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Konzert: Michelle im Theater am Aegi

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18:25 07.10.2019
Echte Gefühle: Michelle macht auf ihrer „Tabu“-Tour Station im Theater am Aegi. Quelle: Katrin Kutter
Hannover

Michelle lässt sich nicht unterkriegen – und sie redet darüber. Seit 28 Jahren steht sie mit Schlager und Pop auf der Bühne. Tiefschläge sind bei so einer Karriere nicht ungewöhnlich. Sie zum Markenkern zu machen schon eher. Die heute 47-jährige Sängerin hat bereits mehr als vier Millionen Tonträger verkauft und war 2016 und 2017 Jurymitglied in der beliebten CastingshowDeutschland sucht den Superstar“. Aber sie hat auch einen Schlaganfall überwunden, unter schweren Depressionen gelitten, sich aus dem Geschäft zurückgezogen, musste Privatinsolvenz anmelden und stellte ihre Rolle immer wieder öffentlich infrage.

Anschein der Aufrichtigkeit

Zurückhaltend war sie dabei selten. Was bei einem Rockstar niemanden wundern würde, gilt im Schlagergeschäft bereits als mutig. Dass Michelle diesen Ruf zu nutzen weiß, zeigt nicht nur ihr aktuelles Album „Tabu“ aus dem vergangenen Jahr, für das sie sich trotzige Songs schreiben ließ und auf dessen Titelbild sie – für ihr Genre erstaunlich – halb nackt zu sehen ist. Auch auf der Bühne des Theaters am Aegi beweist sie vor 1000 Fans ein gutes Gespür dafür, wie der Anschein von Aufrichtigkeit anderen Menschen Kraft geben kann – und wann man ihn mit aller Macht einer Konzertinszenierung behaupten muss.

Michelle singt vor 1000 Fans über Gefühle und übers Scheitern. Dazu wird viel getanzt.

Die ist nicht eben subtil: Als „besser denn je“ wird Michelle in einem Trailer angekündigt, sie werde sich „nichts verbieten lassen“, proklamiert sie in ihrer Begrüßung. Sie untermauert das mit breitbeinigen Siegerinnenposen, knappen Glitzerkostümen, Windmaschinen und vier Tänzern, denen sie auch mal Raum für anspruchsvollere Choreografien lässt – und die sie dafür immer wieder gen Bühnenhimmel heben. „Lass sie doch reden“ heißt dazu passend das Stück des neuen Albums, mit dem sie ihre Personalityshow eröffnet.

Alles probiert

„Ich kann immer von mir sagen, ich hab's wenigstens probiert, trotz der Niederlagen nie kapituliert“, ruft sie all jenen nochmals ihre Lebensgeschichte ins Gedächtnis, die darauf gewartet haben, ihr dafür zuzujubeln. Weil sie ihnen trotz der Schablonenhaftigkeit wirklich Trost spendet und Mut verleiht. Michelle überlässt diesmal nichts dem Zufall. Sie hat sich das neue Material bei den Erfolgreichsten der Branche anfertigen lassen, darunter Stephanie Stumph, Kristina Bach und Peter Plate. Auffallend oft geht es um den selbstbewussten Umgang mit Scheitern.

Die falschen Wimpern

Michelle verkauft keine Opfer-, sondern Durchhalteposen. Das ist ihr als Frau in ihrem Genre hoch anzurechnen. Spätestens beim Hit „Wer Liebe lebt“ gelingt der ganz große Glitzer mit langen, durchdringenden Tönen. Dass Michelle immer und immer wieder betont, wie wichtig es sei, „echt und richtig“ zu sein, sich mit allen Fehlern zu akzeptieren, kommt gut an. Als sie sich dann aber am Ende ihrer Show demonstrativ die falschen Wimpern abzieht, drängt sich die Frage auf, warum sie die überhaupt trug. Entweder sie fühlt sich wohl im Glamour ihrer Rolle – dann gibt es keinen Grund, das zu leugnen. Oder sie mag sich lieber in Jeans – dann spricht nichts dagegen, die auch zu tragen, während sie Authentizität predigt.

Lesen Sie mehr:

Was gibt Ihnen Kraft? Ein Interview mit Michelle.

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