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Konzert: Heinz Rudolf Kunze in Peine

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13:30 27.05.2019
Ein Sänger, der es vorzieht anzuecken und aufzumucken: Heinz Rudolf Kunze.
Ein Sänger, der es vorzieht anzuecken und aufzumucken: Heinz Rudolf Kunze. Quelle: Florian Petrow
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Peine

Über das Mundharmonikagestell macht man sich als ganz normaler Protestsongfan ja kaum Gedanken. Eigentlich ganz praktisch, denkt man. Zugegeben, es wirkt wie eine Außenzahnspange, aber es ermöglicht dem Barden auch eine gewisse Flexibilität. Er hat beide Hände frei, um ein weiteres Begleitinstrument zu spielen; er muss keinen zusätzlichen Gitarristen bezahlen. „Es ist mir ein Rätsel, wie Bob das 70 Jahre aushalten konnte“, sagt Heinz Rudolf Kunze bei seinem Konzert im Peiner Forum, als hätte sein Mundharmonikagestell die Kraft eines Knebels. Gemeint ist Dylan, einer seiner Idole. Dann spielt er „Aller Herren Länder“, seinen 20 Jahre alten Protestsong, ein Lied, das immer noch sehr aktuell ist.

Kunze singt an gegen die, die neue Mauern bauen, die Flüchtlinge ersaufen lassen wollen, die nicht wahrhaben wollen, dass wir alle auf demselben einen Planeten leben. „Wir sind nichts Besonderes, hatten nur viel Glück, Auserwählte kriegen halt das größte Kuchenstück.“

Als Ansagen verwendet er eigene Gift- und Spottgedichte, bisweilen wahre satirische Wortgespinste, in denen er gegen die Egoisten in ihren Villen der Borniertheit ätzt. Dort, in Blankenese, im Grunewald, in Bogenhausen und in Westerland auf Sylt, singt er dann, sollte man sich vor „Schorsch genannt die Schere“ in Acht nehmen, wie Kunze seinen Robin Hood nennt.

Seine ganz eigene Idee von Popmusik

Er sei der Einzige in seinem Bekanntenkreis, der keine Rhabarberschorle trinkt, erzählt er auch. Für Mitläufertum hat Kunze kein Verständnis. Er zieht es vor anzuecken, aufzumucken. Für Menschlichkeit hat er schon immer demonstriert. Doch er lehnt sich nicht nur gegen Unmenschen und Demokratiefeinde auf, sondern auch gegen den das heutige Radio dominierenden mutlos und verklemmt wirkenden Lenor-Pop – allein dadurch, dass er seine ganz eigene Idee von Popmusik aus Deutschland unbeirrt durchzieht und sie mit diesem Soloprogramm sogar in die Provinz trägt. Dieses Konzert ist eine Wohltat.

Der 62-Jährige spielt alte Hits und Herzensangelegenheiten wie „Dein ist mein ganzes Herz“ und „Ich hab’s versucht“, aber auch viele Lieder von seinem aktuellen Album „Schöne Grüße vom Schicksal“. Das Beste sind die neuen, Mut machenden Klavierballaden. „Der Vogel der nach Süden zieht“, „Schäme dich nicht deiner Tränen“ und „Die ganz normalen Menschen“.

Ein großes, berührendes Konzert

Das Alltagsgetriebe steht still, wie der Pianomann Billy Joel sitzt Kunze da an seinem Instrument, während er die Hymne an diejenigen singt, die den Laden am Laufen halten. „Es sind die ganz normalen Menschen, mit einem ganz normalen Leben, die sich auch ganz normal benehmen.“ Ein großer Song. Ein großes, berührendes Konzert in der kleinen Stadt.

Nächstes Kunze-Konzert in der Region Hannover: am 20. Juni in Rethmar bei Sehnde.

Von Mathias Begalke