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Region Martin Grubinger im Funkhaus
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00:15 13.03.2019
„Wir spielen jetzt einfach alles“: Martin Grubinger (am Marimbafon in der Mitte) mit seinen Kollegen im Funkhaus. Quelle: Stefan Arndt
Hannover

Es dauert nur ein paar Sekunden, dann trifft einen der Schlag. Und der nächste auch. Und wieder und wieder. Mit zunehmender Rasanz drischt Martin Grubinger auf die 13 Trommeln ein, für die der 2003 verstorbene japanische Komponist Maki Ishii sein Opus 66 geschrieben hat. Fünf, vielleicht zehn Minuten, die Zeit verliert hier schnell an Bedeutung, prasseln die Klänge durch den ausverkauften Sendesaal und verwandeln das Pro-Musica-Publikum schon in diesem ersten Stück mit archaischer Kraft in eine kultische Gemeinschaft. Wenn Grubinger die Trommel rührt, berührt er im Zuhörer fast sofort lange verschüttete Tiefenschichten. Das ist nicht einfach nur Musik, es ist Signal, Instinkt, Ereignis, Aufbruch. Aber es ist eben auch noch Musik: raffiniert verschobene Rhythmik, klug komponierte Steigerung, gewitztes Spiel mit Erwartungen.

Verausgaben bis aufs Letzte

Konzerte mit Martin Grubinger stehen fast immer in einem faszinierenden Spannungsfeld zwischen einer Art mythischen Urkraft des Schlagzeugs und ihrer sehr gegenwärtigen Verfeinerung in Kompositionen, die selten älter sind als der 1983 geborene Österreicher. Dazu kommt der ungeheure körperliche Einsatz: Schlagzeuger brauchen nicht nur ein Höchstmaß an Geschicklichkeit und Koordination, wie es auch bei Geigern oder Pianisten erforderlich ist – sie brauchen auch sehr viel Kraft. Wenn Grubinger und seine Kollegen spielen, verausgaben sie sich bis aufs Letzte.

All das hat sich herumgesprochen: Grubingers Auftritt am Sonnabend war so schnell ausverkauft, dass Pro Musica gleich ein Zusatzkonzert am Sonntag angesetzt hat, für das ebenfalls binnen Kurzem keine Tickets mehr verfügbar waren. In der Welt der Neuen Musik ist das nicht gerade eine Selbstverständlichkeit.

Trommeln auf der Waschmaschine

Gemeinsam mit den Percussionisten Rainer Furthner, Alexander Georgiev, Slavik Stakhov, Leonhard Schmidinger und dem Pianisten Per Rundberg hat Grubinger einen imposanten Instrumentenparcours auf der Bühne aufgebaut. Trommeln aller Art, Marimba- und Vibrafone, Pauken, Klangblöcke, Ratschen und sogar eine „Junk Percussion Wall“, auf die Töpfe, Pfannen und eine Waschmaschinentrommel geschraubt sind. Es gibt ein Konzert für Percussion von dem Finnen Kalevi Aho, bei dem der Orchesterpart kurzerhand von den übrigen Percussionisten gespielt wird, und ein rockiges Stück für Percussion Solo und Zuspielband von dem neuseeländischen Komponisten John Psathas.

Martin Grubinger bei einer Probe im Funkhaus vor seiner „Junk Percussion Wall“. Quelle: Kathrin Kutter

„Wir konnten uns nicht einigen, was wir spielen wollten“, sagt Grubinger nach der Pause, „also spielen wir jetzt alles.“ Es folgt ein gut dreiviertelstündiges Arrangement, das ganz unterschiedliche Werke zusammenspannt: Grubingers „Prismatic Final Suite“ verbindet Schostakowitsch und Samba, die Musik des Neutöners Friedrich Cerha, für die es begeisterten Zwischenapplaus gibt, und traditionelle Taiko-Klänge. Zwischendurch gibt es eine fabelhafte Schauspieleinlage mit leuchtenden Schlagzeug-Sticks. Am Ende, nach fast drei Stunden: rasend begeisterter Applaus und drei Zugaben.

In der nächsten Pro-Musica-Saison ist Martin Grubinger am 23. April 2020 im Kuppelsaal Solist beim Bruckner Orchester Linz, Einzelkarten für das Konzert gibt es ab 23. April 2019.

Von Stefan Arndt

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