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11:03 29.04.2019
„Andere gehen in Rente, ich gehe auf Tour“: Mary Roos im Theater am Aegi. Quelle: Irving Villegas
Hannover

Selbstironisch ist sie ja. „Was haben Sie gedacht, als ich hier die Treppe runtergekommen bin? Schafft die das noch?“ fragt Mary Roos gleich zu Beginn das Publikum im Theater am Aegi. Die Treppe, das ist eine Showtreppe über die Breite der Bühne, in die selbstverständlich auch Lichter eingelassen sind, im Hintergrund sind vier große Bildschirme aufgebaut, die je nach Bedarf zueinander fahren können, um zwei noch größere oder einen riesigen Bildschirm zu formen.

Das war der Auftritt von Mary Roos in Hannover

„Andere gehen in Rente, ich geh auf Tour“ kommentiert die 70-jährige ihre Anwesenheit recht trocken. Und das sind nicht unbedingt kleine Dimensionen – gut 1000 Menschen schauen Roos im Theater am Aegi auf ihrer „ersten, einzigen und letzten Tour“ zu, und überhaupt, das Motto des Abends lautet ja auch „Abenteuer Unvernunft“. Zusammen mit sieben Musikern und zwei Background-Sängerinnen spielt Roos gute zwei Stunden lang Lieder aus ihren gut 60 Jahren Bühnenerfahrung. Ihr deutschsprachiges Cover von Sinatras „My Way“, „So leb’ dein Leben“, ist genauso wie „Arizona Man“, vergleichsweise neue Songs wie „Mein Sohn“ und „Nur die Liebe lässt uns leben“ mit dem sie 1972 den dritten Platz bei Grand Prix d’Eurovision belegte. Ihre Hits der Schziger, Siebziger und Achtziger werden dabei jeweils mit einem Medley abgehandelt, zu dem entsprechende Fernsehausschnitte auf den Bildschirmen laufen. So gerät das Konzert auch ein wenig zur nostalgischen Karrierückschau der Sängerin, die mit bürgerlichem Namen Rosemarie Böhm heißt.

Duett mit Mark Forster

Aber nicht nur Rückschau: 2018 nahm Roos an der Fernsehsendung „Sing meinen Song – das Tauschkonzert“ teil und zeigt auch auf der Bühne Coversongs – „Nur ein Wort“ von Wir sind Helden ist dabei, „Spinner“ von Revolverheld und zu dir weit weg“ von Mark Forster – mit dem sie wiederum „Nie die Liebe lässt uns leben“ als Duett singt, wobei Forsters Teil aufgezeichnet ist.

Je weiter Roos dabei vom formelhaften Party-Schlager wie „Einmal um die Welt“ oder „Die Liebe ist ein seltsames Spiel“ abrückt, desto interessanter wird die Musik dabei. Entsprechend ist der geheime Höhepunkt des Konzertes das textlich sowie schon eigenartig surreale „Ein Hund, eine Katze und eine Maus“, bei dem sie sich nur mit Fingerschnippen und einer Cajon begleiten lässt – der entlarvendste Moment ist, dass die Songs sowohl von Revolverheld als auch Wir sind Helden sich als Schlager geradezu perfekt eignen.

Das Alter? Ein Witz!

Das Publikum hat jedenfalls Spaß an der Retro-Show, was auch an Roos’ Humor und ihrer Selbstironie liegen mag. „Leute, was sind denn das für Texte?“ meint sie, nachdem sie den Saal mit „Arizona Man“ beschallt hat, mit „Frau Roos, wie lange wollen Sie das noch machen?“ gibt sie sogar einen ganzen, eher witzigen Song zum Thema Altern zum Besten. Vor allem aber die Medleys sorgen für Stimmung, und als Roos einmal ins Publikum geht, sich jemanden heraussucht und mit ihm recht lasziv auf der Bühne tanzt, ist die große Roos-Schlagerparty voll im Gange. Zwei Zugaben gibt die Sängerin, holt sich ihre Standing Ovations ab und meint dann trocken: „Und jetzt erstmal unters Sauerstoffzelt.“

Von Jan Fischer

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