der vorauseilende Jubel ist ihm gewiss. Sogar bei den neuen Songs sind die Fans textsicher. Diese bestimmen die erste halbe Stunde des Konzerts.

Für jedes Thema den richtigen Song

Der Mitklatsch-Schlager-Rock kommt später. Der große Hit „Dein ist mein ganzes Herz“ sogar noch viel später – im zweiten Zugabenblock des zweieinhalbstündigen Konzerts. Mit „Das Ultimatum“ schlägt Kunze die Brücke zum „alten“ Kunze - ein gesellschaftskritischer Song aus dem Jahr 1982 aus Zeiten von Nato-Doppelbeschluss und Brokdorf-Demo. Dabei zeigt sich: Kunze ist aktueller denn je. Er braucht sich nur aus dem eigenen Song-Kompendium bedienen, um für jedes Thema den richtigen Song zu finden. Ein wenig sarkastische Religionskritik („Gott sieht alles. Er hat den Videobeweis“), ein wenig Asyl-Problematik (als roter Faden und aus allen Blickwinkeln verknüpft in den Songs „Vertriebener“, Aller Herren Länder“ und „Hartmann“). Und natürlich ganz viel Gefühl („Schäme dich nicht deiner Tränen“). Schließlich sind HRK’s Anhängerinnen stark im Publikum vertreten.

Zur Lage der Nation

Und neuerdings auch auf der Bühne. Die Sängerin und Geigerin Jördis Thielsch darf sich sogar als Solo-Stimme mit „Bühne deines Lebens“ präsentieren. Ihre Kollegin im Background-Gesang, Natalie Pütz singt lautstark gefeierten Hit „Mit Leib und Seele“ im Duo mit Kunze. „Die sehen besser aus. Und singen auch noch besser als ich. Was soll ich hier?“ stellt Kunze schließlich die berechtigte, aber ironisch gemeinte Vertrauensfrage. Die Fans schert das wenig. Sie wissen: Seine Songs und Texte wären ohne seine Stimme undenkbar. Das kann halt nur „Brille“.

Aber weil er so viel zu sagen hat, dass die Songs für seine Gedankengänge gar nicht mehr ausreichen, erzählt er zwischen diesen gerne seine Betrachtungen zur Lage der Nation in gereimter Ansageform. Dabei wünscht er sich einen Staat, in dem man für Gotteslästerung einen Orden bekommt. Und macht sich Gedanken, wie seine „das Geschlechtliche scheuenden“ Eltern überhaupt zwei Kinder zeugen konnten. So ist es wie bei jedem Kunze-Konzert ein wortspielverliebter Abend zwischen Andacht, Aufklärung und Alliteration. Wer behauptet, das wäre oberlehrerhaft, hat den Kunze nicht verstanden.

Von Bernd Schwope

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