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Region Nils und Niklas Liepe spielen Fazil Say im Funkhaus
Nachrichten Kultur Region Nils und Niklas Liepe spielen Fazil Say im Funkhaus
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16:37 05.04.2019
Junge Künstler – und Festivalmacher: Nils und Niklas Liepe (von links) in den Stahlhallen am Südbahnhof. Quelle: Michael Wallmüller
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Hannover

Das war ein spannender Ausflug in die Klangwelten Anatoliens und zugleich ein Widerhall aus ottomanischen Zeiten. Der Geiger Niklas Liepe und sein Bruder, der Pianisten Nils Liepe waren die Solisten beim Konzert Junger Künstler im kleinen Sendesaal des NDR. Dabei hatten sie neben zwei Klassikern, Schuberts A-Dur-Sonate und Beethovens Kreutzersonate, drei Werke des türkischen Pianisten und Komponisten Fazil Say ins Programm genommen. Und da begegneten sich Orient und Okzident zu einem interkulturellen Dialog. In der fünfsätzigen Sonate für Violine und Klavier op. 7 aus dem Jahr 1997 verwebt der international anerkannte Musiker die Klänge traditioneller türkischer Instrumente mit kompositorischen Elementen der zeitgenössischen Musik.

Tanz vom Schwarzen Meer

Sensibel lauschten die beiden Brüder den nach innen gewendeten Klängen der beiden Rahmensätze „Melancholy“ nach und schufen eine Atmosphäre von Träumen und Kontemplation. Lebhafter dagegen der Satz „Grotesque“, bei dem das schnell präparierte Klavier zu einer türkischen Trommel, dem Kanun wurde. Und die Geige bekommt durch Pizzicati und Tremoli die Anmutung der Oud, der arabischen Kurzhalslaute. Und dann geht es in „Perpetuum Mobile“ mit handfestem Horon-Rhythmus, einem Tanz vom Schwarzen Meer, virtuos zur Sache, inklusive mikrotonalen Viertel-Intervallen. Wie auch in den beiden klassischen Sonaten zeigten die Brüder, dass sie beim gemeinsamen Musizieren ein Herz und eine Seele sind, und das auf der Basis von hoher instrumentaler Qualität.

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Diese Qualität konnte man dann besonders in zwei Solo-Stücken des türkischen Komponisten bewundern. Nils Liebe groovte sich mit virtuosem Spiel durch die technisch höchst anspruchsvollen Variationen im Stil des modernen Jazz über Paganinis Caprice Nr 24. Und diese Version stand dem Original an Schwierigkeitsgrad in nichts nach. Unterhaltsam und bravourös gespielt.

Schwierige Cleopatra

Niklas Liepe legte sich dann ein entsprechend schwieriges Stück aufs Pult mit dem orientalisch versprechenden Titel „Cleopatra“. Und in der Tat hörte man auch hier ein reizvolles Ineinander von orientalische und westlichen Elementen. Diese Noten wurden 2010 als Pflichtstück für den Henri-Marteau-Geigenwettbewerb komponiert und sind entsprechend gespickt mit fast allen geigerischen Schwierigkeiten, die man sich denken kann. Aber Niklas Liepe hatte alles im Griff, und das im wahrsten Sinne des Wortes. Auch er bravourös.

In Beethovens Kreutzersonate entfaltete das Duo dann in schöner brüderlicher Harmonie den Geist dieses großen Werkes und machte ihre Interpretation zum Hörerlebnis.

Vom 14. bis zum 16. Juni veranstalten die Musiker das Festival Liepe & Co in den Stahlhallen am Südbahnhof unter anderem mit dem Cellisten Nicolas Altstaedt.

Von Claus-Ulrich Heinke