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13:49 28.04.2019
Akustischer Powerpop: Ryan Sheridan im Muiskzentrum.
Akustischer Powerpop: Ryan Sheridan im Muiskzentrum. Quelle: Irving Villegas
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Hannover

Zu Beginn seines Songs „I’m Alive“ setzt sich der Ire Ryan Sheridan in den Hintergrund der Bühne des Musikzentrums, vor sich klappt er seinen Gitarrenkasten auf. Das Stück stamme noch aus seiner Zeit als Straßenmusiker in Dublin, erzählt er den 500 Fans im ausverkauften Saal, bevor er demonstriert, wie sich ein Publikum nur mit einer elektroakustischen Gitarre möglichst effektiv in den Bann ziehen lässt. Seine schnellen, fast perkussiven Anschläge holen aus dem Instrument ein Maximum an Energie.

Handgemachte Musik

Wie auch Sheridans Hit „Jigsaw“ aus der gleichen Zeit ist diese Musik handgemacht, aber auf Vollgas bedacht. Dazu passt das Schlagzeugspiel Ronan Nolans, der sich manchmal auch nur auf eine Cajón beschränkt – wiederum mit großer Vehemenz und vollem Körpereinsatz. Dass der akustische Powerpop Sheridans so erfolgreich ist, dass er auf seiner ersten eigenen Deutschlandtour bereits vom Lux in das doppelt so große Musikzentrum ausweichen muss, verdankt er nicht zuletzt seinem Landsmann Rea Garvey.

Den begleitete er in den Jahren 2013 und 2018 als Support Act und kam dabei auch außerhalb Irlands gut an, wo er bereits vor neun Jahren seinen ersten Radiohit hatte. Im Musikzentrum erzählt Sheidan, wie er sich das Gitarrenspielen selbst beibrachte, während er in jungen Jahren mit dem Riverdance-Ensemble als Tänzer und Geiger unterwegs war: „Während eines Broadway-Engagements übte ich später immer auf den Toiletten des Gershwin-Theaters.“

Straßenmusik für die Bühne

Mit seinen eigenen Songs wurde er schließlich auf der Grafton Street in Dublin entdeckt. Der Musikmanager Brian Whitehead lauschte angeblich zehn Minuten begeistert, bevor er seine Visitenkarte in den Gitarrenkoffer warf. Auch auf der Bühne spielt Sheridan letztlich Straßenmusik: karftvoll, mitreißend, mit simplen Strukturen. Nur seine Rhythmik lässt erahnen, dass er jahrelang als Tänzer auf großen Bühnen stand.

Dem großen, internationalen Stadionpop Garveys nähert er sich in „Stay“ an, einem Song, den er gemeinsam mit dem prominenten Gönner schrieb. Dem gegenüber stehen leisere Nummern wie das differenzierte „Home“, unverstärkt am Bühnenrand gespielt und mit tatkräftiger Unterstützung des euphorischen Publikums gesungen. Trotz seines langen Wegs zum musikalischen Erfolg, ist Sheridan diese Nähe offenbar immer noch wichtig. Die Fußgängerzonen haben ihn geprägt.

Am Montag, 20. Mai, um 20 Uhr gastiert Sheridans Support Act Vivie Ann mit einem eigenen Konzert im Lux.

Von Thomas Kaestle