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Region Musik von Karl Jenkins in der Herrenhäuser Kirche
Nachrichten Kultur Region Musik von Karl Jenkins in der Herrenhäuser Kirche
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12:23 01.04.2019
Das Kammerorchester Hannover und die Kantorei Herrenhausen spielen Karl Jenkins. Foto:Villegas
Das Kammerorchester Hannover und die Kantorei Herrenhausen spielen Karl Jenkins. Foto:Villegas Quelle: Irving Villegas
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Hannover

Ganz gleich, in welcher Sprache sie es tut: Jede Mutter, die um ihr Kind weint, ist eine zu viel. Dies lässt sich als zentrale Botschaft aus dem „Stabat Mater“ von Karl Jenkins herauslesen, das die Kantorei Herrenhausen und das Kammerorchester Hannover unter der Leitung von Martin Ehlbeck jetzt in der Herrenhäuser Kirche zur Aufführung brachten.

Die Herrenhäuser Kantorei singt Jenkins

Der walisische Komponist Jenkins hat in seinem 2008 in Liverpool uraufgeführten Werk dem mittelalterlichen lateinischen Gebetstext über die Leiden der Gottesmutter bei der Kreuzigung Textzeilen in mehreren Sprachen gegenübergestellt. Neben Englisch sind das Altarabisch, Aramäisch, Hebräisch und Altgriechisch – und damit Sprachen, die in den historischen Kontext der Passionsgeschichte passen. Aber das sind nicht die einzigen kulturellen Verwebungen des Werkes: So werden Textzeilen des persischen Mystikers Rumi ebenso ins Englische und Aramäische übersetzt wie eine Stelle aus dem altbabylonischen Gilgamesch-Epos. Der Schmerz kennt keine Sprache, weil er alle Sprachen kennt.

Zwischen Kirchen- und Filmmusik

Musikalisch wird dieses „Stabat Mater“ seiner ernsten Botschaft nicht ganz gerecht, denn über weite Strecken trägt es stark filmmusikalische Züge. Das „Sancta Mater“, einer der innigsten Momente des Originaltextes, ist eher wie ein Schlachtruf komponiert als wie das Flehen eines verzweifelt Betenden. An anderen Stellen sind die Melodien gefällig wie bei modernen Popsongs, so beim „Lament“. Dass diese Nummer dennoch nicht kitschig geriet, war der Alt-Solistin Sandra Fechner zu verdanken. Sie sang die Partie mit ihrem schönen, warmen Timbre und eher kleinem, unaufgeregtem Gestus, der dafür umso mehr berührte. Ihre später auf Englisch und Aramäisch gesungene Gilgamesch-Passage „Are you lost in darkness?“ gehörte zu den Höhepunkten der Aufführung.

Für spannungsreiche Momente sorgte auch das Kammerorchester Hannover, dessen klassisches europäisches Instrumentarium um verschiedene Schlaginstrumente ergänzt wurde. Aus dem überzeugenden Ensemble ragten die Bläsersolisten besonders hervor. Für den Chor bestand die Herausforderung in den vielen harmonischen Rückungen, die das Werk trotz der vorherrschenden Homophonie sängerisch anspruchsvoll machen. Die rund 100 Sänger starke Kantorei Herrenhausen zeigte viel Gestaltungswillen, geriet jedoch intonatorisch an ihre Grenzen, was vor allem bei dem nur von Schlagwerk begleiteten „Fac, ut portem Christi mortem“ hörbar wurde. Das Publikum war dennoch so begeistert, dass es am Ende das „Sancta Mater“ noch einmal als Zugabe zu hören bekam.

Von Juliane Moghimi