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Region Peter Licht im Schauspielhaus
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14:49 15.03.2019
Läasst schmunzeln: Peter Licht im Schauspielhaus Quelle: Nancy Heusel
Hannover

 „Ich hab mich abgemüht mit Menschen, ich hab versucht, sie zu verstehen?“ Und, hat Peter Licht die Menschen verstanden? Man ahnt bei seinem Konzert im hannoverschen Schauspiel, dass das nicht der Fall ist. Liebeslieder hat er keine. Er singt seine Balladen für all die Verwunderten, die sich in einer kalten, komplizierten Welt wähnen. Sich schließt er da mit ein.

„Ich versuchte neue Mützen, doch eigentlich suchte ich einen neuen Kopf.“ Er müht sich wohl auch mit sich selbst ab, dort im „Funkloch meiner Einsamkeit“. Ob ihm seine Musik heraushilft? Der Zuschauerraum jedenfalls ist nur halb gefüllt.

Wie meint er das?

Licht präsentiert sein aktuelles Album „Wenn wir alle anders sind“. Seine Lieder passen gut in dieses Theater, wo man beim Nachdenken sitzen kann. Denn man muss viel nachdenken über Lichts Lieder, die das Gegenteil von, sagen wir mal, Ed Sheeran sind. Von Nebenbeiradio, von Oberflächlichkeit. Man muss die Songs erst schälen wie eine Mandarine, um sie deuten zu können. Und selbst dann beißt man immer wieder auf Kerne, auf Unbequemes, auf Unverständliches. Man fragt sich oft: Wie meint er das jetzt? Denn Lichts Stilmittel sind Ironie, feiner Spott, manchmal auch Albernheit. Wenn er lakonisch wird, ist er besonders gut: „Wenn man Probleme hat, hat man in der Regel mehr Probleme als keine. Oooooh Probleme.“

Licht ist beides, ein lustiger Astronaut, der erforscht, was mit Popmusik alles möglich ist, und ein melancholischer Clown. Die „Internationale“, das alte Arbeiterlied, hat er umdichtet zur „Emotionale/Hört die Signale“. Es ist nun ein Protestsong gegen neue Mauern, gegen Unmenschen und Demokratiefeinde, gegen die, die meinen, die „richtigen Pigmente“ zu besitzen. „Borderliner aller Länder“, singt er, „grenzt euch ab, macht dicht.“

Mitsingen wie im Konfirmadenunterricht

Vorher hat er, noch im Outro vom „Umentscheidungslied“, den Songtext wie ein Flugblatt verteilt, hat sich selbst mit Minnie-Maus-Stimme (Autotune macht’s möglich) singend durch einige Sitzreihen gequetscht, besonders ungelenk tuend. Alle sollen mit einstimmen. Denn: „Je lauter man singt, desto mehr Katharsis. Das gilt fürs Theater wie fürs Leben.“

Man lacht, viele singen tatsächlich mit wie im Konfirmandenunterricht. „Die hinterfotzigen Systeme kommen jetzt ans Licht.“ Eine harte, die Gesellschaft kritisierende Zeile. Ob die, die eben noch gelacht und gesungen haben, hinterher, schon auf dem Heimweg, ihr Verhalten ändern?

Licht und sein Begleitmusiker, der Mulitiinstrumentalist Benedikt Filleböck, erinnern an Trio, die Minimalisten aus Großenkneten. Auch eines ihrer Instrumente war das Schmunzeln. Licht schmunzelt, und er lässt schmunzeln, zum Beispiel über einen Bontempi-Bossanova-Beat aus den Achtzigern, der heutzutage noch plastikhafter klingt.

So kann man sich gut distanzieren. Selbst wenn man Weltrettungsambitionen hätte, klänge man nie wie Bono von U2, nie pathetisch oder predigend, auch nie selbstmitleidig.

Dem System, der Gesellschaft, den Umständen, in denen man lebt, zu entkommen oder sie zu verändern, ist schwierig. Peter Licht schreibt Lieder über diese Sehnsucht nach Befreiung. Darin ist er perfekt. „Wenn ich nicht hier bin, bin ich auf’m Sonnendeck - oder im Aquarium“, singt in seinem kleinen Hit „Sonnendeck“, und er tanzt dabei komisch. „An meine Freunde vom leidenden Leben“ richtet er die Zeile: „Frei sollten wir sein, sonst könnten wir uns nicht davon befreien, frei zu sein.“ Das muss man erstmal sacken lassen.

Von Mathias Begalke

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